LUXEMBURG
SVEN WOHL

Neue vorläufige Hochwassergefahrenkarten vorgestellt

Der Hochwasserschutz stellt eine kontinuierliche Aufgabe des Umweltministeriums dar. Damit dieser Schutz gewährleistet kann, muss erst die Sachlage erfasst werden. Dies geschieht nun bereits zum zweiten Mal: Im Zuge des zweiten Zyklus der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (2007/60/EG) wurde die neue vorläufige Version der Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten veröffentlicht. Seitens des Ministeriums heißt es, dass in Luxemburg 20.000 Menschen vom Hochwasserrisiko betroffen sind.

Mehr Rechenkraft,mehr Details

Wie die zuständige Ministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) auf der gestrigen Pressekonferenz betonte, gilt es hier einen Unterschied zwischen normalen Hochwasser und Überschwemmungen aufgrund von Starkregen zu machen. Diese Karten betreffen ausschließlich die Hochwassergefahr bedingt durch langanhaltende Niederschläge. Kurze, intensive Niederschläge, sogenannter Starkregen, werden in einer zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen Karte abgedeckt.

Seit der ersten Version der Hochwassergefahrenkarte gab es einige Veränderungen, was die Gefahrengebiete angeht. Während viele davon eher punktueller Natur sind, wurde das Raster der Wasserläufe, welche als signifikant von Hochwasserrisiko betroffen bezeichnet werden von 15 auf 17 erhöht. Neuzugänge sind hier die Korn und die Gander.

Die Karte wurde - schnelleren Rechnern sei Dank - auch mit einem verbesserten Modell berechnet. Mit einer „2D-Modellierung“ können noch detaillierter die Überschwemmungsflächen und Wassertiefen, nicht angeschlossene Druckwasserflächen und überschwemmte Bereiche bei Versagen von mobilen Hochwasserschutzmaßnahmen erfasst und dargestellt werden. Unter anderem wurden mit Flugzeugen Daten gesammelt, um so ein digitales Geländemodell zu speisen. Hierbei wurden insgesamt 570 Gewässer-Kilometer vermessen - 94 Gewässerkilometer im Detail - , 3.600 Querprofile der Gewässer geschaffen, 723 Brückenprofile gemessen sowie Hochwasserschutzmaßnahmen mit in Betracht gezogen.

Ebenfalls erfasst wird, welchem Risiko sich Mensch und Gut ausgesetzt sieht und welche Infrastrukturen gefährdet sind. Negative Folgen sollen nicht nur für den Mensch, sondern auch für die Umwelt, Kulturerbe und Wirtschaft reduziert werden. Dies erfordere jedoch eine koordinierte Vorgehensweise innerhalb der Einzugsgebiete. Man bereitet sich hier auf unterschiedliche Szenarien vor: „HQ10“ bezeichnet Hochwassersituationen, die alle zehn Jahre auftreten. „HQ100“ betreffen Jahrhunderthochwasser, während „HQextrem“ seltenes, extremes Hochwasser bezeichnet.

Da mehr Hochwasserschutzmaßnahmen geschaffen werden und auch die Rechenkapazität wie auch Datenmenge ansteigt, macht eine regelmäßige Aktualisierung dieser Karten Sinn. Ein Aktualisierungszyklus nimmt jeweils sechs Jahre in Anspruch und durchläuft mehrere Stationen. Seit gestern läuft die dreimonatige Phase der „Consultation du public“ an (siehe Infokasten). Zusätzlich wurden sämtliche Pläne an die Gemeinden geschickt. Die Gemeinden haben die Möglichkeit, bis zum 17 Oktober 2019 ihre Bemerkungen einzusenden.