LUXEMBURG
DIANE DHUR

In Zeiten der Corona-Pandemie ist die Vermeidung von physischem Kontakt oberstes Gebot. Hinzu kommt, dass Krankenhäuser besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen mussten, um eine Einschleppung des Virus in diese kritische Infrastruktur zu verhindern. Doch mindestens genauso wichtig sei es für den Einzelnen und seine Angehörigen, wie auch für die Gesellschaft als Ganzes, ein Beisammensein am Lebensende zu ermöglichen. Das ist der Appell von Omega90. Deren Präsidentin Diane Dhur erklärt, warum.

„Die ganze Sache mit Covid-19 hat den Umgang mit dem Tod nicht einfacher gemacht. Ich habe den Eindruck, dass wir nach den Errungenschaften der vergangenen Jahre, in denen mehr über dieses Tabuthema und die Trauer gesprochen wurde, durch die in der Pandemie getroffenen Maßnahmen wieder zurückgeworfen werden. Begräbnisse sind nur noch in einem äußerst restriktiven Rahmen möglich, Besuche von Menschen, die ihrem Lebensende nahestehen, selbst für Nicht-Covid-19-Patienten, hingegen kaum oder gar nicht. Die Konfrontation mit dem Tod ist auf eine abstrakte Zahl reduziert. Die Selbstbestimmung, die Frage des Sterbens in Würde, ist derzeit nicht mehr gegeben. Dabei ist gerade das, die Vorbereitung auf den Tod, Momente der Freude erleben zu können, Freunde und Familie noch einmal zu sehen, für den Trauerprozess äußerst wichtig.

Im Trauerprozess ist das Akzeptieren des Todes, lernen, mit dem Tod zu leben, ein zentrales Element. Dazu gehört, den Kranken bis zum Tod zu begleiten, über Dinge zu reden, über die man im Leben und in unserer schnelllebigen Zeit nicht gesprochen hat oder auch über Wünsche für die Bestattung. Das ist ein einzigartiger Moment, auf den man sich nicht vorbereiten, den man aber auch nicht nachholen kann. Diesen Moment weggenommen zu bekommen erschwert den Trauerprozess, Schuldgefühle können entstehen oder sogar eine pathologische Trauer.

Es ist auch klar, dass Videoanrufe solch intime Momente nicht ersetzen können. Ältere Menschen auf der Palliativstation eines Krankenhauses sind oft zu schwach für einen Videokontakt. Gerade die nonverbale Kommunikation, Berührungen, Mimik und Gestik sind essenzieller Bestandteil dieser Momente.

Bleibt all das aus, befürchten wir mit vielen Schicksalen konfrontiert zu sein. Schon jetzt melden sich Personen bei uns, die verzweifelt versuchen, ihre Angehörigen im Krankenhaus zu sehen und befürchten, dass dies nicht mehr geschehen würde Das kann dazu führen, dass im Nachhinein viele Menschen eine zusätzliche psychologische Betreuung brauchen, weil diese Last zur Last der Trauer hinzukommt.

Daraus ergibt sich für uns, dass wir über Besuchsmöglichkeiten nachdenken müssen. Wir haben uns mit diesem Anliegen bereits vor zwei bis drei Wochen an die Gesundheitsministerin gewendet, auch wenn wir wissen, dass die Regierung viel arbeitet. Uns geht es nicht darum, Kritik zu üben oder Druck auf die Krankenhäuser zu machen. Vielmehr besteht das Ziel darin, die individuellen aber auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu verringern, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen wie auch für die Gesellschaft in unserem zukünftigen Umgang mit dem Tod.“

Omega90 weist darauf hin, dass sich Personen mit ihren Sorgen jederzeit an Omega90 wenden oder auch vorbeikommen können. Weitere Informationen unter www.omega90.lu