LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Das Cube 521 startet in die neue Saison: „Es ist anders, aber die Qualität bleibt bestehen“

War was? Wenn man durch das Programmheft des Cube 521 Marnach blättert, fällt jedenfalls nichts Ungewöhnliches auf. Das Angebot der neuen Spielzeit unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von jenem vergangener Spielzeiten. Nichts deutet darauf hin, dass hier eine Saison unter Corona-Bedingungen geplant wurde. Theater, Konzerte, Lesungen, Kinderproduktionen… alles ist dabei. Ob es dennoch schwer war, die Spielzeit 2020/21 unter den gegebenen Umständen zu organisieren, erzählt Odile Simon, die Direktorin des Kulturhauses, im Gespräch mit dem „Journal“.      

Die Saison 2019/20 musste abrupt abgebrochen werden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Odile Simon Es war ein dramatischer Umstand. Zu dem Zeitpunkt sollten wir die Premiere einer Kreation feiern. Die Proben für das Kinderstück „Bea Beutelratte“ hatten wir gerade abgeschlossen, als es hieß, die Kulturhäuser müssten ihre Türen schließen. Am Anfang gab es noch die Hoffnung, dass dies nur vorübergehend wäre, doch irgendwann war klar, dass wir sämtliche Veranstaltungen der laufenden Saison absagen müssten. Alles musste umorganisiert und verlegt werden. In der Kultur wird ja normalerweise nach vorne geschaut, deshalb war es ungewohnt, den Rückwärtsgang einzulegen. Das alles hatte natürlich Auswirkungen auf die neue Spielzeit, die ja bereits komplett geplant war. Manche Sachen sind wegen der Corona-Auflagen nun einfach nicht machbar. Dennoch war es uns wichtig, Stücke oder Konzerte, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, in die neue Spielzeit zu retten. Dazu gehört eben das Live-Hörspiel  „Bea Beutelratte“ und beispielsweise Konzerte des London Brass Quintet oder von Omer Klein.

Ende Mai hätte das Cube 521, wie alle anderen Kulturhäuser auch, eigentlich wieder ein Publikum empfangen können, ein Angebot gab es aber nicht?

Simon Organisatorisch wäre das schwierig gewesen, immerhin hatten wir alles abgesagt. Wir sind stattdessen in die Altersheime gegangen und haben dort ein kleines Programm geboten. Im Haus selbst haben wir weiter an unseren Stücken gearbeitet und auch technische Arbeiten erledigt. Die Zeit haben wir vor allem genutzt, um weiter kreative Ideen zu entwickeln und zu überlegen, welches Programm wir ausarbeiten könnten, das in Einklang mit den bestehenden Auflagen ist.  

Wie kann man in einer derart ungewissen Zeit überhaupt eine Saison planen?

Simon Irgendwann muss man Entscheidungen treffen. Das Musikprogramm ist in dieser Spielzeit etwas größer als das Theaterprogramm. Den ganz großen Ensembles mussten wir leider absagen. Auch Festivals wie beispielsweise das „Chant grégorien“ haben wir umgeändert und bieten dazu nun thematische Konferenzen. Das „Nightlight and more“-Festival haben wir von letzter auf die Saison 21/22 verlegt. Was wir jetzt haben, ist ein großes Jazz-World-Programm mit kleinen Formationen. Nennen kann ich zum Beispiel die drei musikalischen Großgewichte mit afrikanischem Hintergrund Habib Koité, Bai Kamara und Hervé Samb. Bei diesen Konzerten sind jeweils drei, vier Leute auf der Bühne, das ist durchaus machbar in der Situation, wie wir sie nun einmal im Moment erleben. Im Jazzbereich freuen wir uns auch auf Emile Parisien oder Itamar Borochov. Was die Theaterstücke anbelangt, so habe ich auch darauf geachtet, dass keine zu große Truppe auf der Bühne steht und dass Abstand gehalten wird.  Eine Besonderheit sind in diesem Jahr die unter dem Titel „Große Stimmen“ zusammengefassten Autorenlesungen mit musikalischer Begleitung. Wir haben etwa Christian Berkel, Suzanne von Borsody und Corinna Harfouch eingeladen.

