LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

„Lunar Economy“: Wie Experten die Zukunft des Mondes im Licht der Wirtschaft sehen

Vor 50 Jahren gewannen die USA das Wettrennen zum Mond und ihre Flagge machte die Mission Apollo berühmt. Jetzt geht es nicht mehr um einen Wettstreit zwischen den USA und der UdSSR, sondern um die „lunar economy“: Welche Schätze gibt es auf dem Mond und wie baut man sie ab? Solche Fragen diskutierten gestern beider Konferenz „NewSpace Europe 2019“ unter anderem Experten der NASA, der ESA oder der UNO. Wir haben hier ihre Standpunkte kurz zusammengefasst. Auffallend ist der Unterton: Niemand will mehr vom Wettstreit der Nationen oder Hoheitsansprüchen reden – lieber von gemeinsamen Profiten.

Lëtzebuerger Journal

Was Experten der NASA, der ESA oder der UNO sagen

Johann-Dietrich Wörner
Generaldirektor der European Space Agency (ESA)

„Bei der „lunar economy“ können öffentliche Mittel eine Rolle spielen. Wir als ESA definieren und finanzieren All-Missionen. Dabei haben wir verschiedene Aufgaben. Wir sind Partner bei Public-Private-Partnerships, Kunde von Unternehmen und Broker, der sich Angebot und Nachfrage ansieht. Schon jetzt gibt es sehr konkrete Angebote von Unternehmen für Leistungen auf dem Mond, für Energie zum Beispiel. Elon Musk und andere wollen auf den Mond und werden das nutzen. Da gab es eine enorme Entwicklung. Als ich 2007 Chef der ESA wurde, habe ich gefragt: Wieso fliegen wir nicht zum Mond? Und man hat mir gesagt, dass sei nur ein Stein ohne Interesse. Das hat sich sehr geändert. Ich denke, eine ‚lunar economy‘ wird als offene, internationale Struktur mit vielen Partnern funktionieren. Es geht nicht darum, den Mond zu kolonialisieren, um die Erde zu verlassen. Wir sollten nicht über Hoheitsgebiete auf dem Mond reden. In meiner Heimat hat man gerade 30 Jahre Mauerfall gefeiert. Wir sollten keine neuen Mauern aufbauen. Die ‚lunar economy‘ ist kein Endziel, sondern ein Zwischenschritt. Danach kommt „economy in air“.“


Doug Comstock
Commercial Low-Earth Orbit Liasion, National Aeronautics and Space Administration (NASA)

„Vor 50 Jahren zeigte die NASA mit Apollo den Weg zum Mond. Jetzt haben wir ein neues Programm, das nach der Schwester Apollos Artemis heißt. 2024 wollen wir damit eine nachhaltige Mondmission starten. Ziel ist es, den ökonomischen Einfluss der Erde auszuweiten. Die Regierungen gehen vor, die Privatwirtschaft folgt.“


Simonetta dI Pippo
Direktorin, United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA)

„Das All birgt viele Möglichkeiten. Wir wollen jedoch auch jene Länder unterstützen, die sich noch in der Entwicklung befinden, damit sie Partner werden können. Wir konzentrieren uns derzeit auf den Rechtsrahmen. Immer mehr Länder klopfen an unsere Türe. Wir sehen vier Säulen der Space Economy und ‚lunar economy‘ ist eine davon. Im Hinblick auf Industrieländer heißt das nicht, dass uns die Industrieländer gleichgültig sind, im Gegenteil. Wir arbeiten an einer Gruppe, um den ‚space gap‘, den Unterschied zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu überbrücken. Das geschieht durch Konsensentscheidungen der Länder. Allerdings sehe ich keine schnelle Marktentwicklung nur mit ein paar Unternehmen.“


Jean-Yves Le Gall
Präsident, Centre National d’études Spatiales (CNES)

„Vor 50 Jahren ging es um Wettbewerb, jetzt geht es um einen Traum. Davon lebt die Mond-Mission. Klar ist: Was immer auf dem Mond geschieht, wird international sein. Früher war das Budget viel höher, aber auch die Risiken, die eingegangen wurden. Jetzt ist mehr Raum für private Investoren. Die Wirtschaft für den Mond beginnt langsam zu existieren. Das lief bei der Satellitenkommunikation genauso. Die ‚lunar economy‘ erinnert mich an die Anfangszeiten des Silicon Valley mit Unternehmen in der Garage. Nur das die heute auf dem Mond steht. Wenn es eine Marsmission gibt, bin ich sicher, dass vorher alle Fahrzeuge auf dem Mond getestet werden.“


Marc Serres
CEO, Luxembourg Space Agency (LSA)

„Wir haben eine langfristige Vision der Nutzung des Mondes. Dabei geht es um permanente Strukturen. Daher sind Spaceressources entscheidend. Wenn wir die nicht berücksichtigen, werden wir keine ‚lunar economy‘ haben. Der regulatorische Rahmen ist wichtig. Ebenso entscheident ist, dass es sich eine nachhaltige Wirtschaft handelt. Es wird immer eine Verbindung zur Wirtschaft auf der Erde geben. Das Potential ist sehr groß. Wir in Luxemburg glauben, dass man die Rohstoffe abbauen kann. Die Basis ist, dass alle einverstanden sind, dass dies auch durch Privatunternehmen geschehen kann.“