TRIERCHRISTIAN SPIELMANN

Neuinszenierung von „Der kleine Horrorladen“ am Theater Trier

Roger Corman realisierte 1960 die Horrorfilm-Komödie „The Little Shop of Horrors“. Komponist Alan Menken und Texter Howard Ashman verwandelten den Film in ein Musical, das im Mai 1982 Off-Off-Broadway anlief. Im Juli desselben Jahres wurde es in das Orpheum Theatre Off-Broadway verlegt, wo es ein regelrechter Hit wurde und über fünf Jahre lief. Noch während der Laufzeit verfilmte Frank Oz die Show. Erst im Oktober 2003 startete das Musical am Broadway im Virginia Theatre. Mit 372 Vorstellungen war es aber nicht der große Hit. Im Theater Trier führt Intendant Gerhard Weber zurzeit bei einer flotten Neuinszenierung von „Der kleine Horrorladen“ Regie.

Das grüne Biest

Chrystal (Barbara Ullmann), Ronnette (Sabine Brandauer), Chiffon (Alina Wolff) und Shirelle (Cornelia Hain) führen den Zuschauer in das Musical ein und besingen die „Skid Row“, die verpönte Vorstadt-Straße, in welcher der Blumenladen von Mr. Mushnik (Klaus Brantzen) liegt. Nachdem dieser wieder keine einzige Blume verkauft hat, bittet er seine beiden Angestellten Seymour (Jan Schuba) und Audrey (Nadine Eisenhardt) am nächsten Tag zuhause zu bleiben, da er ruiniert ist. Seymour zeigt ihm eine komische Pflanze, die er bei einem Chinesen während einer Sonnenfinsternis gekauft hat. Das fleischfressende Gewächs übt sofort eine Anziehungskraft auf die Leute aus, und Mushnik kann dank dieser neuen Attraktion noch schnell für einige hundert Dollar Blumen verkaufen . Als Seymour abends allein im Laden ist, gibt er dem grünen Wunder sein Blut zu trinken.

Am nächsten Tag taucht Audrey mit einem blauen Auge auf. Ihr Freund, der Zahnarzt Orin (Tim Olrik Stöneberg), hat sie mal wieder verprügelt. Seymour, der sie heimlich liebt, erklärt ihr, dass er der Pflanze den Namen „Audrey zwo“ gegeben hat.

Der Laden floriert wieder, weil immer mehr Leute „Audrey zwo“ sehen wollen. Die grüne Audrey wächst und wächst und beginnt mit Seymour zu reden: Sie will mehr fressen. Seymour weigert sich, dafür Leute zu töten. „Es sei denn, die Leute sind dir egal!“, meint „Audrey zwo“ mit Anspielung auf Orin.

Ein starkes Ensemble

Sehr viel schwarzer Humor dominiert die Geschichte des kleinen Horrorladens. Das ganze Trierer Ensemble hat sich ausgezeichnet auf die ironischen Figuren eingestellt. Jan Schuba spielt und singt den naiven Seymour mit viel Überzeugung, selbiges gilt für Nadine Eisenhardt, die die gutgläubige Audrey spielt. Beide bringen das wohl bekannteste Lied des Musicals „Jetzt hast Du Seymour“ (Suddenly Seymour) mit viel Gefühl rüber.

Den verrücktesten Auftritt hat Tim Olrik Stöneberg als Zahnarzt Orin. Mit einem Motorrad fährt er, inklusive Elvis-Schmalzlocke auf die Bühne und singt den sadistischsten Musicalsong aller Zeiten „Zahnarzt“ (Dentist!) mit einer unglaublichen Energie. Leider stirbt er wenig später einen grausamen Tod, sehr zur Freude der Zuschauer

„Audrey zwo“ wird durch einen Puppenspieler animiert, während László Lukács mit seiner markanten Stimme die Lieder im Hintergrund singt.

Die Mischung aus Humor und melodiösen Songs haben aus „Der kleine Horrorladen“ ein auf ewig unsterbliches Musical gemacht. Und wenn es wie in Trier von einem tollen Ensemble gespielt wird, sollte man es nicht verpassen.


Weitere Informationen: www.theater-trier.de.