GREVENMACHER
PATRICK WELTER

Die neue Kläranlage in Grevenmacher wurde für einen geruchsfreien Betrieb konzipiert

Die Geschichte der Kläranlage Grevenmacher ist eine lange. Über Jahrzehnte hinweg wurde diskutiert, wie und wo eine Kläranlage für den unteren Teil der luxemburgischen Mosel stehen könnte, zeitweise war sogar ein Anschluss an die Kläranlage von Konz (D) im Gespräch. Abwasserreinigung gehört nun einmal zu den öffentlichen Aufgaben, die niemand gerne vor seiner Tür hat – wegen der Geruchsbelästigung ein klassisches NIMBY-Thema. Eine Lösung in der Standortdiskussion rückte erst dann näher, als man sich dazu entschloss,  eine Kläranlage wie für einen innerstädtischen Standort zu bauen. Eine ganz schlichte Lösung: Deckel drauf! Nicht billig, aber sozialverträglich. Von der ersten Idee und der Besichtigung einer innerstädtischen Anlage in Herford (D), immerhin schon 2002, dauerte es noch mehr als ein Jahrzehnt bis zur Grundsteinlegung 2013 und zur offiziellen Inbetriebnahme vor wenigen Wochen.  Die jahrelange Diskussion über den Bau von Klärwerken an der Mosel hat aber dafür gesorgt, dass bei der Realisierung zentrale Konzepte umgesetzt wurden. Statt kleinen Kläranlagen wurden auf der Strecke zwischen Schengen und Wasserbillig nur zwei Anlagen gebaut. Eine für Schengen, den Haff Remich und die Stadt Remich auf dem deutschen Ufer in Perl-Besch, an die auch Ortsteile von Perl angeschlossen sind. Die andere in Grevenmacher mit einem Einzugsbereich von Stadtbredimus bis zur Autobahnraststätte Wasserbillig, inklusive einiger Gemeinden im Hinterland. Der Bau der kilometerlangen Hauptsammler und Druckleitungen inklusive zahlreicher Pumpstationen mag aufwändig gewesen sein, die technische Besonderheit der Anlage in Grevenmacher bleibt aber die Einhausung samt Abluftreinigung. Hinzu kommt noch eine besondere Ausrichtung auf Abwässer aus der Wein- und Schaumweinproduktion.

Das Betreibersyndikat SIDEST erklärt die Abluftreinigung so: „…Die mit Geruchsstoffen stark belastete Abluft im Zulaufbereich, der Vorklärbecken, der SBR-Reaktoren und in den Baugruppen der Schlammbehandlung wird abgesaugt. Diese werden mittels starken Ventilatoren einer (…) Abluftbehandlungsanlage, die im Wesentlichen auf der Anwendung von UV-Licht und Aktivkohlefilter basiert, zugeführt. (…) Die Technologie ist unempfindlich gegenüber äußere Bedingungen (Temperatur, Feuchte, Konzentrationen, etc.) und kann starke Schwankungen der Belastung verkraften. Die Geruchsreduzierung ist  auch mit einer weitgehenden Entkeimung der Abluft verbunden.  (…) Eine so genannte elektronische Nase dient der Geruchserfassung und Prozessoptimierung…“