LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Regierung verschärft Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus - Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen werden verboten

Gleich vier Minister, nämlich Premier Xavier Bettel, Gesundheitsministerin Paulette Lenert, Mittelstands- und Tourismusminister Lex Delles sowie Wirtschaftsminister Franz Fayot, erläuterten gestern Nachmittag auf einer Pressekonferenz im Anschluss an den Regierungsrat die verschärften Maßnahmen im Umgang mit dem Coronavirus, die zuvor von der Ministerrunde beschlossen wurden.

Alte und kranke Menschen schützen

Eingangs der Pressekonferenz, bei der dann auch auf das übliche Händeschütteln und Küsschengeben verzichtet wurde, erinnerte Xavier Bettel aber noch einmal daran, dass man sich, und man könne es nicht oft genug wiederholen, regelmäßig und gründlich die Hände waschen sollte, und dies mindestens während 30 Sekunden. Wie genau man sich die Hände waschen soll, das könne man auf der Webseite der Regierung nachlesen. Jeder Bürger könne nämlich ein Teil des Problems sein.

Deshalb seien so einfache Maßnahmen wie Hände waschen, Händeschütteln und Küssen vermeiden, in den Ellbogen oder in ein Taschentuch husten oder niesen, bei Krankheitssymptomen zu Hause bleiben und Abstand zu anderen Menschen halten auch umso wichtiger, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus abzubremsen. Speziell geschützt werden müssten jedoch die besonders gefährdeten, will heißen die kranken und alten Menschen, was zum Beispiel mit sich bringe, dass man am Sonntag einen Besuch bei seinen Großeltern vermeiden sollte.

Getreu dem Motto, zu agieren anstatt zu reagieren, habe der Regierungsrat gestern die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verschärft. Luxemburg befinde sich indes immer noch in der ersten Phase eines Drei-Phasen-Plans, in der versucht werde, das Virus einzudämmen, wie die Gesundheitsministerin unterstrich. In einer zweiten Phase würden dann einzelne Regionen abgeriegelt werden, was für Luxemburg aber nur schwer möglich sei, derweil man sich in einer dritten Phase auf eine flächendeckende Verbreitung des Virus einstellen müsse, wie das auch bei einer Grippe der Fall sei. Lenert geht aber davon aus, dass in den nächsten Tagen mit einer weiteren Verschärfung der Maßnahmen zu rechnen ist. Hieß es vor drei Tagen noch, dass die Regierung empfehle, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Leuten abzusagen oder auf ein späteres Datum zu verschieben, so hat der Regierungsrat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern erst einmal bis zum 31. März zu verbieten. Veranstalter, die Zweifel haben, können sich an die Gesundheitsbehörden wenden.

Hilfe für kleine und mittlere Unternehmen

Auch sollen voraussichtlich ab nächster Woche die drei „Maisons médicales“ in Luxemburg, Esch und Ettelbrück auch tagsüber von 8.00 bis 16.00 funktionieren, und sollen Patienten die Möglichkeit bekommen, via Telemedizin von einem Arzt betreut zu werden, also ohne dafür in eine Praxis gehen zu müssen.

Auch sollen die Eltern von erkrankten Kindern, die sich in Heimquarantäne befinden, die Möglichkeit bekommen, einen „Congé pour raisons familiales“ in Anspruch zu nehmen.

Kleine und mittlere Unternehmen, die vom Coronavirus betroffen sind, werden mit Beihilfen unterstützt, wobei der „Chômage partiel“ generös angewendet werden soll. Wie Wirtschaftsminister Franz Fayot bekanntgab, sollen innerhalb der letzten sieben Tage bereits rund 50 Anfragen auf Kurzarbeit beim Wirtschaftsministerium eingegangen sein - betroffen sind rund 1.500 Leute -, was deutlich mache, dass das Coronavirus auch in der Luxemburger Wirtschaft angekommen sei. Es handele sich dabei aber nicht nur um Betriebe aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe oder Event-Organisatoren, sondern auch um Industrieunternehmen, die zum Beispiel nicht mehr aus dem Ausland beliefert werden könnten. Die entsprechenden Anträge können auf der Webseite des Wirtschaftsministeriums heruntergeladen werden. Sollte sich die Situation verschlimmern, dann werde das Konjukturkomitee, das sich normalerweise einmal im Monat trifft, öfters zusammenkommen.

93 Personen in Quarantäne

Mittelstands- und Tourismusminister Lex Delles erklärte seinerseits, dass in den vergangenen Tagen viele Leute von ihren Reisen zurückgetreten seien und Buchungen ausbleiben würden. Der Horeca-Sektor habe jedenfalls starke Einbußen hinnehmen müssen, viele Betriebe aus diesem Bereich hätten erstmals Kurzarbeit angemeldet.

Dann war gestern auch noch zu erfahren, dass es unter den sieben aktuell in Luxemburg Infizierten keinen schweren Fall gebe, sich inzwischen 93 Personen hierzulande in Quarantäne befinden, täglich bis zu 75 Coronatests gemacht werden, die Gesundheitsbehörde rund 650 Anrufe am Tag erhält und die Grenzen offen bleiben.

Zum Schluss der Pressekonferenz sagte Xavier Bettel dann noch, dass man die Situation sehr ernst nehme, man aber nicht in Panik verfallen dürfe. Es bleibt zu hoffen...

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