PATRICK WELTER

Die schönen Bilder von den Stränden der Normandie haben wenig mit dem Grauen von damals zu tun, als sich die halbe Welt anschickte, den Irren aus Braunau zum Teufel zu jagen. Leider haben sie auch wenig mit der aktuellen transatlantischen Realität zu tun.

Vor 15 Jahren fand die zentrale Kundgebung zum 60. Jubiläum der Invasion in Arromanches statt. Mit allen Staatsoberhäuptern und Regierungschefs aller damals beteiligten Ländern. Als George W. Bush als letzter eintraf und den Arm zum Gruß hochriss, war der Applaus eher schwach. Der Mann galt einfach als etwas unterbelichtet, als schlechter Präsident, selbst bei den Veteranen. Glücklichen Zeiten!

Bush mag ein „tumber Tor“ gewesen sein, mit einem Übermaß an Naivität. Bösartigkeit ist dem Toren fremd. Anders der Nach-Nachfolger in 1600, Pennsylvania Avenue. Donald Trump stellt alles in Frage, wofür der D-Day steht. Solidarität? Muss was in die Kasse bringen. Zusammenhalt? Nur unter meiner Führung! Menschenrechte - Häh? Respekt vor anderen? Respekt - Häääh?

Ein Gedankenexperiment: Wenn nicht Roosevelt im Weißen Haus gesessen hätte, sondern ein geistiger Bruder von Trump, etwa Joseph Kennedy, was wäre dann in den 1940ern geschehen? Vielleicht hätte es noch Waffenlieferungen an Großbritannien gegen Cash gegeben, aber keinen Leih- und Pachtvertrag. Hilfe gegen die Nazis? Da könnte ja jeder kommen! Dönitz hätte sich ein Loch in den Bauch gefreut und Schiffe versenken gespielt. England hätte gehungert und gefroren. Denn was nützt ein Weltreich, wenn die Verbindungen gekappt sind? Von einer Materialschlacht an der Küste der Normandie erst gar nicht zu reden. Wenn Personen Geschichte machen, dann ist Donald Trump eine echte Gefahr; die größte, die jemals für das nordatlantische Bündnis bestand. Einerseits versucht er es mit Drohungen: „Ihr zahlt oder ich gehe!“ Andererseits mit Spaltung, indem er die Irrlichter Boris Johnson und Nigel Farage mit seinem Geschwätz von der „Special Relation“ umgarnt. Sollte diese „Relationship“ Trump auch nur einen Dollar kosten, lässt er die beiden Helden des lauwarmen Pints am ausgestreckten Arm verhungern. Hauptsache er bringt Unruhe in dieses komische europäische Ding - egal ob es NATO oder EU heißt, sitzt doch alles in Brüssel.

Was bedeutet transatlantische Partnerschaft, wenn sich die von Trump ausgewählten Botschafter in den Gastländern aufführen, wie weiland Joachim von Ribbentrop?

London ist heute - trotz eines großen Egos - nur noch eine kleine Mittelmacht mit ein paar Atombomben. Wer auch immer Theresa May beerben wird, sollte es sich gut überlegen an wen er sich bindet - an die ungeliebten Europäer oder an die „Kolonien.“ Mehr als ein Juniorpartner werden sie nicht werden. Am allerwenigsten in einem Bündnis mit einem wiedergewählten Donald Trump. Befreit von den Zwängen einer weiteren Wiederwahl wird er in der zweiten Amtszeit vollends die chauvinistische Sau raus lassen. Trump 2020-2024 wird das Ende der NATO sein wie wir sie kennen. Putin freut sich jetzt schon.

In Kontinentaleuropa ist es auch für Ungläubige an der Zeit, täglich für die Gesundheit von Joe Biden zu beten. Der alte weiße Mann hat als einziger eine Chance Donald T. zu schlagen.