LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Prof. Sebastian Heilmann, Leiter des Merics-Instituts in Berlin, erklärt, was China will und sollte

Donnerstagnachmittag findet in der Handelskammer eine Veranstaltung zur Rolle des chinesischen Kapitals in Europa statt. Ein Thema, das immer wieder für Ärger sorgt, weil Chinesen massiv europäische Technologieführer wie Kuka aufkaufen, selbst aber keine Käufe akzeptieren. Muss die Politik hier eingreifen? Wir haben Prof. Sebastian Heilmann, Sprecher der Veranstaltung, vorab exklusiv dazu befragt.

Prof. Heilmann, China investiert global massiv, lässt aber keine Käufe zu. Was halten Sie davon?

Prof. Sebastian Heilmann Grundsätzlich müssen Handels- und Investitionsbedingungen wechselseitig fair sein. Das heißt, was wir den Chinesen erlauben, müssten sie uns auch bei sich erlauben. Bislang haben sie Versprechen, die sie in dieser Richtung gegeben haben, nicht eingelöst. Aber die Frage der Käufe hier hat noch einen anderen Aspekt.

Worauf wollen Sie hinaus?

Zur Person

Prof. Sebastian Heilmann

Heilmann ist Gründungsdirektor des Mercator Instituts für China-Studien in Berlin und ist Professor für Politik und Wirtschaft Chinas an der Uni Trier. Er spricht und liest fließend Mandarin. Das Mercator Institut berät öffentliche und politische Einrichtungen im Hinblick auf China. Dahinter steht eine gemeinnützige Stiftung. Die Studien des Instituts sind öffentlich zugänglich.
http://www.merics.org

Prof. Heilmann Die Frage ist: Wer steht hinter den Käufern aus China? Wir - an unserem Institut sprechen und lesen alle 30 Mitarbeiter Chinesisch - arbeiten intensiv mit chinesischen Quellen. Es ist ernüchternd, was man da mit etwas Suche entdeckt. Oft stehen hinter vorgeblich privaten Käufern regionale Regierungsstellen oder gar die Zentralregierung Chinas. Die Regierung hat zehn Technologiefelder benannt, darunter die Robotik, die für die Industrie der Zukunft zentrale Bedeutung einnehmen werden. Die staatliche Industriepolitik Chinas wird von Einzelunternehmen oft nicht erkannt, ist aber aus politischer und zukunftsorienter Sicht äußerst brisant.

Was muss da passieren?

Prof. Heilmann Die Regulierer in Europa sind gefordert, klare Anforderungen an die Offenlegung der Eigentümerstruktur der Käufer zu stellen. Das muss hier in Europa passieren, es muss viel stärker hinterfragt werden. Immerhin: Eine erste politische Diskussion hat durch die Fälle Aixtron und Osram schon mal begonnen.

In Ihrem Vortrag geht es um die neue Rolle des chinesischen Kapitals. Was ist darunter zu verstehen?

Prof. Heilmann China kauft weltweit massiv ein - vergangenes Jahr in dreistelliger Milliardenhöhe - und ist ein wichtiger Investor. Gleichzeitig läuft die Seidenstraßeninitiative, das Industrieprogramm „Made in China 2025“ wird vorangetrieben, und der Renminbi soll als Weltwährung etabliert werden. Aber ist China wirklich so stabil, wie es sich präsentiert? Man denke nur an den Schock der Wiederverstärkung von Kapitalverkehrskontrollen Ende vergangenen Jahres, der europäischen Unternehmen stark zu schaffen macht. Klar ist Chinas Dynamik attraktiv, aber bislang ist die Risikokontrolle oft zu gering. Wir raten deshalb weder zur Euphorie noch zur Ablehnung, sondern vor allem zur Abwägung. Es kann ja auch intelligent laufen, wie im Fall Cargolux. Dort hat eine Minderheitsbeteiligung zu mehr Geschäft geführt, aber das Unternehmen hat die operative Kontrolle behalten.

Wie sehen Sie die Rolle Luxemburgs?

Prof. Heilmann Luxemburg hat die Chancen des Finanzplatzes für das Renminbi-Geschäft geschickt genutzt. In jedem Fall hat Luxemburg durch den Brexit auch für chinesische Finanzinstitute zusätzliche Attraktivität gewonnen. Wenn sich diese Institute an europäische Regulierungsstandards halten, wird das zum Wachstum des Finanzplatzes beitragen.

Die Veranstaltung „The Age of Chinese Capital: Chinese Investments in Europe“ findet an diesem 30. März von 17.00 - 20.00 in der Handelskammer statt. Redner sind neben Prof. Heilmann noch Handelskammer-Direktor Carlo Thelen und Wirtschaftsminister Pierre Gramegna, der deutsche Botschafter Heinrich Kreft, Laurent Schummer, Partner bei Arend&Medernach, Xuexue Lang, ICIB und ein Merics-Vertreter.