COLETTE MART

Der Weltaidstag, der jedes Jahr am 1. Dezember weltweit zelebriert wird, bietet Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, die Neuinfektionen und auch allgemein den Status der Krankheit im Luxemburger Alltag zu dokumentieren. Unser Land verzeichnet in der Tat 2017 einen Rückgang an Neu-Infektionen, was unter anderem darauf zurückgeführt wird, dass es weniger Ansteckungen durch homosexuelle Kontakte zwischen Männern gibt. Trotzdem wäre hervorzuheben, dass Männer die Hauptleittragenden der Krankheit sind, weil 70 Prozent der Neuinfektionen europaweit Männer betreffen. Man geht davon aus, dass einer von vier Infizierten nichts von seiner Krankheit weiß, so dass er den HIV-Virus übertragen kann und demgemäß zur weiteren Ausbreitung der Krankheit beitragen kann.

Der 1. Dezember dient der allgemeinen Sensibilisierung, sich selbst testen zu lassen, respektive zu schützen, und auch von einem Sexualpartner Verständnis und Verantwortungsbewusstsein in dieser Frage zu erwarten. In sozialen Institutionen, die mit Drogenabhängigen arbeiten, gehört der HIV-Test mittlerweile zur Routine in der Betreuung. Allerdings bleibt Aids auch in unserer Gesellschaft noch weitgehend ein Tabu. Es ist für jeden eine schwierige Entscheidung, sich testen zu lassen, und es bleibt nach wie vor absolut selten, dass sich ein Mensch in seinem sozialen Umfeld zu seiner Krankheit bekennt. Während sowohl in privaten wie in öffentlichen Kreisen offen von Krebs, Herzkreislauferkrankungen oder anderen gravierenden Gesundheitsproblemen gesprochen wird, während sogar immer häufiger psychische Leiden wie Depression, Burnout oder Autismus zu offen diskutierten Themen werden, bleibt ein Bekenntnis zu Aids mit Scham verbunden, weil Betroffene Angst vor Diskriminierung haben und dieses Risiko auch tatsächlich besteht.

Diskriminierung ist nämlich nach wie vor ein Problem in einer Gesellschaft, in der Rivalitäten, Ellbogenverhalten und auch emotionale Kälte sich ausbreiten. Menschen werden aufgeteilt, in soziale Milieus, in Schwarz und Weiß, in Ausländer und Luxemburger, und in dieser Hackordnung, der keiner sich entziehen kann, schürt die Krankheit noch immer Ängste, die an Schuldgefühle um die Sexualität rühren, und deshalb eher totgeschwiegen wird. Während viele HIV-Infizierte ein normales Leben in ihren Familien führen, oder auch im engen Freundeskreis gut aufgehoben sind, während hin und wieder Ausstellungen auf sensible Art und Weise auf das Thema aufmerksam machen, riskieren HIV-Infizierte doch Diskriminierung allgemein in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt, da viele über die Übertragung der Krankheit schlecht informiert sind. Die Ausgrenzung von Aids-Kranken bleibt ebenfalls verheerend in Entwicklungsländern, obwohl auch hier in der medikamentösen Betreuung Fortschritte erzielt, die Todesraten gesenkt werden konnten, und allgemein der Information und der Sensibilisierung in der Übertragung zugearbeitet wird. Demgemäß wäre der allgemeine Kampf gegen Diskriminierung jeglicher Art weiterzuführen, und zwar zuerst einmal in der Schule und in der Arbeitswelt. Auch in der Entwicklungshilfe sollte Diskriminierung ein wichtiges Thema sein, weil egalitäre Gesellschaften ihre Probleme viel besser in den Griff bekommen.