LUXEMBURG
DANIEL OLY

Künstliche Intelligenz muss noch immer besser vermittelt werden

Luxemburg ist noch nicht ganz so weit bei der vollen Implementierung und flächendeckenden Verbreitung von künstlicher Intelligenz“, meinte POST Luxemburg-Berater für das Internet der Dinge, Laurent Rapin beim gestrigen ICT Spring-Rundtischgespräch. „Das heißt aber nicht, dass Internet-Anbieter wie die POST sich nicht mit dem Thema befassen - wir liefern immer mehr Daten für KI-Analysen und zur Auswertung, außerdem steigt durch die weitere Verbreitung von KI-fähigen Geräten natürlich auch die Auslastung des Netzes.“

Ein Trend, der nicht aufzuhören scheint; das konstatierte auch Jean Rognetta von Forbes, der durch die Sitzung führte. „Wir sind ganz klar auf dem Kurs der verknüpften, interaktiven Welt - aber damit auch auf dem Kurs der potenziellen, ständigen Überwachung und riskieren deshalb, viel zu viel über uns selbst preiszugeben.“ Er mahnte deshalb, dass sich die Gesellschaft stärker mit dem Thema der künstlichen Intelligenz auseinandersetzen und damit klare Grenzen schaffen müsse. „Wir müssen diese Entwicklung akzeptieren, denn die Technik lässt sich nicht aufhalten“, meinte Bruno Zamborlin, der das smarte Sensor-Unternehmen „Hypersurfaces“ geschaffen hat. „Es ist dementsprechend auch an den Unternehmen, dies im Einklang mit dem Schutz der Privatsphäre gewährleisten zu können.“ Hier sei Europa - der Datenschutzgrundverordnung GDPR sei Dank - bereits ein wichtiger Vorreiter, weil sich Unternehmen direkt mit der Problematik auseinander setzen müssen und Nutzer viel mehr Rechte haben.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie man die KI und ihren Einsatz nochmals besser regulieren könne, um Datenskandale zu vermeiden und nicht zum gläsernen Bürger zu werden, meinte Rognetta: „Die Frage müsste eher lauten - woher kommt diese Angst vor der künstlichen Intelligenz und vor der Technologie?“ Hier sehen alle Panelisten auch weiterhin einen großen Nachholbedarf bei der Vermittlung der Stärken und Schwächen eines KI-Systems. „Ohne Menschen sind die Daten - und damit auch die KI - nichts wert“, meinte etwa Diana Derwal. „Die KI erfindet nichts neu, sie verstärkt nur das schon existierenden menschliche Können.“ Deshalb sei es wichtig, darauf zu achten, dass nicht die schlechten Charakterzüge ebenfalls verstärkt werden.

es bedeute aber auch , dass die Auswertung und Sammlung der Daten viel sinnvoller werden muss. „Ein Modell, bei dem es nur um die Masse an Daten geht, ist da nicht produktiv“, betont sie. Und Laurent Raspin stimmt zu: „Alle Informationen in einen großen Eimer zu werden, ist jedenfalls keine gute Idee - das haben nicht nur Skandale wie das Leck bei ,Facebook' gezeigt.“

Eine weitere Frage aus dem Publikum beschäftigte sich indes mit dem Thema der Sicherheitslücken - und dem Onlinezwang vieler Smartgeräte. „Alle Daten, die zur Auswertung online gestellt werden, müssen zwingend immer einem strikten Reglement unterstehen“, meinte Zamborlin hierzu nur. Raspin gab sich pragmatischer: „Wer ist denn wirklich bereit, die kleinen technischen Helfer von heute abzustellen und sich voll abzuschotten“, fragte er. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Nutzer genau wissen, worauf sie sich einlassen.“

Lëtzebuerger Journal

Selbstkritisch sein | Hazumu Yamazaki fordert KI-Unternehmen zum ethischen Umgang auf

Übernehmen KI-Unternehmen die nötige Verantwortung? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Co-Gründer der Gefühls-KI-Anwendung „Empath“, Hazumu Yamazaki, gestern morgen. „Die künstliche Intelligenz wird immer allgegenwärtiger. Deshalb müssen Firmen wie die unsere auch die nötige Verantwortung übernehmen“, meinte er.

