Luxemburger können zwischen verschiedenen Scrabble-Varianten wählen, wenn sie über das nötige Vokabular verfügen. Die allermeisten spielen hierzulande das Brettspiel auf Deutsch oder Französisch, die letztgenannte Variante wird seit 1988 im einzigen Scrabbleclub des Landes gespielt. Der Scrabble Club Luxembourg A.s.b.l. wird vom Belgier Robert Peeters präsidiert, seine Mitglieder treffen sich zweimal wöchentlich in Beggen. Das Ehepaar Peeters spielt das Brettspiel regelmäßig, seitdem es vor 40 Jahren in einem Club-Med-Urlaub in Italien an Scrabblesitzungen teilgenommen hat, die vom Animateur Raymond Scrabble, einem der weltbesten Scabblespieler und Landsmann der Peeters-Familie, organisiert wurden. Raymond Scrabble sei natürlich sein Künstlername gewesen, erinnert sich Simonne Peeters an den Urlaub zurück, in dem das Ehepaar „Scrabble duplicate“ spielte.
Anfang der Achtziger nahmen die Scrabblespielerin und einige ihrer Bekannten mit einem Stand am Internationalen Basar des Roten Kreuzes teil. Innerhalb dieser Gruppe, die sich aus Ehepartnern von EU-Funktionären zusammensetzte, fiel irgendwann der Entschluss, Scrabbleabende zu organisieren, um Geld für den Basar zu sammeln. Bevor man zu den öffentlichen Abenden lud, bei denen die Teilnehmer ein kleines Startgeld zahlen mussten, fanden zuerst ein paar Testläufe im Café des Centre Convict statt, wo das Paar gemeinsam mit Bekannten scrabbelte. Zu den Scrabbleabenden habe man nicht nur Frankophone, sondern auch eine ganze Reihe Luxemburger begrüßen können, die das Französische sehr gut beherrscht hätten, unterstreicht der aktuelle Präsident des einzigen Clubs.
Scrabblestar in Luxemburg
Eines Tages stieß seine Frau in der luxemburgischen Presse auf einen Namen, der den beiden Scrabblefans ein Begriff war: Raymond Scrabble. „In großen Lettern stand da ‚Raymond Scrabble in Luxemburg‘, erklärt Simonne Peeters. Der Belgier wollte das Brettspiel überall dort populärer machen, wo es ein Schattendasein fristete oder nur im stillen Kämmerlein gespielt wurde. In Beggen organisierte der ehemalige Ferienclub-Animateur mit der Unterstützung einiger Sponsoren eine Scrabblewoche und führte die Besucher in das Scrabblespiel ein, die Woche schloss mit einem Mini-Turnier. Entwicklungshelfer Scrabbles Veranstaltung hatte zur Folge, dass immer mehr Leute das Brettspiel entdeckten und die Teilnehmerzahl an den Scrabbleabenden zunahm.
Als die ersten Spieler den Wunsch äußerten, eine Lizenz zu bekommen, um an internationalen Turnieren teilnehmen zu können, fiel die Entscheidung, den ersten Scrabbleclub Luxemburgs zu gründen. „Wir waren dann ein offizieller Club mit Statuten, der vom internationalen Verband anerkannt wurde“, erzählt Simonne Peeters. In den Anfangsjahren, als die Ergebnisse noch nicht mit einem Rechner ausgewertet wurden, waren die Mitglieder des Clubs auf vielen internationalen Turnieren anzutreffen. Auf diesen tummelten sich sowohl Gelegenheitsspieler wie auch ambitionierte Scrabblespieler, die mit Titelambitionen antraten. Das habe sich in den letzten Jahren merklich geändert, bedauert Robert Peeters, die Szene sei mittlerweile streng in zwei Gruppen aufgeteilt: „Sie haben auf der einen Seite die Elite, auf der anderen den Rest.“
Der Scrabble Club Luxembourg A.s.b.l. übernimmt zugleich die Rolle des nationalen luxemburgischen Scrabbleverbands. Angesicht der Größe des Landes hätte der internationale Verband damit kein Problem, erklärt der Präsident mit einem leichten Schmunzeln.
Im Gründungsjahr organisierte der Club sein erstes internationales Turnier in der Victor-Hugo-Halle auf Limpertsberg, bei dem internationale Schiedsrichter die Partien leiteten. Ein Jahr später musste der Verein sich in letzter Minute nach einem alternativen Austragungsort umschauen, da eine Ausstellung in der ehemaligen Messehalle kurzfristig verlängert worden war. Der Club sei dann in den „Klénge Kueb“ ausgewichen, berichtet Robert Peeters. 1990 traf sich die Scrabblegemeinschaft dann ein letztes Mal in der Victor-Hugo-Halle.
Letztes Turnier vor zehn Jahren
2003 lud der Club nach dreizehnjähriger Abstinenz von der internationalen Bühne zu einem internationalen Turnier in den Heimatort, an dem über 180 Spieler aus dem In- und Ausland teilnahmen. Als der Verein wieder irgendwann ohne Ausrichtungsort für das Turnier da stand, verzichtete man auf die Ausrichtung eines internationalen Turniers.
Der Scrabble Club Luxembourg A.s.b.l. wird in drei Jahren seinen 30. Geburtstag feiern. Die Zukunft des Clubs ist ungewiss, da Peeters und seine Kollegen massiv mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. Der Verein hat zurzeit knapp vierzig Mitglieder; die allermeisten sind sechzig und älter. Zahlreiche Luxemburger würden Scrabble spielen. Er habe sich auch um neue Mitglieder bemüht, erklärt der Vorsitzende des Clubs. Viele würden aber lieber auf Deutsch scrabbeln, bedauert Robert Peeters.
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