DAVOS
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Oxfam-Studie: Soziale Ungleichheit in der Welt nimmt weiter zu

Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Entwicklungsorganisation Oxfam vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt hat. Laut von Oxfam zusammengestellten Daten besitzen die acht reichsten Menschen der Welt - allesamt Männer - gemeinsam ein ähnlich großes Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. In deren Report vom Vorjahr hatte diese Vergleichszahl der Supereichen noch bei 62 gelegen. Das reichste Prozent der Menschheit besitzt seit 2015 mehr als der gesamte Rest.

Zugrunde liegen der gestern veröffentlichten Studie Daten aus verschiedenen Quellen. So führte Oxfam etwa Forbes-Schätzungen zum Vermögen der acht reichsten Männer mit Schätzungen der Bank Credit Suisse zum weltweiten Vermögen zusammen. Auch wenn die Daten nicht immer 1:1 vergleichbar sind: Sie zeigen, dass die Ungleichheit über die Zeit weiter zugenommen hat.

Demnach wuchs das Einkommen weltweit von 1988 bis 2011 um rund 11,9 Billionen Euro. Die reichsten zehn Prozent profitierten davon am meisten. Auf sie entfiel laut der Daten mehr als 45 Prozent der Steigerung.

Fehlentwicklung

Die Organisation macht für die Ungleichheit politische und unternehmerische Fehlentwicklungen verantwortlich.

Als Gegenrezept schlägt der Oxfam-Bericht eine höhere Besteuerung von Reichtum und Einkommen vor, um für gerechtere Bedingungen zu sorgen. Dadurch könnten zudem Investitionen in öffentliche Dienste und Jobs finanziert werden. Zudem mahnte die Hilfsorganisation eine bessere internationale Kooperation an, um angemessene Bezahlung von Arbeitern sicherzustellen und Steuerflucht von Reichen zu vermeiden.

Angesichts wachsender sozialer Spannungen und Erfolgen von Populisten sucht das Weltwirtschaftsforum auf seiner 47. Jahrestagung nach „anpassungsfähiger und verantwortungsbewusster“ Führung.

Davos: Freihandel contra Protektionismus

Im Schweizer Wintersportort Davos diskutieren von Dienstag an etwa 3.000 Spitzenpolitiker, Top-Manager, Wissenschaftler und Chefs von Nichtregierungsorganisationen über Antworten auf aktuelle Probleme. Die Veranstaltung unter dem Motto „Responsive and Responsible Leadership“ steht im Schatten der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump am 20. Januar, dem letzten Tag des Treffens.

So drehen sich zahlreiche Veranstaltungen um Trump und seinen Wirtschaftskurs. Aber auch die Zukunft der Europäischen Union nach dem Brexit-Votum der Briten nimmt großen Raum ein - geplant ist auch eine Rede der britischen Premierministerin Theresa May.

Die Eröffnungsrede hält der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping. Er hatte sich im Vorfeld für Globalisierung und internationalen Freihandel stark gemacht und populistische Tendenzen kritisiert. Erwartet werden auch UN-Generalsekretär António Guterres sowie Dutzende Staats- und Regierungschefs. Premierminister Xavier Bettel wird ebenfalls vor Ort sein.