LUXEMBURG
MARCO MENG

Die Türkei bleibt dennoch für Investoren höchst interessant

Zwar hat die Türkei nach den Boomzahlen von 2010 mit einem Wachstum von 9,2% im Sog der europäischen Wirtschaftskrise an Kraft verloren, dennoch hat das Land gutes Entwicklungspotenzial, und die Ratingagenturen Fitch oder Standard & Poors erhöhten Ende letzten Jahres beziehungsweise im März diesen Jahres das Rating der Türkei auf annähernd „Investment-Grad-Niveau“.

Zurück zu moderatem Wachstum

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sogar im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum real wieder zugelegt: Plus 3,7% gegenüber einem Plus von 2,2% im Jahr 2012. Mitverantwortlich für die Wachstumszahlen sind die zahlreichen Infrastrukturprojekte, vor allem im Verkehrs- und Energiesektor, wo zahlreiche Kraftwerke privatisiert und weitere gebaut werden sollen. Auch die Exporte legten wieder zu, wobei das Importvolumen zuletzt leicht abnahm und so das chronische Außenhandelsdefizit, ein Schwachpunkt der Türkei, etwas verringert werden konnte.

2013 ist dabei ein besonderes Jahr in den türkisch-luxemburgischen Beziehungen: Der türkische Wirtschaftsminister hatte zum erstenmal mit einer großen offiziellen Wirtschaftsdelegation Luxemburg besucht, während nun umgekehrt das Großherzogspaar mit einer luxemburgischen Wirtschaftsdelegation zum erstenmal die Türkei besucht und die Turkish Airlines, die seit Sommer ab Findel fliegt, ankündigte, im nächsten Jahr täglich von Luxemburg nach Istanbul zu fliegen (ab welchem Monat genau, will man im Dezember bekanntgeben). Heute fliegt die Airline, die in den nächsten Jahren zur größten Fluggesellschaft Europas avancieren will, vier Mal wöchentlich von der Türkei nach Luxemburg und zurück. „Mit den Direktflügen“, so Tuncay Eminoglu, General Manager Luxembourg von Turkish Airlines, „wird der Personenverkehr zwischen unseren beiden Ländern zunehmen. Wir hoffen, das hilft, die Beziehungen zwischen Luxemburg und der Türkei weiter zu verbessern.“ Man glaube ferner, auch dem Luxemburger Flughafen zu nutzen, da man eine Menge neuer Kunden von außerhalb nach Luxemburg bringe, so Eminoglu.

Türkisch-Luxemburgische Wirtschaftsbeziehungen werden sich intensivieren

Zeynep Aslan, Präsidentin des 2011 gegründeten Türkei-Luxemburg Business Club, erwartet in den nächsten Jahren zudem eine starke Zunahme von türkischen Unternehmensgründungen in Luxemburg wie auch die luxemburgischer in der Türkei. In der Türkei selbst hat sich inzwischen die Zahl ausländischer Unternehmen auf mehr als 30.000 vervielfacht. Aslan, die das Türkeigeschäft bei Fuchs et Associés Finance in Luxemburg leitet, war lange Jahre auch Direktorin des 1997 in Luxemburg gegründeten Turkisfund SICAV gewesen, des ersten türkischen Fonds, die in der Währung Euro handelte. Mit einem Marktanteil von 23% ist die Muttergesellschaft Is Asset Management der führende Fondsmanager der Türkei. Die einzelnen Fonds, deren Kursverläufe seit Gründung sich sehen lassen können, investieren in türkische Aktien oder Anleihen. Nach Angaben der türkischen Zentralbank ist Luxemburg dabei hinter dem Vereinigten Königreich und Österreich der drittgrößte Direktinvestor in die Türkei: Insgesamt kommen 78,5% der Direktinvestitionen der letzten fünf Jahre aus Europa - zumeist in den Dienstleistungssektor sowie in Industrie und Finanzbereich -, was den Kontinent überaus wichtig für die Türkei macht. Denn das Land ist auf Kapitalzuflüsse angewiesen. Um das Leistungsbilanzdefizit nachhaltig zu reduzieren, müssen Industrieprojekte vorangetrieben werden. Was vielen Investoren Sorgen bereitet, ist die relativ hohe Inflation von derzeit rund 7,7%, weswegen viele eine Zinserhöhung der türkischen Zentralbank begrüßen würden. Das aber könnte wiederum Investoren abschrecken.