LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Auf der ersten „African Investment Conference“ ging es um Finanzierungs-Möglichkeiten

Prof. Jacob T. Kaimenyi war geradezu begeistert, als er am Mittwochabend über die Chancen für Investoren in seiner Heimat Kenia sprach: „Wir haben das Umfeld für privatwirtschaftliches Wachstum“, unterstrich der aktuelle Botschafter Kenias für Belgien, Luxemburg und die EU. „Unser Index geht seit drei Jahren nach oben und ist einer der besten der Welt! In den vergangenen zehn Jahren haben zahlreiche Unternehmen ihren Sitz nach Kenia verlegt. Die Investitionen sind auf über zwei Milliarden Dollar gestiegen! Wir haben 1.700 ausländische Unternehmen im Land. Das zeigt doch, was passiert!“

Fakt ist: Afrika, das lange Zeit vor allem mit China Abkommen schloss, zieht immer mehr ausländische Investoren an. Länder wie Tansania, Gambia, Uganda, der Senegal oder Dschibuti verzeichneten 2018 alle über sechs Prozent Wirtschaftswachstum, die Elfenbeinküste und Äthiopien sogar mehr als sieben Prozent. Auch Ägypten gehört zu den stark wachsenden Volkswirtschaften. Der Bedarf angesichts der zunehmenden Bevölkerung ist groß und durch den boomenden Mobilfunk ergeben sich vielerorts Chancen für neue Produkte und Bezahlmodelle. So ist M-Pesa mit weit über 18 Millionen Nutzern allein in Kenia ein Riesenerfolg. In ganz Afrika gibt es laut einer McKinsey-Studie über 100 Millionen Mobile-Payment-Konten - womit der schwarze Kontinent weltweit führend ist.

Natürlich ist Afrika weiterhin mit Problemen wir Armut, Krankheiten, Raubbau, Landflucht, Bevölkerungsexplosion, Gewalt und Korruption geplagt. Dennoch: Seit etwa zehn Jahren steht es wirtschaftlich besser dar.

Erste Konferenz zu Afrika

Grund genug also für KPMG, gemeinsam mit der Luxemburg Africa Investments Association zur allerersten „African Investment Conference“ zu laden. Über 150 Gäste fanden den Weg zu KMPG - ein Beweis für das Interesse in Luxemburg. David Capocci, Partner und Head of Alternative Investments bei KPMG, hat die Konferenz maßgeblich mitorganisiert.

„Afrika ist ein Riesenmarkt mit großem Bedarf“, antwortete er auf die Frage nach dem Grund des Events. „Wir haben zahlreiche Anfragen für die Auflage von Investmentfonds. Luxemburg hat sehr viel Erfahrung als zweitgrößter Fondsplatz der Welt. Luxemburg hat Infrastrukturfonds, Private Equity Fonds, Alternative Investment Fonds und dazu Private Equity. Wir können Investoren mit jenen in Afrika verbinden, die Finanzierung suchen und mit beiden arbeiten. Der Bedarf an Finanzierung ist enorm. Da es eine Plattform braucht, kommen wir zum Zug. Erst vergangene Woche haben wir einen Fonds von einer Milliarde in Nigeria aufgelegt.“

Die Wirklichkeit gibt ihm recht. Vergangenes Jahr im Juni nahmen Luxemburger Unternehmen am Malawi Investment Forum teil. Im November 2018 wurde Mazow Bingala von LuxAfrika von den Partnern des „Malawi Growth Accelerators“ - GrowthAfrica, mHub, der norwegischen Botschaft in Malawi und UNDP eingeladen, Mitglied des Investitionskomitees des ersten Accelerators in Malawi zu werden. Auch eine Wirtschaftsmission der Luxemburger Handelskammer Ende 2018 nach Ghana und zur Elfenbeinküste erwies sich als erfolgreich. Und Ende 2018 gab es schon mal eine große Konferenz: EY lud gemeinsam mit der „Luxembourg Africa Investments Association“ und der Europäischen Investitionsbank sowie der Afrikanischen Entwicklungsbank zum Forum „Boosting Investments in Africa: Connecting global investors to African opportunities“.

Nicht nur Luxemburger sind aktiv. Seit 2018 fährt Hapag-Lloyd erstmals die Häfen Mombasa in Kenia und Daressalam in Tansania an. VW will in Ruanda eine App samt Carsharing und privaten Mitfahrgelegenheiten etablieren. Anfang Oktober fand eine Investorenkonferenz der GreenTec Capital Africa Foundation (GCAF) und der „Land of African Business“ (Le LAB) in Abidjan an der Elfenbeinküste statt. Das zeigt: Es wird nicht nur in Südafrika und Nigeria investiert, Länder, die traditionell immer stark waren.

Allerdings stehen Investoren aus Europa häufig hinter China zurück, das mit vielen Ländern bilaterale Abkommen geschlossen hat, vor allem, um sich Rohstoffe sowie Nahrungsmittel zu sichern. Die chinesischen Direktinvestitionen stiegen laut offiziellen Zahlen von 392 Millionen Dollar 2005 auf 2,5 Milliarden Dollar 2012; hinzu kommt noch der sonstige Handel.

Außenhandelsbüro in Casablanca

Luxemburg will auch ein Stück vom Kuchen und den hiesigen Unternehmen helfen, wie Vincent Hieff aus dem Wirtschaftsministerium versicherte. Neben den bestehenden acht Handels- und Investitionsbüros wird im kommenden Jahr auch eines in Casablanca eröffnet, das auch für den afrikanischen Markt zuständig sein wird. „Wir haben mehr Anfragen von Unternehmen zu Afrika“, versicherte Hieff. Allerdings sei der Kontinent mit 50 Ländern riesig. Als kleines Land fokussiere sich Luxemburg daher auf die Länder Ghana, Kenia, Elfenbeinküste, Ruanda und Marokko.