LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Exportbüro music:LX zog Bilanz und krönte seine Exportkünstler 2019

Die Bilanz 2019 des Exportbüros music:LX kann sich sehen lassen, und damit natürlich auch die Arbeit der Musiker aus Luxemburg: Insgesamt wurden 32 Alben veröffentlicht und nicht weniger als 1.181 Konzerte im Ausland gespielt. Am häufigsten war man auf deutschen Bühnen präsent (367 Auftritte). In Frankreich gaben unsere Künstler 160 Konzerte und in Belgien 137, haben aber auch in den USA gespielt (40 Konzerte) und sogar in Ländern wie China (34), Japan (23) oder Russland (16). music:LX hatte ein Budget von insgesamt 633.530 Euro zur Verfügung, wovon 90 Prozent vom Kulturministerium kamen.

Zehn Jahre music:LX

Hinter diesen beachtlichen Zahlen steckt nun schon ein Jahrzehnt Arbeit von music:LX. „Damals haben wir, also ein paar Kollegen, der damaligen Kulturministerin die Statuten vorgestellt“, rief Präsident Bob Krieps gestern bei der Pressekonferenz in Erinnerung. Die Idee eines Exportbüros für Musik sei im Umfeld der SACEM Luxembourg (Société des Auteurs, Compositeurs et Editeurs de Musique) entstanden. „Der erste Versuch, dies in Zusammenarbeit mit öffentlichen Partnern zu tun, scheiterte, und so haben wir uns entschieden, eine Asbl zu gründen“, blickte Krieps auf die Anfänge zurück. „Für Musiker ist es wichtig, ihr Publikum zu erweitern, im Ausland zu spielen, mit professionellen Strukturen in Kontakt zu kommen und sich mit dem geschäftlichen Teil ihres Berufs vertraut zu machen, dies um letztlich aus unserer Märchenwelt rauszukommen und sich mit den Besten da draußen zu messen“, unterstrich er. Dass es in Luxemburg an einer richtigen Musikindustrie fehle, es keine oder kaum Musiklabels, Produzenten, Booker, Agenten oder Publisher gebe, gelte es seither zu kompensieren.

music:LX ist inzwischen zu einem wichtigen Partner in diesem Kontext geworden. Die Mitarbeiter bauen den Kontakt zu den professionellen Strukturen im Ausland auf, begleiten die Künstler und umrahmen sie in einem manchmal harten Umfeld. Giovanni Trono, der in diesem Jahr den langjährigen Direktor Patrice Hourbette an der Spitze ablöste, beschrieb 2019 als Jahr der Transition und Erneuerung: „Es gab viele Änderungen, wir haben eine neue Mannschaft und sind nach Esch umgezogen. Es war ein Jahr reich an Aktivitäten und Herausforderungen, immerhin galt es, einen gewissen Arbeitsrhythmus beizubehalten“.

Spotify-Playlist „Made n Luxembourg“

Gleichzeitig sei über neue Aktionen nachgedacht worden, um noch besser in Sachen Export zu arbeiten, dies in einer luxemburgischen Realität, in der im Bereich Musikindustrie noch viel zu tun bleibe. Gespräche mit dem Musik-Streamingdienst Spotify Benelux hätten ihre Früchte getragen. Mittlerweile gibt es eine offizielle Playlist „Made in Luxembourg“. „Die Musiker verdienen zwar nicht wirklich daran, bekommen aber mehr Sichtbarkeit und können ihre Fangemeinde ausbauen“, erklärte er.

2019 war music:LX bei 32 Showcase-Festivals präsent. Zachary Glavan, der neue Projektmanager im Bereich Rock/Pop/Electro/Urban, hob etwa das Reeperbahn Festival hervor, bei dem im September fünf luxemburgische Bands auftraten. Pierre Villeret, neuer Projektmanager der Jazz-Abteilung, ging auf die Veranstaltung „Jazzahead“ in Deutschland, dem „weltweit wichtigsten Markt für Jazz“, ein. „Diesmal waren 3.400 Professionelle dort und 25.000 Zuschauer. Erstmals war eine Gruppe aus Luxemburg im offiziellen Showcase-Programm selektioniert, das Trio Reis-Demuth-Wiltgen. Das ist einzigartig“, freute er sich.

