LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Luxemburger Studie untersucht Glück von Familien mit adoptierten und biologischen Kindern

Wie zufrieden und angekommen sind Jugendliche, die in ihrer Kindheit adoptiert wurden? Diese Frage treibt nicht nur manche betroffene Familie um, sondern auch die Forschung. Die Uni Luxemburg hat nun in Kooperation mit dem „Fonds National de la Recherche“ ein Forschungsprojekt zur Untersuchung der sozio-emotionalen Einstellung von als Kinder adoptierten Jugendlichen begonnen. Das Projekt ist Teil einer internationalen Forschungsgruppe, die 2009 in der Schweiz gestartet ist. Es gibt Untersuchungsgruppen in mehreren Ländern. An der Luxemburger Studie können Familien aus der Großregion teilnehmen: Alessandro Decarli, Psychologe und Doktorand an der Uni Luxemburg erklärt, welchen Nutzen die Studie für Familien hat.

Das Studienprojekt ist länderübergreifend angelegt. Gibt es bereits Ergebnisse aus den anderen Ländern?

Alessandro Decarli Ja, in Italien ist die Studie beendet. Dort ist die Anpassung von adoptierten Jugendlichen generell gut, Adoption funktioniert als Intervention, aber die meisten adoptierten Jugendlichen haben andere Bedürfnisse, etwa wollen sie ihre Geschichte mit anderen adoptierten Jugendlichen teilen. Nach der ersten Forschung haben wir ein Projekt mit Begegnungsgruppen für Jugendliche erstellt. Sollten wir dieses Bedürfnis auch hier in Luxemburg feststellen, dann könnte man auch hier diese Gruppen aufbauen. Die Studie ist sehr wichtig für Luxemburg, es ist die erste Studie, in der die sozio-emotionale Anpassung von Jugendlichen allgemein untersucht wird und an der die gesamte Familie teilnimmt. Dank eines besseren Bildes von der Situation kann auch eine bessere klinische Intervention für Eltern und Kinder geschaffen werden.

Was wird mit den Begegnungsgruppen beabsichtigt?

Alessandro Eltern treffen sich und Psychologen helfen ihnen zu verstehen, wie die Jugendlichen sich fühlen, auch Rollenspiele tragen zum gegenseitigen Verstehen bei. Es geht darum, alternative Verhaltensweisen aufzuzeigen. Die Eltern fühlen sich dann sicherer und die Jugendlichen besser, weil die Bedürfnisse klarer sind. Solche Interventionen haben einen starken Wirkungsgrad, das ist empirisch bewiesen.

Was erhofft man sich von den Ergebnissen der Studie?

Alessandro Wir probieren zu verstehen, wie man Familien mit Problemen helfen kann. Diese Arbeit ist präventiv für adoptierte, biologische oder geschiedene Familien. Mit der Studie können wir verstehen, ob es Unterschiede zwischen diesen verschiedenen Familienformen gibt. Außerdem ist unsere Studie als interkulturelle Studie angelegt. Wir schauen, welche kulturellen Eigenschaften die Elternschaft beeinflussen und wie sie sich auf die Kinder auswirken.

Gibt es eine generelle Arbeitsthese?

Alessandro Der theoretische Rahmen ist die Bindungstheorie, die in 50ern begründet wurde und die Dynamik der Eltern-Kind-Beziehung beschreibt und wie sie die Entwicklung des Kindes beeinflusst. Demnach ist es sehr wichtig, dass Kinder das Gefühl vermittelt bekommen, dass die Eltern physisch und emotional verfügbar sind. Wenn die Kinder eigene Schritte wagen, ist es wichtig, dass sie das Gefühl haben, dass sie jederzeit zurückkommen können, die Eltern funktionieren als sichere Basis für die Entdeckungsreise der Kinder. Es gibt verschiedene Arten, auf die jeder von uns sein Bedürfnis nach Geborgenheit und nach Erkundung der Umwelt ausdrückt, wenn ein gutes Gleichgewicht aus beidem besteht, dann vermittelt das eine Bindungssicherheit, welche wiederum ein Schutzfaktor gegen Probleme ist.

Welche Jugendlichen können mitmachen?

Alessandro Im Alter zwischen elf und 17 Jahren. Adoptierte Kinder sollen zwischen der Geburt und einem Alter von acht Jahren adoptiert worden sein. Bei geschiedenen Eltern müssen beide Eltern teilnehmen. Die Familien sollten deutsch- oder englischsprachig sein, wobei Englisch auch daheim gesprochen werden sollte.

Wie laufen die Befragungen für eine Familie ab?

Alessandro Es gibt einen Vorstellungstermin, um Fragen zu klären, danach sind es drei praktische Termine, von denen zwei im Haus der Familie und der letzte an der Universität stattfinden. Der erste Termin findet nur mit den Eltern statt, es geht in Fragebogen und Interview darum, wie sie sich als Eltern fühlen und wie sie die Beziehung zum Kind und dessen emotionale Anpassung sehen. Im zweiten Termin gibt es einen Fragebogen über das Verhalten der Kinder, dann folgt das Interview mit den Jugendlichen über Freunde und Eltern und wie sie sich fühlen. Dabei messen wir körperliche Reaktionen. Beim dritten Termin diskutieren wir mit der Familie an der Uni über eine kurze soziale Situation und eventuelle Unstimmigkeiten, für die sie eine Lösung finden sollen.

Muss man sich Gedanken über eine Teilnahme machen?

Alessandro Nein, wir unterliegen der Schweigepflicht. Die Teilnehmer können Fragen ablehnen und überspringen. Es soll für Familie angenehm sein, und es gibt auch keine richtigen oder falschen Antworten, wir möchten nur Eindrücke über Gefühle bekommen. Wir geben auch nur ein generalisiertes Feedback, wenn die Familie es möchte.

Was gewinnt man als Familie von einer Teilnahme?

Alessandro Die Teilnahme an der Studie bietet den Familien die Möglichkeit, über ihre eigene persönliche Situation zu reflektieren und die Beziehungsdynamiken mit Partner, Sohn oder Tochter besser kennenzulernen.

Teilnehmende Familien bekommen Geschenkgutscheine im Wert von 200 Euro. Kontakt zu Alessandro Decarli unter alessandro.decarli@uni.lu und Telefon 4666449381