LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Entschuldigung gegenüber jüdischer Gemeinschaft gefordert

Luxemburg war in den späten dreißiger Jahren für die Feinde des Dritten Reichs zu einem wichtigen Asyl- und Durchreiseland geworden. Unter ihnen waren auch viele deutsche Juden, die vor den Zumutungen der neuen Rassengesetze mithilfe der internationalen Widerstandsbewegungen über die Grenzen flüchteten.

Wurden 1927 in Luxemburg insgesamt 1.771 Menschen jüdischer Abstammung gezählt, so stieg die Zahl 1935 auf 3.144, von denen 870 die Luxemburger Nationalität hatten.

Beim Einmarsch der Nazis 1940 lebten rund 3.700 Juden im Großherzogtum, was ungefähr einem Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. In der Folgezeit gelang es vielen zu flüchten, 677 wurden verschleppt. Auch von den Geflüchteten wurden viele später deportiert.

Bis heute keine offizielle Entschuldigung

Bis heute hat man sich in Luxemburg nicht bei der jüdischen Gemeinschaft für die Mitverantwortung der lokalen Behörden bei der Deportation jüdischer Bürger während der Nazibesatzung entschuldigt.

Nachdem der belgische Premierminister Elio di Rupo das am 9. September 2012 gemacht hat, scheint sich allerdings auch hierzulande etwas zu tun.

280 jüdische Kinder verraten

Der Historiker Denis Scuto hat nämlich eine Liste mit den Namen von 280 jüdischen Kindern, die von der Luxemburger Verwaltungskommission an die Nazis verraten wurden, wiedergefunden. Jene Kinder aus Luxemburger Primärschulen wurden von Lehrern, Inspektoren, Bürgermeistern, Distriktkommissaren und vom Chef der Luxemburger Verwaltungskommission an die Nazis verraten.

Die Demokratische Partei (DP) begrüßt die Arbeit von Denis Scuto sowie anderen Historikern, wie Paul Dostert und Paul Cerf, die schon in den achtziger Jahren auf eine Kollaboration der Verwaltungskommission mit den Nazis aufmerksam gemacht haben. Sie ist deshalb der Meinung, dass die jüdische Gemeinschaft eine Antwort von den politischen Instanzen bekommen muss. Die Demokraten bezweifeln nicht, dass nicht alle Politiker im Zweiten Weltkrieg so gehandelt haben, wie man von ihnen erwartet hätte.

Kommission aus Historikern beauftragen

Deswegen verlangt die DP vom Büro der Abgeordnetenkammer, dass sie eine Kommission aus nationalen und internationalen Historikern mit der Analyse dieses wichtigen Kapitels der Luxemburger Geschichte beauftragt. Diese soll innerhalb der nächsten zwölf Monate abgeschlossen und in einem detaillierten Bericht veröffentlicht werden. Diese Kommission soll Zugang zu allen öffentlichen Archiven und Quellen bekommen. Anschließend soll nach Meinung der Demokraten eine Orientierungsdebatte in der Abgeordnetenkammer stattfinden, in der entschieden wird, welche Konsequenzen aus den Schlussfolgerungen der Historiker gezogen werden.