In der ganzen Welt unterwegs

Wenn man sich nun die Aktivität der Künstler im Einzelnen anschaut, so stechen im Rock/Pop/Electro/Urban-Bereich einige besonders hervor. Say Yes Dog hat ein neues Album namens „Voyage“ veröffentlicht und 59 Konzerte in neun Ländern gespielt. MAZ hat rund 20 Konzerte in zehn Ländern gegeben, war zudem „support act“ von Nicki Minaj in der Rockhal und hat die EP „Sleepwalker“ auf den Markt gebracht. Ein besonders gutes Jahr hat auch Seed To Tree absolviert. Die Band hat mit „Proportions“ ein neues Album veröffentlicht, um die 20 Konzerte in drei Ländern gegeben und war darüber hinaus Vorgruppe für Tears For Fears in der Rockhal. ROME, Exportkünstler 2018, hat ebenfalls ein neues Album („Le Ceneri Di Heliodoro“) veröffentlicht und 22 Konzerte in acht Ländern gegeben. Cleveland hat das Album „nDSi“ auf den Markt gebracht und ist zu 25 Festivals/Shows in acht Ländern gereist.

Im Jazz-Bereich hat sich Claire Parsons mit 29 Konzerten im Ausland hervorgetan. Unglaublich aktiv war indes die Formation Dock In Absolute: Die drei Musiker haben nicht weniger als 42 Konzerte quer durch die Welt gespielt und ihr zweites Album „CamJazz“ vorgestellt. Gast Waltzing hat 28 Auftritte im Ausland absolviert. Pol Belardi hat mit verschiedenen Formationen 25 Auftritte hingelegt und sein Album „Organic Machines“ herausgebracht.

Im Klassik-Bereich kann besonders das „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“ (OPL) auf ein außergewöhnliches Jahr zurückblicken, hat es doch auswärts in 18 prestigeträchtigen Konzertsälen gespielt, unter anderem eine Tournee durch Lateinamerika absolviert und die Platte „Petite Messe Solennelle“ aufgenommen. Christoph Sietzen, Exportkünstler 2018, gab 30 Konzerte auf internationalen Bühnen, und Francesco Tristano kam auf 40 Auftritte.

Preise für Seed To Tree, Dock In Absolute und OPL

Nach der Vorstellung des Jahresberichts wurden dann die Exportkünstler des Jahres 2019 gekrönt und durften ihre mit jeweils 2.000 Euro dotierten Preise entgegennehmen. Im Bereich Rock/Pop/Electro/Urban fiel die Wahl auf Seed To Tree. Frontman Georges Goerens war stolz: „Wir haben dieses Jahr wirklich mega viel gearbeitet, waren viel auf Tour und haben viel Zeit in unseren dunklen Probesälen verbracht. Dieser Preis tut unserer geschundenen Künstlerseele nun richtig gut“. Im Jazz-Bereich durfte Dock In Absolute den Preis als Exportkünstler des Jahres in Empfang nehmen. Auch Jean-Philippe Koch verwies auf die viele Arbeit, die dahinter stecke. „Wir sind wirklich um die ganze Welt gereist, haben viele Flieger verpasst und sehr wenig geschlafen“, lachte er. Der Preis im Bereich Klassik geht dieses Jahr an das „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“. Orchester-Manager Patrick Coljon zeigte sich sehr zufrieden: „Wir waren viel unterwegs und hatten zwei große Tourneen, während denen uns auch soziale Aktionen wichtig waren. In Zusammenarbeit mit der Fondation EME haben unsere Musiker Workshops und Konzerte in sozial benachteiligten Vierteln gegeben. EME wollen wir deshalb unsere Dotation schenken, damit sie solche Aktionen auch in Zukunft machen kann“.