LUXEMBURG
MARCO MENG

Claude Schlesser hatte eine Startup-Idee, die ihm schon namhafte Kunden gebracht hat

Claude Schlesser hat seine Vision wahrgemacht und mit OneAll im Technoport in Esch-Alzette sein eigenes Unternehmen gegründet. Das „Journal“ sprach mit dem 34-jährigen Jungunternehmer über seine Geschäftsidee und über seine Erfahrung, sich selbständig zu machen.

Vor fast vier Jahren gründeten Sie Ihr Unternehmen. Was war die Idee dahinter?

Claude Schlesser In den letzten zehn Jahren hat der Einfluss der sozialen Netzwerke auf den Alltag der Menschen stark zugenommen. Bei vielen Menschen ist die Kommunikation über Plattformen wie zum Beispiel Facebook, Twitter und LinkedIn kaum mehr wegzudenken und zum absoluten Alltag geworden. Ich habe diese Entwicklung von Anfang an mitverfolgt und mich für meine letzten Firmen stark mit diesem Thema beschäftigt. Soziale Netzwerke bieten viele Vorteile, wie zum Beispiel neue Möglichkeiten der Kommunikation mit Kunden. Erfahrungen und Mundpropaganda verbreiten sich ja bekanntlich sehr schnell über soziale Netzwerke, und über virales Marketing ist es möglich, schnell auf ein Produkt oder eine Kampagne aufmerksam zu machen, wobei diese Art des Marketing oft auch günstiger als traditionelle Werbeformen ist, weil die Kunden selbst als Werbeträger dienen und die Werbebotschaft bereitwillig in den Netzwerken verbreiten - man spricht hierbei von Social Sharing. Zudem sind soziale Netzwerke nicht nur ein Marketinginstrument, sondern bieten noch andere Funktionen wie zum Beispiel Social Login.

Das ist?

Schlesser Auf vielen Webseiten muss man erst ein Benutzerkonto erstellen, bevor man alle Features nutzen kann. Viele Benutzer sind es aber satt, immer wieder lange Formulare mit ihren Kontaktdaten auszufüllen, und verlassen die Webseite dann oft. Mit Social Login erfolgt die Registrierung mit dem Profil eines einzigen sozialen Netzwerks statt ein langes Formular auszufüllen. Für Kunden bedeutet dies eine Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit, und Firmen erhalten dadurch mehr Anmeldungen, bessere Datensätze und höhere Interaktionsraten.

Die sozialen Netzwerke bieten also eine ganze Palette von verschiedenen Funktionen, die darunterliegende Technik ist aber sehr kompliziert und nicht standardisiert - jedes soziale Netzwerk funktioniert anders, und die Integration ist aufwendig, schwierig und langwierig. Die Idee zu OneAll ist aus diesem Problem entstanden. OneAll ermöglicht es Entwicklern, sich keine Gedanken mehr um die Normen und Standards der soziale Netzwerke machen zu müssen und sich somit voll auf ihr Produkt zu konzentrieren. Mit OneAll bieten wir eine standardisierte Schnittstelle für mehr als 30 soziale Netzwerke an. Statt jedes soziale Netzwerk einzeln integrieren zu müssen, können unsere Kunden damit ganz einfach unsere API nutzen, um alle Netzwerke in einem Zug einzubauen. Entwicklungszeiten lassen sich hierbei um Wochen oder sogar Monate verkürzen.

Es ist Ihr zweites StartUp. Können Sie davon leben?

Schlesser OneAll war von Anfang an ein großer Erfolg, und derzeit nutzen rund 250.000 Webseiten weltweit unsere Dienstleistungen. Unser Kundenstamm reicht hierbei von Privatkunden, über Hightech-Startups bis hin zu namhaften Geschäftskunden wie zum Beispiel Microsoft oder Nivea. Wir sind also mittlerweile ein profitables Unternehmen. Unser Team wächst kontinuierlich, und wir suchen derzeit nach engagierten PHP-Entwicklern.

Es war aber auch ein Sprung ins kalte Wasser?

Schlesser Die Startphase war tatsächlich schwierig, und es hat fast zwei Jahre gedauert, bis OneAll wirklich starten und Einnahmen erzielen konnte, denn fast ein Jahr hat es in Anspruch genommen, den Businessplan auszuarbeiten und das Grundmodell auf die Beine zu stellen. Danach folgte eine ausgiebige Beta-Testphase, während der die Dienstleistungen kontinuierlich ausgebaut und getestet wurden. Erst danach fühlte ich mich dazu bereit, OneAll zu vermarkten und der breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Zwei Jahre ohne Einnahmen sind natürlich eine lange Zeit! Da OneAll unter anderem aber auch zur Authentifizierung genutzt wird, wollte ich nicht das Risiko eingehen, das Produkt vorschnell auf den Markt zu werfen und vielleicht gravierende Mängel oder sicherheitsrelevante Fehler zu übersehen. Dank der Unterstützung meiner Eltern - die ebenfalls erfolgreiche Unternehmer sind - und meiner Familie habe ich diese zwei Jahre erfolgreich überbrücken können.

Als wir dann nach der langen Entwicklungszeit an den Start gingen, ging es plötzlich ganz schnell: Das Unternehmen war ab dem ersten Monat profitabel, und die Geschäftsentwicklung ist vielversprechend. Um gezielte Marktanteile zu erobern plane ich außerdem, in naher Zukunft einen Investor mit an Bord zu nehmen.

Welche Erfahrung können Sie als Unternehmensgründer weitergeben?

Schlesser Viele von uns meinen, dass Fehler schlecht sind und vermieden werden müssen. Als Unternehmer muss man sich aber darauf einstellen, dass man zwangsläufig auch mal Fehler machen wird. Aus diesen Fehler sollte man lernen: Neues ausprobieren, dabei auch mal scheitern, um wieder aufzustehen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Auch sollte man sein Netzwerk pflegen und nicht in die Falle tappen, alles alleine machen zu wollen. Manche Fehler entstehen einfach aus Unwissenheit. Diese Fehler kann man vermeiden, indem man sich beraten lässt, wie zum Beispiel beim „Business Mentoring“ der „Chambre de Commerce“.

Sie selbst waren immer schon computerbegeistert?

Schlesser Ja, vor allem die Programmierung hat mich stets fasziniert. Angefangen hatte es mit einem Amstrad CPC, den mein Vater sich zugelegt hat, als ich noch ein Kind war. Jahre später kam das Internet, dessen Entwicklung ich mit Faszination miterlebt habe.

Diese zwei Ereignisse haben meine Laufbahn maßgeblich mitbestimmt. Als glücklich verheirateter Vater zweier Kinder verbringe ich meine Freizeit aber nicht am PC, sondern am liebsten mit meiner Familie oder mit Freunden und Bekannten. Wenn noch etwas Zeit bleibt, fahre ich auch gerne Longboard, es gibt nichts Besseres, um den Kopf frei zu bekommen.