LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: Kunst und Bullenreiten in „The Longest Ride“

Der amerikanische Schriftsteller Nicholas Sparks schrieb eine Reihe von Bestsellern, von denen unter anderem „Message in a Bottle“ (1999), „A Walk to Remember“ (2002), „The Notebook“ (2004), „Nights in Rodanthe“ (2008) und „The Best of Me“ (2014) verfilmt wurden. 2013 verfasste er den Roman „The Longest Ride“, der von George Tillman Jr. für die große Leinwand adaptiert wurde.

Der Titel hat nichts mit einem Ritt zu tun, sondern beschreibt den langen Weg von Ira Levinson aus Liebe zu seiner Frau Ruth mit dem Sammeln von modernen Kunstobjekten.

Der Bullenreiter und die Studentin

Luke Collins (Scott Eastwood, der Sohn von Clint) will trotz eines schweren Unfalls bei einem Bullenreit-Turnier wieder an die Spitze der Bullenreiter, um das Finale in Las Vegas zu bestreiten. Bei einem Wettkampf, wo es darum geht, acht Sekunden auf einem wilden Stier auszuharren, lernt er die Kunststudentin Sophia (Britt Robertson) kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Nach einem ersten romantischen Treffen an einem See, retten die beiden einen alten Mann, Ira (Alan Alda), aus einem verunglückten und brennenden Auto, sowie eine Kiste mit Briefen, die Ira einst an seine Geliebte Ruth schrieb.

Sophia besucht den verletzten Mann im Krankenhaus und liest ihm seine Briefe vor, die aus der Zeit nach 1940 sind, als er als junger Kerl (Jack Huston) der hübschen Ira (Oona Chaplin; sie ist Geraldines Tochter, also Charlie Chaplins Enkelin) begegnete. Ruth war wie Sophia eine Liebhaberin der modernen Kunst. Er war dagegen, genau wie Luke, ein einfacher Mann, der sich später aus Liebe zu Ruth ihrer Passion hingab. Sophia will einen Job in einer New Yorker Kunstgalerie annehmen. Daher will sie ihre Beziehung zu Luke beenden, weil er nicht in ihre Welt passt und auch nicht vorhat, seine Ranch, sein Leben, sein Hobby, das aus acht Sekunden besteht, aufzugeben.

Aus den Fehlern der anderen lernen

Regisseur Tillman Jr. wurde im Jahr 2000 durch seinen Film „Men of Honour“ bekannt, hat aber seitdem keinen weiteren interessanten Film gedreht. Sein Film wirkt stellenweise etwas holprig und einige Szenen, wie das erste Rendez-vous zwischen Sophia und Luke am See, strotzen vor Kitsch, der aber ertragbar bleibt, denn der Regisseur weiß ebenfalls , das Interesse und die Spannung zu schüren. Speziell das Vorlesen der Briefe regt die Neugier an, weil man nicht ahnt, worauf diese Geschichte hinsteuert, zumal Ira und Ruth Juden sind, und der Erste Weltkrieg eine wichtige Rolle spielt.

Die Liebesaffäre zwischen Ira und Ruth ist nicht nur mit vielen Überraschungen gespickt, sondern bietet ein paar ergreifende und ehrliche Momente, bei denen Taschentücher behilflich sein könnten. Den Ausgang dieses Teils des Films kennend, verläuft die Beziehung zwischen Sophia und Luke etwas spannungslos, bis auf den Schluss, der mehr als überrascht. Beide Paare haben gelernt, die Interessen des Partners zu respektieren und gegebenenfalls auf einen Teil der ihren zu verzichten. Ganz ehrbar spielen die jungen Schauspieler ihre Rollen, müssen sich aber vor Alan Alda ergeben, der souverän in seiner Rolle steckt.