LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Wie aus einem Hitlerjungen „Jojo Rabbit“ wird

Den Roman „Caging Skies“ schrieb die neuseeländisch-belgische Schriftstellerin Christine Leunens im Jahr 2008. Mit dem neuseeländischen Regisseur Taika Waititi („Thor: Ragnarok“) wandelte sie ihn in das Drehbuch von „Jojo Rabbit“ um, ein Film, der letztes Jahr in Toronto den „People Choice Award“ gewann, also den Publikumspreis. Ungewöhnlich ist der Film im Umgang mit dem Nationalsozialismus.

Mal kann man herzhaft lachen, mal machen Szenen betroffen. Der Film beginnt mit einem Zusammenschnitt von Führer-Grüßen und Händeschütteln zur deutschen Fassung „Komm gib mir deine Hand“ des Beatles-Hits „I Want to Hold Your Hand“, dessen Übersetzung übrigens Camillo Felgen schrieb.

Feigling Johannes Betzler

Der zehnjährige Johannes Betzler (Roman Griffin Davis), kurz Jojo genannt, steht vor dem Spiegel. Ihn ziert die Uniform der Hitlerjugend. Mit seinem besten Freund Yorki (Archie Yates) soll er an einem Ausbildungscamp teilnehmen, das Hauptmann Klenzendorf (Sam Rockwell) mit Fräulein Rahm (Rebel Wilson) leitet. Jojos Spiegelbild scheint viel Mut zu haben, doch man merkt, dass sein herrisches Gerede eher seine Feigheit übertüncht.

Glücklicherweise kann ihm sein imaginärer Freund Adolf Hitler (Taika Waititi) gute Ratschläge mit auf den Weg ins Lager geben, dort wo er zeigen soll, dass er ein Killer ist, indem er einem Hasen den Hals umdreht. Doch das kann der Junge nicht und wird deshalb zum Gespött der anderen Teilnehmer. Er erhält den Spitznamen „Jojo Rabbit“. Sein unsichtbarer Mentor macht ihm erneut Mut, und er schnappt sich eine Granate, um allen seine Hingabe zu demonstrieren. Die Granate verletzt ihn jedoch relativ schwer. Mutter Rosie (Scarlett Johansson) macht dem Hauptmann Vorwürfe, und Jojo arbeitet fortan als Bote. Zuhause wird er auf eine Ritze im Zimmer seiner verstorbenen Schwester aufmerksam. Er entdeckt einen verborgenen Raum, in dem sich das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) versteckt. Seine Mutter bietet ihr Unterschlupf, was Jojo ans Zweifeln bringt. Elsa ähnelt seiner Schwester, und so verrät er sie erstmal nicht. Langsam kommen beide sich näher, und der Junge merkt, dass die Vorurteile der Deutschen gegen die Juden nicht stimmen.

Starke Besetzung

Was besonders gefällt, sind die jugendlichen Darsteller, allen voran Roman Griffin Davis, der Jojo hervorragend interpretiert, sowohl als Feigling wie als Zweifler an der eigenen Ideologie. Köstlich ist auch der etwas pummelige Archie Yates als Yorki, der sich nicht so viele Gedanken macht und im NS-Strom mitschwimmt. Bemerkenswert ist die Beziehung von Jojo und Elsa, die anfangs mit Zweifeln und leichtem Hass beginnt, um dann in gegenseitiger Liebe zu münden. Adolf Hitler wird hier zu einer unseriösen Figur, die als Jojos falsches Gewissen agiert. Adolfs Vorschläge bestehen oft aus schrecklich naiven Ideen, die einer zweifelhaften Ideologie entspringen. Hier zeigt sich das komische Talent von Taika Waititi, und seine Rolle ist sicher eine der originellsten in den letzten Jahren.

Stets merkt man an den Reaktionen der Deutschen, dass sie nicht wirklich an ihr Regime glauben, sondern es gezwungenermaßen ertragen müssen. Dann vermischt sich diese satirische Kritik am Nazi-Regime mit harten Bildern von erhängten Gegnern von Hitler auf dem Dorfplatz. Das NS-Regime ist in Wirklichkeit keine Lachnummer. Am Schluss ziehen die Amerikaner ins Dorf ein, und auch hier zeigen einige Szenen die Härte des Krieges. „Jojo Rabbit“ ist von der Geschichte her äußerst originell, und somit sollte man diesen Film auf keinen Fall verpassen.