PASCAL STEINWACHS

Nachdem die vergangenen Wochen nicht nur vom „Bommeleeër“-Prozess und der Geheimdienstaffäre geprägt waren, sondern auch von Spekulationen um eine Regierungsumbildung, die sich schlussendlich ja dann aber als richtig erweisen sollten, kehrt nun langsam aber sicher wieder so etwas wie Normalität in den Regierungsalltag zurück. Die Vereidigung von Marc Spautz und Martine Hansen liegt nun bereits eine Woche zurück, die Stabsübergaben in den diversen Ministerien sind inzwischen abgewickelt und in dem ein oder anderen Interviews ließen die beiden neuen Minister durchblicken, wo sie in den zwölf ihnen noch bis zum Wahltermin verbleibenden Monaten in ihren Ressorts ihre Prioritäten zu setzen gedenken.

Derweil Marc Spautz als neuer Familien- und Kooperationsminister Qualitätslabel bei der Betreuung definieren will und Luxemburgs Engagement in der Entwicklungshilfe wieder offensiver nach außen tragen will (was Ex-Minister Schiltz aus dem Effeff beherrschte, die scheidende Ministerin Marie-Josée Jacobs aber nicht), kündigte die frisch gebackene Hochschul- und Forschungsministerin Martine Hansen gegenüber der Erzbistumszeitung an, „die Dinge laufend überprüfen und verbessern“ zu wollen. Ansonsten scheint die politische Newcomerin ihren neuen Job aber eher locker-flockig zu sehen, wolle sie es doch auch als Ministerin so halten wie als Direktorin der Ackerbauschule, nämlich ihre Tochter „spätestens um 18 Uhr aus der Maison relais abzuholen und sie morgens zur Schule zu bringen“. Wenn man bedenkt, dass man von der Hauptstadt bis in den Norden, wo die neue Ministerin ja wohnt, im Berufsverkehr schon mal eine Stunde braucht, dann ist Martine Hansen morgens wohl kaum vor neun Uhr im Büro, wohingegen sie dieses am Nachmittag aber spätestens um 17 Uhr wieder verlassen muss. Für ein gerade einmal ein paar Tage vereidigtes Regierungsmitglied ein doch relativ keckes Vorhaben, zumal ihre Vorgängerin aus dem Norden, die ja immerhin auf eine Regierungserfahrung von 20 Jahren zurückblicken konnte, in etwa zur gleichen Zeit angab, als Ministerin bislang jeden Tag zehn bis zwölf Stunden gearbeitet zu haben - Wochenende inklusive. Da hat sich wohl einer falsche Vorstellungen gemacht, was so ein Regierungsamt tatsächlich an Arbeit mitbringt.

Viel Zeit zum Einarbeiten und zum Akzentesetzen wird den neuen Regierungsmitgliedern sowieso nicht bleiben. Zieht man die diversen Urlaubsunterbrechungen (wobei allein die parlamentarische Sommerpause von Mitte Juli bis Anfang Oktober dauert) ab, und zieht man darüber hinaus in Betracht, dass der Wahlkampf spätestens Anfang des nächsten Jahres das politische Luxemburg bestimmen wird, eigentlich aber schon längst eröffnet wurde, dann bleibt den beiden neuen Ministern nicht viel mehr als die 100 Tage, die einem neuen Mandatsträger gemeinhin als Schonfrist zugestanden werden.

Und dass Premier Juncker und Vizepremier Asselborn sich mit ihren Merkel/Hollande-Aktionen übrigens jetzt schon einen heftigen Stellvertreterkrieg liefern, lässt nichts Gutes vermuten und weist auf das Arbeitsklima in dieser Regierung hin. Ein Klimawandel böte sich dringendst an...