Recht hat er: Seine KI erlaubt es, aus Tonaufnahmen eine Stimmanalyse anzufertigen und so zu ermitteln, was der Sprechende fühlt oder dachte. „Das hat zwar viele Einsatzzwecke, zum Beispiel um nachzuweisen, dass freundliche Kundenberater auch mehr zufriedene Kunden haben“, erklärt er. „Es wirft aber auch ein ethisches Dilemma auf: Die KI könnte als Lügendetektor, als Privatdetektiv oder als Indikator für besonders Glücksspiel-Süchtige genutzt werden.“

Mit diesen Fragen müsse sich ein Unternehmen Yamazaki zufolge auseinander setzen. „Wir müssen uns klar werden, welche verstörende Zukunft wir anrichten könnten“, meint er. Manche Vorbilder gibt es ja bereits: Die Stadt San Francisco hat jüngst etwa die Gesichtserkennungstechnologie im öffentlichen Raum verboten. Wie weit es mit dem Ethik-Verständnis her ist, zeigt aber auch der Ethik-Rat bei Google. Der wurde nur zwei Wochen nach seiner Gründung schon wieder aufgelöst. „Wir können uns hier nicht auf öffentlichen Sektor verlassen. Die Firmen müssen sich selbst Limits aufsetzen“, ist er sich sicher.

Lëtzebuerger Journal

„AI for good“ | „Perspicace“ will Datenschutz trotz permanentem Monitoring bieten

Jede Bewegung lässt sich aufzeichnen, jedes Lebenszeichen erkennen: Durch „WiFi Noise“, also Interferenzen im Signal, erkennt die KI der chinesischen Firma „Perspicace“ etwa, ob sich im Hotelzimmer noch ein Gast befindet oder ob der Zimmerservice anrücken kann. Außerdem lässt sich so effizienter der Strom abschalten oder im Ernstfall erkennen, ob sich bei einem Brand noch Menschen im Gebäude aufhalten. „KI für einen guten Zweck“ bezeichnete das Anita Huang, die für „Perspicace“ sprach. Die kabellose „BioDetector“-Technologie habe unglaubliches Potenzial - und soll dennoch nicht missbraucht werden. „Die Daten sind nur grob und erlauben keine genauen Aussagen, die personenbezogene Information erlauben“, erklärt sie. Das sei ein hervorragendes Beispiel für eine KI, die einen echten Mehrwert für die Gesellschaft biete. „Einerseits gibt es keine toten Winkel mehr, aber die detailierten persönlichen Rechte werden gewahrt.“

Lëtzebuerger Journal

Besser statt künstlich | Für Diana Derval hat die KI Potenzial - wenn sie richtig gemacht wird

„Künstliche Intelligenz ist nur so schlau wie ihre Designer“, meinte Diana Derval bei ihrer Rede bei der ICT Spring. Es sei daher zum Beispiel kontraproduktiv, einer KI zum autonomen Fahren beizubringen, Menschen zu erkennen, statt einfach auf vorhandene Infrarot-Technologie auszuweichen.

„Warum bringen wir der KI bei, wie ein Mensch zu denken“, meinte sie. Stattdessen müsse die KI-Technologie verstärkt dafür genutzt werden, unterstützend zu arbeiten - und nicht, ganze Aufgaben allein zu übernehmen. „Man muss sich klar machen, wer die potenzielle Zielgruppe für die KI ist“, erklärte sie. „Wir brauchen weniger eine künstliche, und eher eine bessere, verbesserte Intelligenz, die der menschlichen Intelligenz entlastend unter die Arme greift.“