LUXEMBURG
PATRICK WELTER

„Urban Farming“ kann die Antwort auf viele Fragen sein

Am Anfang stand das „Urban Gardening“. Mittlerweile erwächst aus dem sozialen Bürgertrend das „Urban Farming“, soll heißen eine Professionalisierung des Gemüse- und Obstanbaus als Teil der landwirtschaftlichen Produktion. Was die vorgestellten mehrfach wirksamen Dachgewächshäuser mit einschließt. Wobei das „Farming“ aber nicht das Ende der genossenschaftlichen Gärten und der Zusammenarbeit der Bewohner eines Viertels sein soll, die professionelle Landwirtschaft kommt als ein weiterer Mitspieler hinzu. Gerade für ein flächenarmes Land wie Luxemburg, das regionale Produktion immer stärker nachfragt, bieten sich diese neuen Wege an.

Nationale Strategie

„Living City“ bedeutet nicht nur lebendige Stadt. In Zukunft steht das Schlagwort auch für die sich – zumindest teilweise - selbstversorgende Stadt. Vor wenigen Wochen stellte Umweltministerin Carole Dieschbourg den Weg zu einer nationalen Strategie für „Urban Farming“ vor. Seit zwölf Monaten wird daran gearbeitet und im Rahmen eines Fünfjahresplans soll die Strategie auf allen Ebenen durchgespielt und in zahlreichen Pilotprojekten getestet werden. Dieschbourg hat eine kunterbunt besetze Arbeitsgemeinschaft aus den unterschiedlichsten Bereichen – Neobuild, IMS, CELL, Green SURF und CDEC - zusammengestellt, um mit der Unterstützung weitere Akteure, die nationale Strategie „Urban Farming“ zu koordinieren und das zugrundeliegende Papier am Ende redaktionell zu gestalten.

In den Städten Luxemburg, Esch/Alzette, Düdelingen und Bettemburg sowie in verschiedenen Gewerbezonen werden erste Ideen umgesetzt. Schon bestehende „Urban Gardens“ sollen in das Projekt integriert werden. Das Außergewöhnliche an diesem Vorhaben ist, dass Luxemburg als erstes Land eine nationale Strategie für „Urban Farming“ entwickelt.

Obst und Gemüse vor der Haustür

Für Luxemburg liefern nicht nur die großen medialen Themen wie Klima oder die Abkehr von der industrialisierten Landwirtschaft den Anlass, um sich auf höchster Ebene mit dem „Urban Farming“ zu beschäftigen, sondern ganz praktische Gründe. Nur drei Prozent des in Luxemburg konsumierten Obstes und Gemüses werden im Inland produziert. Die Bürger wollen aber regionales Obst und Gemüse. Die steigende Attraktivität der Städte als anderer Naturraum wird unter anderem dadurch belegt, dass Bienen heute schon lieber in den Städten leben, als auf den Flächen der industrialisierten Landwirtschaft. Das Ziel einer nationalen Strategie ist es, das in den Städten, neben den Parks und Privatgärten, weitere vorhandene Potenzial an Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung zu erfassen. Von Baulücken und Hinterhöfen bis zu leeren Flachdächern. Selbst senkrechte Nutz-Gärten an Häuserwänden sind technisch kein Problem mehr. Das für den urbanen Landbau nötige Wasser kann aus Regensammelbecken oder recyceltem Abwasser gewonnen werden (siehe Hauptartikel).

LUXEMBURG UND INTERREG

Hebel für den Wissensaustausch

Die Interreg-Programme sind ein Schlüsselinstrument der EU-Kohäsionspolitik. Luxemburg beteiligt sich seit 25 Jahren daran. Derzeit ist das Großherzogtum mit insgesamt 68 Projekten an drei Interreg-Programmen beteiligt (Interreg Großregion (140 Millionen Euro Fördergelder insgesamt), Interreg Nordwest-Europa (396 Millionen) und Interreg Europe (359 Millionen)). Flusssanierung (wie an der Alzette), Kampf gegen Lichtverschmutzung, Energie, Mobilität, Förderung des Mittelstands und des Tourismus, Bildung...: die Projekte laufen auf unterschiedlichen Gebieten. Vor allem aber kommen die 108 Partner in Luxemburg mit 700 Partnern aus anderen europäischen Ländern in Kontakt. „Der größte Mehrwert von Interreg ist nicht das Geld, das auf dem Tisch liegt“, meinte Claude Turmes dazu, „sondern der Austausch zwischen vielen Partnern aus ganz Europa, der einen bedeutenden Wissenstransfer ermöglicht“.