Einfach nur auf gerader Strecke laufen, reicht vielen Athleten nicht mehr. Den besonderen Adrenalin-Kick gibt es heute bei Trail, Strongman oder seit Samstag „Sëller Adventure Laf“. Der Gewinner der ersten Auflage heißt Christian Molitor. Der 25-Jährige ließ die Konkurrenz weit hinter sich. Mit ganzen fünf Minuten Vorsprung auf den Zweiten, Manuel Herren, lief er souverän nach einer Stunde ins Ziel, wo wir ihn uns gleich fürs Interview geschnappt haben.
Wie fühlt man sich als Gewinner des
ersten „Adventure-Laf“?
Christian Molitor Unbeschreiblich, es ist immer besonders, ein Rennen zu gewinnen, das zum ersten Mal organisiert wird, und dann auch noch mit einem solchen Vorsprung. Das bleibt hängen.
Und wie war es?
Molitor Einfach nur der Wahnsinn. Bevor es losging, hatte ich mich noch mit Cheforganisator Torsten Schockmel unterhalten. In Erfahrung bringen konnte ich nur, dass hier und da ein paar Autoreifen rumliegen. Und tatsächlich, gleich am Anfang ging es über ein Dutzend Reifen. Ein Klacks, der mich noch zum Schmunzeln brachte. Dann ging es aber richtig los. Die Hindernisse hatten es in sich. Mal ging es eine Leiter hoch, dann musste man unter Ästen hindurch kriechen, über Baumstämme, rauf und runter, durch hüfthohes Wasser... Das war nicht ohne. Und immer wenn man dachte, endlich auf gerader Strecke etwas verschnaufen zu können, ging’s hinter der nächsten Kurve wieder steil bergauf. So was hatte ich ganz sicher nicht erwartet, eher eine Art Trail mit einigen leichten Hindernissen. Fehlanzeige. Aber es war sehr beeindruckend.
Also doch eine Art Strongman?
Molitor Ich habe noch an keinem Strongman teilgenommen, habe mir aber sagen lassen, dass dort auf relativ flacher Strecke gelaufen wird. Hier reden wir nun aber von einer Höhendifferenz von 600 Metern bei zwölf Kilometern. Also ich weiß ja nicht, aber ich glaube das hier war schlimmer als ein Strongman, weil man einfach nie durchatmen konnte.
Mehr als zwölf Kilometer hätten es also nicht sein dürfen?
Molitor Kaum. Bei Kilometer 11 musste man über Holzgerüst klettern, da habe ich dann doch die Beine gespürt. Es gab unterwegs zwar zwei Verpflegungsstände, ich habe aber nichts gegessen, nur getrunken. Wäre es noch weiter gewesen, hätte ich so nicht durchgehalten.
Wo war die Konkurrenz abgeblieben?
Molitor Ich weiß es nicht. Gleich beim ersten Aufstieg sagte Manuel zu mir: „Ich lasse dich laufen, wir sehen uns dann im Ziel“. Ja und dann bis ich praktisch alleine gelaufen.
Wie hast Du Dich vorbereitet?
Molitor Also besonders früh bin ich am Freitag nicht ins Bett gegangen. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht einmal zwei Stunden geschlafen. In meiner Freizeit bin ich DJ und hatte bis in die frühen Morgenstunden eine Verpflichtung.
Wie schafft man dann einen solchen Wettkampf?
Molitor Nun also auf der Piste laufen, ist jedenfalls etwas anderes, da zählt man die Runden runter, bis es vorbei ist, aber hier hat man einen solchen Adrenalin-Schub, dass alles wie von selbst geht. Ich bin nicht wirklich frisch und fit ins Rennen gegangen, aber wie gesagt, bei einem solchen Wettlauf kommt es zu einer richtigen Adrenalin-Explosion, und egal wie kaputt du bist, du geißelst dich einfach und merkst nicht, wie du an deine Grenzen stößt. Es war auch so spannend, weil man nie wusste, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet. Jetzt am Ziel hat sich mein Körper natürlich sofort zurückgemeldet.
War das eines deiner Highlights der bisherigen Saison?
Molitor Ganz klar, ja. Eigentlich hatte ich mir dieses Jahr zum Ziel gesetzt, mich für die Spiele der kleinen Staaten zu qualifizieren, was mir aber leider nicht gelungen ist. Natürlich war ich enttäuscht, aber bei Rennen wie diesen merke ich wieder, dass genau das meine Welt ist, und nicht Pisten-Läufe.
Ein Wort zum allgemeinen organisatorischen Ablauf?
Molitor Die Organisation war top, die Strecke sehr gut gezeichnet. Ich habe schon an so manchem Trail teilgenommen, wo gerade das überhaupt nicht klappte und man sich ständig verlaufen hat. Hier war das unmöglich. Also ein großes Lob an die Organisatoren.
Bist Du nächstes Jahr auch wieder dabei?
Molitor Auf jeden Fall. Ich musste nur zehn Minuten fahren, um so etwas zu erleben. Andere fliegen ich weiß nicht wohin, um an etwas Ähnlichem teilzunehmen. Ich kenne Torsten ja ein wenig, und weiß, dass er ein kleiner Spinner ist, dass er aber so etwas, auf die Beine stellen würde, hätte ich nicht erwartet.
Du warst ja auch nicht ganz unschuldig daran und sollst sogar Ideengeber gewesen sein?
Molitor Ja in gewisser Weise stimmt das wohl. Vor einer ganzen Weile haben wir mal über Trails im Allgemeinen geredet und ich habe Torsten ein bisschen angestachelt, doch selbst mal etwas in diese Richtung zu organisieren. Dann habe ich aber lange nichts mehr von ihm gehört, bis er mich schließlich gefragt hat, ob ich für die Musik sorgen könnte. Natürlich wollte er auch, dass ich mitlaufe.
Hast Du Vorbilder?
Molitor Joey Kelly finde ich super, der macht ja viele verrückte Sachen. Den Trierer Florian Neuschwander bewundere ich auch sehr, weil er einfach alles kann, von 800m-Läufen bis 50 Kilometer. Er ist in allen Disziplinen sehr gut. Wenn man das erreichen will, muss man natürlich genau auf das Training achten. Schnelligkeitstraining darf beispielsweise nicht vernachlässigt werden, sonst hat man zwar Ausdauer, aber es fehlt an der Spritzigkeit. Ich muss also immer noch auf die Piste, um die Schnelligkeit zu trainieren. Gerade bei einem solchen Abenteuerlauf ist das wichtig, damit man nach jedem Hindernis, sofort wieder Gas geben kann, besonders wenn dir die Konkurrenz an der Backe klebt.
Wie viel Zeit nimmt so ein Training
wöchentlich in Anspruch?
Molitor Sehr viel. Wenn man nur Piste trainiert, ist das was anderes. Bei mir stehen aber schon mal mehrmals die Woche Zweistunden-Läufe durch den Wald bergauf bergab an. Neben der Arbeit, dem Sport und dem Auflegen bleibt kaum noch Zeit für etwas anderes, beispielsweise für eine Freundin (lacht).



