LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Starke Momente dank vieler Initiativen in den sozialen Medien

Die Anweisung, zuhause zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden, um eine zu große Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, dürften die meisten mittlerweile verstanden haben. Dennoch fällt die Umsetzung schwer, und bereits nach wenigen Tagen droht vielen, die Decke auf den Kopf zu fallen. Ablenkung findet sich im Netz, wohin vieles wegen der Zwangspause im richtigen Leben verlegt wurde. Besonders in den sozialen Netzwerken werden derzeit viele tolle Aktionen gestartet, um doch noch irgendwie gemeinsame Momente zu ermöglichen. Das beginnt bereits bei kleinen Aktionen wie jener von Künstler Pit Wagner, der jeden Tag eine Zeichnung aus seinem Archiv postet. Derweil macht Filmemacher Yann Tonnar darauf aufmerksam, dass man sich eine Auswahl seiner Filme gratis auf Youtube anschauen kann.

Live-Performances und „Sing-along-Videos“

Serge Tonnar dagegen hat mit „Live aus der Stuff“ eine richtig große Aktion gestartet. Täglich sendet ein Künstler live aus seinem Wohnzimmer. Den Anfang machte am Dienstag der Pianist Jean Muller. Gestern war die Reihe an Steve Karier, der zu einer Kafka-Lesung einlud. Auch das weitere Programm ist gut gefüllt, wofür Kulturministerin Sam Tanson auf ihrer FB-Seite lobende Worte findet: „Kultur doheem an d’Stuff a komplizéierten Zäiten an Aarbescht fir d’Kënstler live aus hierer Stuff. Mir brauchen sie, sie brauchen ons“.

Das „Institut Européen de Chant Choral“ (INECC) wartet auf Facebook ebenfalls mit einer originellen Idee auf. Das Motto: „Sangt vun doheem aus mat“. Täglich werden Noten und Text eines Lieds aus der Serie „Lëtzebuerger Lidder nei arrangéiert a komponéiert“ als „Sing-along-Video“ hochgeladen. „Mir versichen als INECC eisen Deel dozou bäizedroen, fir déi ganz Situatioun sou positiv wéi méiglech ze gestalten“, erklärt die Kommunikationsbeauftragte Elisa Baiocchi. Der Anfang wurde vor zwei Tagen mit „D’Lidd vum Théiwesbuer“ gemacht.

Aufruf an alle Musiker

Die Fondation EME versucht ihrerseits, die Alters- und Pflegeheime mit Musik zu versorgen. Passiert dies üblicherweise während kleinen Live-Konzerten, werden nun die neuen Technologien zum Einsatz gebracht. Die Stiftung ruft Musiker auf, die Zeit zu nutzen, um den Menschen, die momentan keinen Besuch empfangen dürften, mit einem Konzert-Video Freude zu bereiten. Dazu sollen sie ihr Konzert filmen, auf Facebook oder Youtube veröffentlichen und die Aufnahme oder den Link an die Fondation EME weiterleiten (contact@fondation-eme.lu).

Positiv bleiben

Mady Lutgen, Geschäftsführerin des Online-Magazins MADI, hat ihrerseits die Facebook-Gruppe „Stay positive during the Coronavirus time“ gegründet. „Für mich war es erschreckend, zu sehen, dass die sozialen Medien nur von Panikmachern bestimmt wurden. Wenn man jeden Tag nur hört, wie viele Infizierte es gibt, wie viele Menschen gestorben sind, dass Restaurants und Hotels sowie Freischaffende Bankrott machen, dann gerät man in Panik“, gibt sie zu bedenken. „Niemand von uns weiß, wie es weitergeht, aber jetzt nur noch in Angst zu leben, trägt nicht zu einer Verbesserung der Situation bei, ganz im Gegenteil. Ich wollte etwas tun, um den Leuten zu helfen, in dieser Zeit positiv zu bleiben. Jeder kann sich in dieser Gruppe mitteilen. Gegenseitig können wir uns aufbauen. Es geht darum, einander zu motivieren und zu inspirieren, dies beispielsweise mit positiven Sprüchen oder durch das Teilen von Fotos, Sport-, Kreativ-, Yoga-, Bastel- oder Musikvideos.“ Und dass sie damit genau den Nerv der Zeit trifft, beweist das Feedback. „Innerhalb von zwei Stunden hatten wir 300 Mitglieder, und heute knacken wir bestimmt auch noch die 1.000“, freut sie sich. Ähnliche Initiativen in Luxemburg und natürlich auch den Nachbarländern gibt es inzwischen reichlich. Sie alle haben ein Ziel: Verhindern, dass die Zeit, die vor uns liegt, zur emotionalen Belastung werden.

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