KONZ
MARCUS STÖLB

Konzer Bürgermeister kündigt Widerstand gegen Ausbau der Tanklager an

Es sind nur wenige Hundert Meter Luftlinie von Temmels nach Mertert, lediglich die Mosel trennt Gemeinden und Länder. Die politischen Beziehungen sind bestens, deutsche Politiker rühmen sich schon mal gerne ihrer exzellenten Verbindungen in die luxemburgische Politik. Doch beim Thema Tanklager hört die Freundschaft auf, scheint es.

Karl-Heinz Frieden weiß die Nähe zum Großherzogtum zu schätzen. Schließlich profitiert die von ihm geführte Verbandsgemeinde Konz in starkem Maße von Hunderten Grenzgängern, die hierzulande einer gut bezahlten Beschäftigung nachgehen.

Derzeit jedoch wäre es Frieden wohl lieber, der Abstand seines Verwaltungsgebiets zum Nachbarland wäre etwas größer. Denn in Gemeinden wie Temmels oder auch Wellen, die beide zu Friedens Verbandsgemeinde zählen, ist die Verunsicherung über den möglichen Ausbau des Tanklagers im Hafen Mertert sowie bis nach Grevenmacher besonders groß. Zu Recht, findet der Bürgermeister und kündigt gegenüber dem „Journal“ massiven Widerstand gegen das Vorhaben an.

Auf einmal auch Kerosin

Frieden beklagt, dass das Tanklager nicht nur erheblich ausgebaut werden soll, sondern neben Diesel und Heizöl künftig auch hoch explosives Benzin und Kerosin lagern würde. „Dies stellt ein erhebliches hochexplosives Gefahrenpotenzial dar, das im Katastrophenfall verheerende Auswirkungen durch Feuer, Druckwellen und Entwicklung giftiger Brandgase haben wird“, warnt er. Zudem würde die am Tanklager vorbeifließende Mosel die giftigen Schadstoffe weiter transportieren, beschreibt Frieden schon mal ein Katastrophenszenario.

Nicht nur ein Sicherheitsproblem

Doch selbst wenn es zu einem solchen nie käme, blieben dem Deutschen immer noch eine ganze Palette an Punkten, die er gegen die Pläne ins Feld führen könnte: „Lärmimmissionen durch Verladevorgänge, Beeinträchtigung von Flora und Fauna und damit der natürlichen Lebensräume, Luftreinhaltung, das Landschaftsbild sowie schädliche Auswirkungen bei der Flächennutzungsplanung, die eine Ausdehnung des Siedlungsbereiches unmöglich macht“, zählt Frieden auf. Schier endlos scheint seine Liste an Argumenten, mit denen er den Plänen auf luxemburgischer Seite eine Absage erteilt.

Warum keine Pipeline-Lösung?

Dass Luxemburg seine nationale Treibstoff-Reserve ausbauen muss, um endlich einer EU-Direktive nachzukommen, weiß man indes auch in Konz. Es stelle sich für ihn „die Frage, ob die nationale Treibstoffreserve mit internationalen Vereinbarungen auch außerhalb des Landes vorgehalten werden oder über Pipeline-Lösungen sichergestellt werden kann“, erklärt Frieden.

Konzer Haltung in Luxemburg schon lange bekannt

Im Übrigen, gibt er zu bedenken, sei die Haltung seiner Verbandsgemeinde in Luxemburg seit langem bekannt. So habe man die Planung bereits im Rahmen des „Scopingverfahren 2009/2010“ abgelehnt.

Da sich das Gefahrenpotenzial aber nun wesentlich würde, fordere man eine gänzlich neue Umweltverträglichkeitsprüfung - „und zur Abstimmung der Gesamtproblematik ein neues Scopingverfahren“, so Frieden gegenüber dem „Journal“.

Wellen, Temmels und Grevenmacher im Widerstand vereint

Dabei könnte man sich die Verfahren eigentlich schenken, denn für den Bürgermeister ist schon jetzt klar: „Es wird auf allen Ebenen mit allen Betroffenen
eine Abwehrfront gegen das Vorhaben gebildet.“

Kürzlich erteilte auch Friedens Parteifreund Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg, den Plänen eine Absage. Und in Wellen und Temmels dürfte man Befürworter des Projekts schwerlich finden; zumal ja auch der Bürgermeister von Grevenmacher Widerstand leistet.

Keine Kompromisse!

Gefragt, ob es denn noch eine Alternative zu einer Ablehnung des Projekts gebe, erklärt Frieden: „Angesichts der Gefahrensituation für Land und Leute ergibt sich kein Spielraum für einen Kompromiss.“