ESCH-ALZETTE
PATRICK WELTER

BENU-Village in Esch - Musterhaus für eine echte Kreislaufwirtschaft steht

Ist das Kunst, oder kann das weg?“ lautet ein leicht reaktionärer Spruch, den es seit etlichen Jahren im deutschen Sprachraum gibt. Nein, auch wenn es keine Kunst ist, kann das nicht weg! Zumindest nicht auf den Müll oder in die Entsorgung. Nach Jahrzehnten des Überflusses wird die Kreislaufwirtschaft wieder oder neu entdeckt. Die Nutzung von Altem, um etwas Neues daraus zu machen, ist keine Erfindung der Jetztzeit und es bedarf auch keiner wissenschaftlich ausgeklügelten Anleitung zum Recycling. Einfach mal machen reicht. Der gemeinnützige Verein „BENU Village Esch“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu zeigen, dass Kreislaufwirtschaft sowohl technisch, als auch künstlerisch und vor allem sozial funktioniert.

Das Ziel ist die Errichtung eines „Village“ mit Raum für Start-ups, Begegnungen, bildende Kunst und Musik, kurz zahlreichen sozialen Funktionen, auf einer Brachfläche zwischen den Escher Stadtvierteln „Grenz“ und „Brill.“

Der Vereinsname BENU ist übrigens doppelt Programm. Zum einen ist es der Name eines mythischen ägyptischen Vogels, der sich durch einen Flug in die Sonne selbst erneuert - analog zum deutlich theatralischeren Phoenix - und damit ein Kreislauf-Symbol ist. Zum anderen fordert die englische Aussprache des Vereinsnamens „Be new!“ dazu auf, die Richtung des Denkens zu ändern. BENU wird von der Stadt Esch und dem Nachhaltigkeitsministerium gefördert. Langfristig soll sich der Verein selbst tragen, vor allem durch seine Schneiderwerkstatt. Dort entstehen aus abgelegten Kleidern neue Designerkreationen.

Pilotprojekt soll zeigen was geht

Um die Machbarkeit zu unterstreichen, dem Anliegen ein Gesicht zu geben und der vereinseigenen Schneiderwerkstatt und einem Büros des SNJ Raum zu geben, steht ein Pilotprojekt von „BENU“ auf dem „Place de la frontière“, nur wenige Schritte entfernt vom zukünftigen Standort des „Village“. Ein Haus aus „Abfall“, das zeigt, dass es nur ganz wenig echten Abfall gibt. Das dreigeschossige Haus besteht im Kern aus neun ausgemusterten 40-Fuß-Seecontainern. Auf der Außenseite kommt Miscanthus und im inneren unbehandelte Schafwolle als Dämmmaterial zum Einsatz. Während das Gebäude im Kern von Profis errichtet wurde, haben Künstler jeden Alters aus dem ganzen Land und der Grenzregion die Außengestaltung übernommen. Natürlicher Lehm bildet den Verputz und die Basis für eine Reihe ausdrucksstarker Bilder, wiederum aus „Abfall“ gestaltet, von hunderten Kronkorken bis hin zu alten Vinylplatten. Bauhölzer, ausgemusterte Türen, nicht mehr gebrauchte Fenster, selbst alte Kabel kamen beim Bau zum Einsatz. Was sich nach leicht irrem Kunstwerk anhört, ist solide Handwerksarbeit, die von der Bauaufsicht ein volles „Okay“ erhalten hat.

Georges Kieffer, Vereinspräsident, betonte, dass im ganzen Haus einzig und allein die verwendeten Schrauben neu sind. Zum Einsatz kamen weder Silicon, Bauschaum oder andere Bau-Chemikalien, dafür fand manche schöne alte Haustür einen neuen Verwendungszweck. Morgen erfolgt die offizielle Eröffnung


Weitere Informationen und Details unter: www.benuvillageesch.lu