LUXEMBURG
LJ

Coronavirus und Reisen: Die Rechte der Verbraucher

In Urlaub fahren oder zu Hause bleiben? Was ist mit bereits gebuchten Reisen? Kann der Pauschaltrip storniert werden? Während der Coronavirus sich ausbreitet und zahlreiche Flüge ausfallen oder Reisen abgeblasen werden, stellen sich für die betroffenen Verbraucher eine Menge Fragen. Auf manche gibt das Europäische Verbraucherzentrum Luxemburg in einer Pressemitteilung Antworten. Ob etwa die Pauschalreise storniert werden kann hänge davon ab, ob die Außenministerien und/oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Reisewarnung für ihr Urlaubsziel oder für ihr Urlaubsland herausgegeben haben.

„Eine Reisewarnung ist ein starker Hinweis darauf, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die zur kostenfreien Stornierung der Reise berechtigen“, schreibt das EVZ, das zum Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren in der EU sowie in Island, Norwegen und im Vereinigten Königreich gehört.

Die Sache mit den unvermeidbarenund außergewöhnlichen Umständen

Im Prinzip kann man eine Pauschalreise nur dann ohne Gebühren stornieren, wenn die Reisewarnung vor Reisebeginn, aber nach der Buchung ausgegeben wurde. Die Verbraucher könnten sich auf unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände oder höhere Gewalt berufen. Wenn sie bestimmte touristische Attraktionen oder Sehenswürdigkeiten, die wesentliche Bestandteile ihres Urlaubs sind, nicht besuchen können oder wenn die Durchführung der Pauschalreise wesentlich verändert wurde, könne dies ebenfalls ein Grund sein, vom Pauschalreisevertrag ohne Zahlung von Gebühren zurückzutreten.

Dies hänge jedoch vom Einzelfall ab. Das EVZ rät deshalb, sich an den Reiseveranstalter zu wenden. Wenn dieser die Pauschalreise vom Reiseveranstalter selbst storniert wurde, hat der Verbraucher natürlich Recht auf Erstattung des Reisepreises.

Bei Buchung von individuellen Reiseleistungen, wie einem separat gebuchten Flug und einem separat gebuchten Hotel, ist die Stornierung des Fluges oder des Hotels nur auf Kulanz der Fluggesellschaft oder des Hotels möglich. Hier gilt also: mit der Fluggesellschaft oder dem Hotel über die Stornierungsbedingungen diskutieren. Einzelreisende haben zwar unter bestimmten Umständen das Recht, eine Entschädigung von der Fluggesellschaft zu erhalten, wenn ihr Flug annulliert wurde.

Aber das ist kein Automatismus. Ein Beispiel: Sie erhalten keine Entschädigung, wenn die Fluggesellschaften den Flug 14 Tage vor dem Abflug stornieren - wie es derzeit häufig der Fall ist. „Darüber hinaus haben Sie keinen Anspruch auf eine Entschädigung im Falle außergewöhnlicher Umstände. Die Umstände sind dann außergewöhnlich, wenn sie auch dann nicht hätten vermieden werden können, wenn die Fluggesellschaft alle angemessenen Maßnahmen zur Durchführung des Fluges ergriffen hat. Eine Fluggesellschaft hat sicherlich keinen Einfluss auf eine Epidemie und deren Ausbreitung. Die Tatsache, dass sich das Virus über die ganze Welt verbreitet hat, bedeutet jedoch nicht, dass sich die Fluggesellschaft generell für jeden Flugausfall mit dem Coronavirus entschuldigen kann“, schreibt das EVZ. Die Bedingungen am Urlaubsort seien entscheidend für das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände. So müssen unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände am Reiseziel oder in dessen unmittelbarer Umgebung auftreten, die die Durchführung des Fluges oder den Transport von Personen zum Reiseziel erheblich beeinträchtigen. Wenn etwa bestimmte Gebiete bereits abgesperrt sind.

„Je weiter man sich aber von diesen Orten entfernt, desto weniger kann man davon ausgehen, dass am Urlaubsort selbst unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände vorliegen. Daher müssen alle Fälle individuell entschieden werden“, erklärt das EVZ weiter, „wenn die Fluggesellschaft einen Flug aufgrund der Corona-Krise „lediglich“ nicht wirtschaftlich durchführen kann, ist dies kein unvermeidbarer und außergewöhnlicher Umstand, auf den sich die Airline berufen kann. In diesem Fall hat der Reisende das Recht, eine Ausgleichszahlung zu erhalten“.

Und wie verhält es sich mit der Reiserücktrittsversicherung? Das hängt von den Vertragsbedingungen ab. In der Regel zahlen Versicherungen bei unvorhersehbaren Krankheiten, Unfällen oder schweren Verletzungen der versicherten Person. Aber allein die Angst, krank zu werden, das heißt zum Beispiel, abzusagen, weil ein Risiko drohen könnte am Ankunfts- und Aufenthaltsort, ist in der Regel nicht durch diese Versicherungen abgedeckt.


Mehr: cecluxembourg.lu