MÖRBYLÅNGA
CORDELIA CHATON

Kronprinzessin Victoria und Prinz Félix weihen europaweit einmalige Anlage in Schweden ein

Die Einweihung einer Industrieanlage ist normalerweise kein großes Ereignis. Ganz anders war das jedoch am Freitag in Schweden. Kronprinzesssin Victoria von Schweden und Prinz Félix von Luxemburg gaben sich beide die Ehre vor der nationalen schwedischen Presse und gut 1.500 Menschen. Immerhin handelt es sich um eine europaweit einmalige Anlage, die für Trinkwasser sorgt. Hergestellt hat sie das Luxemburger Cleantech-Unternehmen Apateq, Spezialist für Wasseraufbereitung. Die Anlage steht auf der Ferieninsel Öland in der Gemeinde Mörbylånga, für die sie mit 11,3 Millionen Euro die größte je getätigte Investition darstellt. Monatelang hatten Gemeindeverantwortliche Anlagen verschiedener Hersteller getestet, die sowohl Industrieabwasser als auch Brack- und Brunnenwasser reinigen sollten. An der Ausschreibung beteiligten sich international tätige Weltmarktführer. Aber nur Apateq konnte die strengen schwedischen Normen erfüllen, die auf dem beliebten Urlaubsziel gelten.

Wassernotstand auf der Insel

2016 hatte Öland einen Wassermangel erlebt, der in Schweden landesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Gemeindeverantwortlichen des 15.000-Einwohnerortes hatten schon fünf Jahre zuvor begonnen, nach Lösungen zu suchen, da es mit der Trinkwasserversorgung immer wieder Probleme gab. Denn Wasser musste bis dato mit LKWs über eine Landbrücke auf die Insel gebracht werden. Das war insbesondere während der Hochsaison, wenn sich die Anzahl der Anwesenden verzehnfachte, teuer, aufwendig und wenig ökologisch. Darüber hinaus wollte eine lokale Hähnchenschlachterei ihre Kapazität verdoppeln - und benötigte dazu mehr Wasser. „Jetzt hat Apateq das Problem gelöst“, sagt Peter Asteberg, der Projektmanager der Kommune. Die Freude bei der Bevölkerung ist so groß, dass die Einweihung ein Volksfest wurde, zu dem rund 1.500 Menschen kamen - nicht nur, um die beliebte Kronprinzessin zu sehen. „Die Leute hier sind wirklich erleichtert. Sie freuen sich über die gute Lösung“, versichert Ann Willsund, City Manager von Mörbylanga.

Das von außen schlicht gehaltene Gebäude beinhaltet einen Tank aus Beton. „Hier kann flexibel Wasser gereinigt werden, und zwar zwischen 500 und 4.000 m3 täglich“, erklärt Bogdan Serban, CEO von Apateq. Die hohen Mengen sind notwendig, weil allein der Hühnchenbetrieb schon 2.000 m3 täglich verbraucht. Das Wasser wird mit einer Membrantechnologie behandelt, die Ulrich Bäuerle, CTO von Apateq, den interessierten Hoheiten erklärte. Dazu gehören winzige Röhrchen mit 0,9 mm Durchmesser ebenso wie eine aufwendige Software, die sich wechselnden Wasserqualitäten anpassen kann. Bislang gibt es solche Anlagen laut Bäuerle nur in den USA und Namibia. Das Wasser, das die Anlage verlässt, ist so rein, dass Magnesium und Kalzium zugefügt werden müssen, „damit es wie gewöhnliches Trinkwasser schmeckt“, lächelt er.

Prinzessin Victoria zeigte sich beeindruckt. Bei der anschließenden Zeremonie probierte sie gemeinsam mit Prinz Félix ein Glas Wasser. „Das schmeckt“, fand sie. Die Kronprinzessin hatte Prinz Félix zur Begrüßung herzlich umarmt und dann aufmerksam den Ausführungen zugehört. Die hörte sich auch „County Manager“ Thomas Carlzon, Gemeindevertreter sowie die eigens aus Kopenhagen angereiste luxemburgische Botschafterin Janine Finck an, die für die nordischen Länder verantwortlich ist und die Delegation begleitete und unterstützte.

Potenzial bei innovativen Technologien zeigen

Prinz Félix, der selbst in Start-ups engagiert ist, freute sich: „Dieses Projekt gibt Luxemburg die Möglichkeit, sein Potenzial bei innovativen Technologien zu zeigen. Es wird hoffentlich der Beginn weiterer Kooperationen sein und zeigt, wie durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit Lösungen gefunden werden können.“ An die Beteiligten des Unternehmens und der Gemeinde gewandt fügte er hinzu: „Sie sollten sehr, sehr stolz auf sich sein!“

Tatsächlich ist die Wasseraufbereitungsanlage eine Luxemburger Erfolgsgeschichte. Gebaut von Apateq, verpackt von der Wiltzer Alipa-Gruppe und gebracht von Cargolux ist die Anlage ein Dreiklang gleich mehrerer Unternehmen, der durchaus noch öfter gefragt sein könnte. Denn naheliegende Gemeinden wie Emmaboda oder Karlskrona haben sich schon bei Apateq gemeldet. Andere warten noch ab, wie die Anlage funktioniert. Weil sie sich aber schon in der mehrmonatigen Praxisphase bewährt hat, waren unter den Gästen auch Vertreter des schwedischen Umweltministeriums und zahlreicher Gemeinden; auch vom Festland. Ihnen steht ebenso wie den Bürgern eine Ausstellung über die Funktionsweise des Werks zur Verfügung, die Apateq eingerichtet hat. Darüber hinaus wirbt der lokale Projektleiter Asteberg aus Begeisterung für Apateq und ist zu einer Art Unternehmens-Botschafter geworden. Er bereitet zur Zeit ein Dokument für den Kongress der „International Desalination Association“ im Oktober in Dubai vor. Asteberg ist sich sicher, dass er auf großes Interesse stoßen wird. Schließlich gilt Wasser als einer der Streitpunkte der Zukunft.Diese Auffassung ist auch Prinz Félix: „Der Klimawandel sorgt weltweit für Herausforderungen. Die Problematik des Trinkwassers steht hier für die weltweiten Probleme. Umweltthemen sind meiner Familie wichtig und stellen einen Pfeiler der Luxemburger Regierung dar.“ Apateq könnte hier eine Rolle spielen und stärker gefragt werden. Dank des kürzlichen Einstiegs der HLD-Gruppe ins Kapital verfügt Apateq über die notwendigen Mittel, weiter zu wachsen. Zurzeit sucht das Unternehmen Mitarbeiter. „Wir sind zuversichtlich, dass Apateq eine große Zukunft hat“, freut sich Verwaltungsratspräsident Robert Dennewald, der ebenfalls vor Ort war.