LUC SPADA

Achtung! Was jetzt folgt, ist kein Text. Was jetzt folgt: Ein Moment. Einige Fragen. Einige Bestandsaufnahmen. Ein paar Kommentare. Wo bin ich? Ich bin hier. Hier, im Bett. Heute habe ich meine Bettwäsche gewaschen. Das war nötig. Wirklich. Viel zu viele Flecken. Komische Flecken. Es war aber auch warm draußen. Schweiß ist schuld. Ja, spannender sind die Flecken auch nicht. Schweiß wird gelb, Gelb auf Weiß. Aber warte, es war doch nicht wirklich warm draußen? Warum schwitze ich denn so viel? Wahrscheinlich einfach nur, weil der Kalender sagt, dass jetzt Juli ist. Juli schwitzt. Das ist eben so. Aber auch Espresso unter den Flecken. Auf alle weiteren Flecke möchte ich nicht weiter eingehen. Gut, dass die Bettwäsche wieder weiß ist. Weiß. Unschuld. Jaja. Weiß ist zu Recht keine wirkliche Farbe. Gelb schon. 

Ich war mit einer meiner liebsten Freundinnen, N., zwei Gin Tonics trinken. Das war sehr schön. Wir haben viel geredet. Nicht über Gott und die Welt, mehr über sie und mich. Und so Dinge, auf die ich nicht weiter eingehen möchte. Aber es war wirklich sehr schön. Nun ist sie zuhause, ich auch, ich habe bis heute nicht verstanden, wie das sein kann, dass Menschen, die ich gut kenne, einfach weiterleben, obwohl ich sie ja nicht sehe. Gerade auf jeden Fall nicht. Schleichend, diese Vermutung, dass ich niemanden wirklich kenne, so wirklich, weil wer weiß, ob es sie wirklich gibt, wenn ich sie nicht sehe. Ein bisschen unheimlich ist das schon, aber ich weiß, für euch Kritiker ist das alles nur ein stummer Schrei nach Liebe, deswegen seid ihr auch Kritiker und ich Mensch.

Auf dem Weg nach Hause. Bestimmt mehr als 200 Schritte sind das gewesen, hatte ich eine Frage. Da ich niemanden zum Fragen im Umkreis von einem Meter hatte, habe ich mir die Frage selbst gestellt: Bin ich hier, hier, wo ich eben bin, bin ich gerne hier? Und wie abhängig bin ich davon, hier zu sein? Wie abhängig bin ich von dem, was ich mir aufgebaut habe, was ich kennengelernt habe? Und was ist das eigentlich, was ich mir aufgebaut habe? Ist das echt? Muss echt auch immer authentisch sein? Warum ist „authentisch“ eigentlich so ein beschissenes Wort? Das können die Kritiker unter euch sicherlich beantworten. Hui, das sind ja ganz schön viele Fragen, auf jeden Fall, mehr als eine Frage.

Was würde ich ohne meine Stammkneipe tun? Was wäre, wenn zwei meiner engsten FreundInnen auf einmal, einfach so, überhaupt nichts mehr mit mir zu tun haben wollen? Verschwinden würden? Was würde Tocotronic dazu sagen? Nein danke! (… Ich mag den Zweifel, der an mir nagt / Wenn meine Angst mich schnell verlässt / Ich mag den Tanz, das Idiotenfest / Wenn wir irren, nachts im Kreis / Eine Bewegung gegen den Fleiß / All das mag ich / Aber hier leben, Nein danke…)

Warum lebe ich, und warum habe ich dieses unverschämte Glück, so gut leben zu dürfen? Ist das nicht komisch? Ich meine, das ist doch wirklich ein Wunder, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich konnte mir vorhin, im Bad, das Gesicht waschen. Erst kaltes Wasser, nur um zu fühlen, dass ich noch fühle, dann warmes Wasser, um mich ein bisschen besser zu fühlen. Kalt. Warm. Einmal dieses Ding von links nach rechts drehen (oder war es rechts nach links?) und schon wurde aus kalt warm. Eigentlich ein kleines Wunder. Dann noch ein Glas Wasser getrunken. Die Vögel zwitschern. Unfassbar, ich lebe.