LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„Research Luxembourg“: 8.000 Infektionsfälle bis Monatsende bei anhaltendem Covid-Trend möglich

Sie liest sich wie eine Warnung: Würden keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen, ist laut Analyse von „Research Luxembourg“ mit einem exponentiellen Anstieg der Covid-Infektionszahlen zu rechnen – mit möglicherweise dramatischen Folgen für das Gesundheitssystem. „Wenn die derzeitige Dynamik anhält, könnte ein Mangel an Betten in den Intensivstationen bereits bis Ende August erwartet werden“, halten die Forscher in ihrem Lagebericht vom 19. Juni fest. Der Report dürfte am Sonntag auch dem außerordentlichen Ministerrat vorgestellt worden sein. Im Anschluss an diesen hat die Regierung am späten Sonntagabend neue Maßnahmen beschlossen (siehe Kasten).
In dem Papier halten die Forscher fest, dass der effektive Reproduktionswert weiter über 1 liegt. Der effektive R-Wert besagt, an wie viele Personen der Infizierte das Virus im Durchschnitt weitergibt. Mit einem Wert von zuletzt 1,24 (Stand vergangener Samstag) steckt eine Person im Durchschnitt mehr als eine weitere an. Würde der jüngste Trend anhalten, „könnte Luxemburg die Marke von 8.000 Fällen bis zum 29. Juli übersteigen“. Bis heute konnte, Grenzgänger inklusive, rund 5.600 Mal Sars-CoV-2 nachgewiesen werden. „Research Luxembourg“ weist ebenfalls noch einmal darauf hin, dass das „Large Scale Testing“ nur einen begrenzten Anteil an den täglich ermittelten Infektionsnachweisen hat.

35 Neuinfektionen

Die Forscher betonen in ihrem Bericht mit dem Titel „Die zweite Welle kontrollieren“, dass weiter unklar sei, ob der Anstieg der Sars-CoV-2-Infektionszahlen seit etwa Nationalfeiertag auf Cluster zurückgeht oder ob sich das Virus inzwischen erneut diffus in der Bevölkerung ausbreitet. Mit Gewissheit kann die Forschung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie gefährlich die zweite Welle ausfällt, ob es einen langsamen Kurvenanstieg oder zu einem schnellen, nicht mehr zu kontrollierenden Pandemiegeschehen kommt. Das führt die Studie auf die inkonsistente Entwicklung der Ergebnisse des „Large Scale Testing“ (LST) zurück. Habe es über den Zeitraum eines Monats seit Mitte Juni Anzeichen eines exponentiellen Anstiegs der Covid-19-Ermittlungen gegeben, seien die Daten der Woche eher unbeständig. So ging die Zahl der positiven LST-Tests seit dem 13. Juli zurück. Stand gestern wurden 35 Neuinfektionen festgestellt bei rund 3.870 Tests laut RTL. Die Zahl der aktiven Infektionen steigt auf 1.065. 53 Personen werden derzeit im Krankenhaus behandelt. Darunter sind auch Verdachtsfälle. Parallel zu den neuen Maßnahmen will die Regierung künftig noch stärker informieren. Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) räumte gegenüber den Kollegen von Radio 100,7 ein, dass die Botschaft zur Einhaltung der Barrieregesten „nicht so gut angekommen ist wie sie hätte müssen“. So sollen Gemeinden, Vereine oder auch Betriebe in die Aufklärungskampagne mit eingebunden werden. Das Parlament soll indes heute über die zweite Phase des „Large Scale Testing“ entscheiden. Das neue Programm, das im September anlaufen soll, soll über mehrere Monate eine hohe Testkapazität aufrechterhalten, „idealerweise“ bis zur Entwicklung eines Impfstoffs, heißt es in der Zusammenfassung des Projekts. Ziel sei es, die langfristige Entwicklung des Infektionsgeschehens in der Bevölkerung zu beobachten. Geplant ist auch eine mobile Einheit, die sich gegebenenfalls zu Infektionsherden begibt. Die Kosten werden auf insgesamt 60,7 Millionen Euro chiffriert.