LUXEMBURG
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Die Situation der Habitate und der Tier- und Pflanzenarten in Luxemburg verschlechtert sich rapide

François Benoy, der nicht nur Abgeordneter der „déi gréng“, sondern auch Präsident des „Observatoire de l’environnement naturel“ ist, brachte die Sache gestern auf einer Pressekonferenz auf den Punkt: „Der derzeitige Erhaltungszustand der natürlichen Lebensräume, der wildlebenden Pflanzen- und Tierarten ist in hohem Maße besorgniserregend“. Wenn wir nicht schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ergreifen würden, dann würden viele Tier- und Pflanzenarten auch in Luxemburg in den kommenden Jahren aussterben, so Benoy bei der Vorstellung des nationalen, die Periode zwischen 2013 und 2018 abdeckenden Berichts über den Erhaltungszustand von Lebensräumen und Arten.

Zwei Drittel der natürlichen Lebensräume sind in einem „unzureichenden“ bzw. „schlechten“ Erhaltungszustand

Die Situation in Luxemburg sei mittlerweile alarmierend: Zwei Drittel der natürlichen Lebensräume seien in einem „unzureichenden“ beziehungsweise „schlechten“ Erhaltungszustand. Nur bei einem Drittel könne man noch von einem „günstigen“ Zustand sprechen. Insbesondere Feuchtgebiete, aber auch viele Habitate des Offenlands (zum Beispiel Flachlandmähwiesen) seien immer seltener in einem guten Zustand.

Bei den wildlebenden Tier- und Pflanzenarten sei die Situation noch dramatischer. 80 Prozent seien in einem prekären Erhaltungszustand. Gerade jene Arten, die Offenland-Habitate oder Feuchtgebiete bewohnen würden, seien am meisten gefährdet: Fledermäuse, Schmetterlinge, viele Amphibien und alle Arten, die auf sauberes Wasser angewiesen sind, wie etwa die Bachmuschel.

Abschied von Raubwürger & Co

Insbesondere bei den Vögeln sei die Entwicklung besorgniserregend. Mehr als ein Viertel der in Luxemburg heimischen Arten hätten in den letzten Jahren einen dramatischen Rückgang ihrer Populationen verzeichnet oder seien bereits ausgestorben, wie Gilles Biver, Mitglied des  „Observatoire de l’environnement naturel“, unterstrich. Als Beispiele könne man hier das noch vor wenigen Jahren weit verbreitete Rebhuhn nennen oder auch den Raubwürger nehmen.

Klimawandel mit bis jetzt wenig Auswirkungen

Die intensive landwirtschaftliche Produktionsweise steht indes leider immer noch mit Abstand an erster Stelle, wenn es um die Verantwortung für diese rapide Verschlechterung geht, worauf Nora Elvinger einging, gefolgt von der Zersiedelung und Verbauung der Landschaft sowie der Veränderung der natürlichen Systeme. Diese drei Bereiche würden einen Großteil der Einflüsse ausmachen, die die natürliche Umwelt unter Druck setzen würden. Der Klimawandel hingegen zeige heute noch verhältnismäßig wenige Auswirkungen. Seine Bedeutung steige jedoch von Jahr zu Jahr.

Grundlegender Wandel gefordert

Das „Observatoire de l’environnement naturel“ verlangt vor diesem Hintergrund einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie gewirtschaftet wird, – es gelte mit, und nicht gegen die Natur zu arbeiten. Hier stehe denn auch eine intensive Landwirtschaft mit ihren hohen Dünger- und Pestizideinträgen, sowie einem hohen Viehbesatz in der Hauptverantwortung. Für die Landwirtschaft gelte es, schnellstens auf eine umweltfreundliche Produktion umzuschalten. Dazu gehöre etwa die Einführung einer Gemeinwohlprämie für eine pestizidfreie Landwirtschaft ohne hohen Einsatz von Kunstdünger, eine obligatorische Nährstoffbilanzierung und einhergehend die Abschaffung aktueller biodiversitätsschädigenden Subventionen.  Außerdem müssten Naturschutzgebiete ausgeweitet werden, landwirtschaftliche Nutzflächen erhalten bleiben, und dem Landverbrauch und der Verstädterung müssen Einhalt geboten werden, so François Benoy.

Insgesamt wünscht sich das Observatorium von der Regierung, dass Naturschutz endlich als ressortübergreifendes Anliegen anerkannt werde, und dass bei allen Investitionen und politischen Entscheidungen dem Naturschutz Rechnung getragen werde.

Als erste Schritte verlangt das „Observatoire“ die konsequente Umsetzung des nationalen Naturschutzplanes und eine schnellstmögliche Umsetzung des Naturschutzpaktes auf Gemeindeebene, um den aktuellen Biodiversitätsverlust für Luxemburg zu stoppen.