Im Resümee: Die Programmgestaltung war eine Herausforderung, aber kein Ding der Unmöglichkeit?

Simon Genau, alles musste ein bisschen angepasst werden. Es ist anders, aber die Qualität bleibt bestehen. Es ist uns gelungen, eine vollwertige Saison auf die Beine zu stellen, wunderbare Künstler einzuladen und den Ansprüchen unseres Publikums gerecht zu werden. Die Leute wollen herkommen, das merken wir bereits jetzt am Zuspruch, sie wollen etwas erleben. Die Kultur gehört zum Leben dazu, sie ist ein menschliches Bedürfnis.

Ist es möglich, der Krise dennoch etwas Positives abzugewinnen?

Simon Nun ja, wenn man positiv denkt, kann man das möglicherweise. Manchmal ist es vielleicht gut, einen ICE etwas auszubremsen, um zu schauen, welche großen, tollen Strecken bereits zurückgelegt wurden, was alles passiert ist und zu überlegen, wie es weitergehen kann. Dennoch hätten wir gerne auf diese Zeit, das ganze Leid und die negativen Auswirkungen für viele Menschen verzichtet. Grenzen waren geschlossen, die Gefahr vom Nationalismus stieg. Umso wichtiger ist es vielleicht gerade jetzt, dass im Theater die großen Themen aufgegriffen werden. Wir legen Wert auf Produktionen, in denen es um Werte geht.

Zum Beispiel?

Simon In „Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran“ geht es beispielsweise um Toleranz und Respekt. Im Kinder- und Jugendbereich haben wir etwa das englische Stück „The Wave“ im Programm, in dem es um ein Experiment mit Schülern geht, um herauszufinden, wie Faschismus funktioniert. „Schtonk“ mit Luc Feit greift das Thema Fake News auf.  „Präsidenten Suite“ steht im Zeichen der #MeToo-Debatte. Freuen darf sich das junge Publikum außerdem auf die Kreation „King Tel Mo Rei“ von Roland Meyer, eine Fortsetzung seines Jugendbuchs „Tel Mo“. Hinzu kommen Klassiker wie „Des Kaisers neue Kleider“ oder „Pünktchen und Anton“. Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz. Da hätten wir beispielsweise „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ im Angebot, genau wie „Igudesman & Joo – And now Beethoven“, was wirklich eine urkomische Bühnenshow ist, oder „Släpstick“, eine turbulente Show mit fünf Musikclowns.

Wie sieht es mit den sanitären Maßnahmen aus?

Simon Die Konzerte und Theateraufführungen finden ohne Pause statt, damit das Publikum sitzenbleiben kann. Selbstverständlich haben wir auch eine ganze Reihe Maßnahmen getroffen, um die sanitäre Sicherheit zu garantieren. Die Stühle werden desinfiziert, Desinfektionsmittelspender stehen zur Verfügung, es wird immer eine Sitzreihe freigelassen, genau wie einzelne Plätze zwischen den Zuschauern. Es besteht Maskenpflicht. Normalerweise können wird über 300 Besucher empfangen, die Sitzplätze haben wir nun aber auf rund 100 begrenzt. Das bedeutet natürlich einen erheblichen Verlust an Einnahmen. Die ganzen Auswirkungen werden wir erst Ende nächsten Jahres spüren. Es lässt sich ja auch noch immer nicht sagen, wie sich das Ganze nun weiterentwickelt. Wir hoffen, dass es zumindest in der zweiten Hälfte der Saison wieder etwas normaler läuft.  

Sind Sie optimistisch?

Simon Ja, von Geburt an (lacht). Das ganze Team ist optimistisch. Vor allem sind wir froh, die Türen wieder öffnen zu können. Darüber freut sich auch das Publikum sehr. Die Leute wollen nicht zu Hause auf der Couch sitzen, nein, sie wollen ins Theater, sie wollen Konzerte erleben. Das ist eine große Erleichterung. Wir sind sehr glücklich, wieder Besucher empfangen zu können und dafür zu sorgen, dass der Mensch nicht in der Isolation bleibt.   

Der offizielle Startschuss in die neue Spielzeit fällt am 3. Oktober mit dem Hamburger Klassik-Quartett „Salut Salon“ - Das ganze Programm unter www.cube521.lu