LUXEMBURG
PATRICK WELTER

AVR und Transportministerium wollen mit Kinospots von Andy Bausch wachrütteln

Alkohol und Autofahren geht nicht zusammen, aber was tun um diese Binsenweisheit in alle Köpfe zu kriegen?

Ein bitteres Thema gut zu verpacken und Menschen ohne erhobenen Zeigefinger zum Nachdenken zu bringen ist eine echte Herausforderung. Eine Aufgabe die Produzent Laurent Ernzer von FrameArt Media und Regisseur Andy Bausch gemeinsam mit ihrem Team hervorragend gemeistert haben. Ihr Fernseh- und Kinospot mit dem Titel „Alkohol um Steier kascht Mënscheliewen“ geht mit einfachen filmischen Mitteln unter die Haut.

Viele Autofahrer und auch Autofahrerinnen können ihre Finger nicht vom Alkohol lassen, auch wenn sie noch Autofahren müssen. Sie halten Alkohol am Steuer immer noch für ein Kavaliersdelikt. Insbesondere an den Wochenenden fährt die luxemburgische Polizei eine reiche Ernte von eingezogenen Führerscheinen ein. Vier Fünftel aller Fälle von sofortigem Führerscheinentzug erfolgen wegen einer Alkoholfahrt, exzessive Raser machen nur ein Fünftel aus. 2018 (2019 ist statistisch noch nicht erfasst) wurden 13 Prozent aller tödlichen und 14 Prozent aller schweren (nicht-tödlichen) Unfälle durch Alkohol am Steuer verursacht.

Eine Idee der AVR

Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, hat sich die Verkehrsopferorganisation AVR an das Produktionsteam von FrameArt Media gewandt, mit dem Wunsch einen Spot für die sozialen Medien zu drehen. Aufgrund der beschränkten Mittel der AVR erschien eine Veröffentlichung im Fernsehen oder in Kinos illusorisch. Dann konnte aber auch das Transportministerium für eine Kostenbeteiligung gewonnen werden und schließlich stieß noch Andy Bausch als Regisseur hinzu. Gemeinsam wurden so zwei unterschiedlich lange Spots - 2‘20 fürs Kino und 0‘30 fürs Fernsehen - realisiert. Ganz ohne krachendes Blech, splitterndes Glas oder spritzendes Blut - stattdessen eine Verhörszene wie in einem Lino-Ventura-Krimi der 1970er. Der Kommissar betritt ein düsteres Verhörzimmer, sortiert seinen Kram, schaltet eine Aufnahmegerät an und fragt sein Gegenüber unvermittelt: „Wieviel Leute habt ihr umgebracht…“ Die Antworten sollte man ich selbst ansehen.

Ziel: Die Zahl der Unfallopfer weiter senken

Transportminister François Bausch (déi Gréng) verwies auf die im Gesamttrend sinkenden Zahlen der schweren und tödlichen Unfälle. Nach 25 Verkehrstoten 2017, gab es 2018 durch zwei besonders schwere Unfälle insgesamt 36 Verkehrstote, im letzten Jahr waren es 21 oder 22 Verkehrstote (die Statistik 2019 ist noch nicht abgeschlossen). Alkohol und stark überhöhte Geschwindigkeit sind die Hauptursachen für schwere Unfälle.

Innerhalb der EU-8 gab es im letzten statistisch erfassten Jahr rund 26.000 Verkehrstote - gegenüber den Jahren und Jahrzehnten zuvor eine stark gesunkene Zahl. Aber das Ziel müsse weiterhin „Zero“ also null Verkehrstote lauten, betonte Bausch.

Das Unfallrisiko durch Alkohol werde weiterhin von vielen unterschätzt. Schon bei 0,3 Promille steigt es auf das Doppelte, wer mit 1,5 Promille - also deutlich alkoholisiert - unterwegs ist, hat ein um das 16-fache gesteigertes Unfallrisiko.

Bausch erinnert auch noch einmal an die derzeit gültigen Strafen für Alkoholfahrten -ohne Unfall - 0,5 bis 0,8 Promille bedeuten eine Geldstrafe von 145 Euro und Abzug von zwei Punkten, bei 0,8 bis 1,2 Promille können die Geldstrafen bis zu 500 Euro betragen, außerdem werden vier Punkte abgezogen. Wer mehr getrunken hat, riskiert Strafen zwischen 500 und 10.000 Euro und den Verlust von sechs Punkten. Zwischen 2014 und 2018 wurden von der großherzoglichen Polizei 1.132 gebührenpflichtige Verwarnungen für Alkoholfahrten ausgesprochen.

2018 wurden 9.298 Führerscheinpunkte von den Punktekonten der Führerscheininhaber abgezogen. Ebenfalls 2018 wurden 1.406 Führerscheine noch an Ort und Stelle eingezogen, weil der oder die kontrollierte Autofahrer oder Autofahrerin einen Promillewert von 1,2 oder höher hatte.

Wie ein tödlicher Unfall aufgrund einer Alkoholfahrt juristisch zu bewerten ist, sei aber Sache der Justiz, erklärte Bausch.