AMSTERDAM
HENRI GOEDERTZ

37 Millionen HIV-Infizierte weltweit, viele Neuinfektionen in Osteuropa: Experten warnen davor, im Kampf gegen Aids nachzulassen

37 Millionen HIV-Infizierte weltweit, viele Neuinfektionen in Osteuropa: Experten warnen davor, im Kampf gegen Aids nachzulassen. Was zu tun ist, darüber beriet die Welt-Aids-Konferenz vergangene Woche in Amsterdam, an der auch Henri Goedertz teilnahm. 

„Auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam wurden unter anderem auch mehrere Studien über die Wirksamkeit vorbeugender HIV-Medikamente vorgestellt, die sogenannte PrEP-Pille. PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Die Medikamente verhindern, dass sich HIV in den Körperzellen vermehren kann. Diese Medikamente sind weltweit ganz stark im Kommen, und zeigen zum Teil spektakuläre Ergebnisse auf. Hierzulande sind diese Medikamente zur Zeit aber leider nur im Rahmen eines Pilotprojekts im ‚Centre Hospitalier‘ (CHL) erhältlich. Das muss sich so schnell wie möglich ändern, muss die gezielte Verbreitung dieser Medikamente doch ausgebaut werden. Aids kann aber immer noch nicht geheilt werden, weder heute noch morgen. 

Wichtig sind aber auch die Selbsttests, die man im Ausland, und auch in unseren Nachbarländern, in den Apotheken kaufen kann. In dieser Hinsicht ist das Aids-Komitee nun schon seit fast drei Jahren am Diskutieren, ohne dass, so glaube ich jedenfalls, irgendetwas Definitives geschehen ist. So sind diese Tests zum Beispiel in Frankreich von 25 auf zehn Euro herabgesetzt worden, mit sehr großem Erfolg. Luxemburg ist hier gefordert, diese HIV-Selbsttests ebenfalls anzubieten. Nötig ist dann aber auch die notwendige Werbung, auf dass die Leute auch mitbekommen, dass es überhaupt so etwas gibt. 

Was nun das 90-90-90-Ziel der der Vereinten Nationen bis 2020 anbelangt, das heißt dass 90 Prozent aller Menschen mit HIV eine HIV-Diagnose bekommen haben, 90 Prozent der Menschen mit einer HIV-Diagnose eine lebensrettende antiretrovirale Therapie machen, und 90 Prozent der Menschen, die behandelt werden, eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben sollen, so dass HIV dann auch beim Sex nicht mehr übertragen werden kann, so ist dieses Ziel wohl nicht mehr erreichbar. In Luxemburg gibt es nun Leute, die sogar von einem 10-10-10-Ziel sprechen, das heißt, dass man auch die Leute erreichen muss, die man sonst nicht erreicht, und denen man ohne Vorbedingungen helfen muss. Diese Leute haben zumeist keine Krankenversicherung, und müssen irgendwo untergebracht werden, um auch behandelt zu werden. 

Alarmierend ist indes die Zunahme bei Neu-Infektionen in Osteuropa und Zentralasien, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass diese Leute, zumal die Drogensüchtigen, überhaupt keine Hilfe bekommen und stigmatisiert werden. Homosexuelle, Sex-Arbeiter und Drogenabhängige werden in diesen Ländern verfolgt und diskriminiert, daher lassen sich diese auch oft nicht auf Aids testen.“