Die beliebteste Sportart der Welt bekommt ihre Probleme einfach nicht in den Griff. Während der Fußball in Asien weiterhin von illegalen Wettgemeinschaften unterwandert ist, in Südamerika die Gewalt in und um die Stadien nicht abebbt, gibt es in Europa weiterhin fast an jedem Wochenende Fälle von Rassismus in den Stadien. Dabei rede ich an dieser Stelle nicht von einem Amateurspiel, bei dem ein Spieler von einer Handvoll trauriger Gestalten wegen seiner Hautfarbe beleidigt wird.

Ich rede vom Spitzenspiel in der obersten italienischen Liga zwischen dem AC Mailand und dem AS Rom. Die Begegnung im fabelhaften San Siro-Stadion musste vom Schiedsrichter wegen anhaltenden Affenrufen und rassistischen Sprachgesängen gegen dunkelhäutige Spieler kurzzeitig unterbrochen werden. Jahrelang mussten dunkelhäutige Spieler in Italien, um bei diesem Land zu bleiben, machtlos alles über sich ergehen lassen, von Schmährufen bis zur Bombardierung mit Bananen. Vereinsverantwortliche und Mannschaftskameraden konnten sich bloß für das Verhalten dieser Zuschauer entschuldigen, dagegen tun konnten sie nichts. Das könnte sich jetzt aber ändern. Anfang des Jahres hat der italienische Verband nämlich neue Regeln eingeführt, die es einem Schiedsrichter erlauben, ein Spiel wegen rassistischer Sprechchöre auf den Rängen zu unterbrechen oder gar abzubrechen. Auslöser für diesen Schritt war ein „Freundschaftsspiel“ im Januar zwischen dem AC Mailand und einem Viertligisten, welches wegen anhaltender rassistischer Buh-Rufe gegen einen weiteren dunkelhäutigen Mailand-Spieler vorzeitig abgebrochen wurde. Es kommt also endlich Bewegung in diese Angelegenheit, wortwörtlich. Der nächste wichtige Schritt wird ein endgültiger Abbruch einer auf der ganzen Welt live übertragenen Begegnung sein. Auch wenn die verantwortlichen Rassisten wahrscheinlich damit angeben würden, diesen Spielabbruch verursacht zu haben, der Zorn und Frust der restlichen Zuschauer im Stadion wäre schwierig einzudämmen. Meines Erachtens zufolge würde es nur einiger Spielabbrüche brauchen, bis das scheußliche Phänomen des Rassismus sehr schnell aus den europäischen Stadien verschwinden würde. Mittlerweile steckt so viel Geld im Fußball, dass wiederkehrende Spielabbrüche für die betroffenen Verbände zu einem erheblichen Verdienstausfall führen würden. Dann doch lieber die Störenfriede nicht ins Stadion lassen.

Der beklagenswerte Vorfall in Italien ist aber zeitgleich ein Beweis dafür, wie stark die rassistischen Strömungen in der europäischen Gesellschaft tatsächlich noch sind. Vor allem in Westeuropa wird gerne und herzhaft über die vermeintlich „naiven“ Amerikaner gelacht. In den USA sind jedoch rassistische Sprüche oder Gesänge bei Basketball-, Baseball- oder American Football-Spielen ganz einfach unerhört. Im Einwandererland der Vereinigten Staaten ist der multikulturelle Charakter der Gesellschaft bereits viel tiefer verankert, als in Europa, auch wenn natürlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ebenfalls offenkundige und klammheimliche Rassisten leben, die menschenverachtende Propaganda verbreiten.