LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FR. JOURNALIST

Optiker-Prozess: Billige Gläser als Markengläser verkauft

Drei Mitarbeiter einer Augenoptikergesellschaft in Wasserbillig sollen Kunden und Krankenkasse mit falschen Abrechnungen und gefälschten Quittungen betrogen haben. Billige Produkte sollen so als teurere abgerechnet worden sein. Ob die Krankenkasse von den Optikern Geld zurückfordern kann, ist nicht sicher, da immer die gleichen Tarife verrechnet wurden. Es ist nicht bekannt, wie hoch der entstandene Schaden ist. Die Fakten gehen auf den Zeitraum 2004 bis 2010 zurück.

Betrug, Urkundenfälschung und Geldwäsche

Mehr als zweitausend Brillenträger haben laut Ermittlungen offenbar jahrelang überhöhte Preise für ihre Sehhilfen bezahlt. Drei Optiker, Jürgen M. (48), Andreas H. (47) und Volker M. (46) sollen in mehr als 2.000 Fällen betrügerisch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen somit Untreue (Verstoß gegen Artikel 315 des Sozialversicherungsgesetzbuchs), Betrug, Urkundenfälschung und Geldwäsche vor. Die Anklage stützt sich auf umfangreiches Beweismaterial, das die Ermittler gegen die drei Angeklagten zusammengetragen haben. Kunden sollen teuere Zeiss-Brillengläser verrechnet worden sein, sie hatten aber im Endeffekt ein Billigprodukt in ihren Brillen. Der Angeklagte H. hatte beim Untersuchungsrichter ausgesagt, dass Billigprodukte auch Topprodukte sein können. Vergleicht man billige und teure Gläser gleicher Stärke im Messgerät, so würden sie qualitativ gleich erscheinen. Doch Glas ist nicht gleich Glas, die Angeklagten hatten den teuren Kaufpreis auf billigere Brillengläser verrechnet, die Preisdifferenz in die eigene Tasche gesteckt.

Über 2.000 Geschädigte

Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklageschrift zunächst von einer weit größeren Dimension des Abrechnungsbetrugs ausgegangen. Da der Fall auf vier Sitzungen angesetzt ist, bleibt nun abzuwarten, wie viele geprellte Kunden sich in den Gerichtsverhandlungen präsentieren werden, um als Nebenkläger Schadenersatz zu beantragen.

Für die Staatsanwaltschaft war die Identifikation der potenziell Geschädigten wichtig. Doch nur wenn Geschädigte identifiziert sind, können sie individuell benachrichtigt werden. Weil es nicht möglich war, über 2.000 Geschädigte anzuschreiben, hat die Staatsanwaltschaft auf ihrer Internetseite sowie in der Presse die Öffentlichkeit in einer Bekanntmachung über den Sachstand informiert. 15 Zeugen sollen vernommen werden, nur die ehemalige Geschäftsführerin der Filiale in Wasserbillig wurde in der gestrigen Verhandlung zur Sache befragt. Die Sache flog auf, weil die Geschäftsführerin 50.000 Euro in die Gesellschaft gesteckt hatte und sich im Nachhinein betrogen fühlte. Sie hatte festgestellt, dass Gelder der Firmen direkt auf die Privatkonten des Direktors Andreas H. überwiesen wurden. In ihrer Aussage bestätigte sie, dass sie schon vorher dubiose Geschäftspraktiken in der Niederlassung Wasserbillig festgestellt hatte. Sie meldete der Direktion ihre Feststellungen. Daraufhin sei ihre Vorgängerin entlassen worden. Eine Klage von 2009 führte zu den Ermittlungen. In den Aussagen der Mitarbeiter wurden die Geschäftspraktiken bestätigt.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.