LUXEMBURG
MADY LUTGEN

Lynn, ein Mobbing-Opfer, erzählt über die schlimmste Zeit ihres Lebens

Auf den ersten Blick scheint Lynn ein ganz normales hübsches Mädchen zu sein. Doch der Schein trügt. Die 16-Jährige hat die Hölle hinter sich. Mit 14 wurde sie wegen ihres Übergewichts gemobbt. Heute spricht die Schülerin mit dem „Journal“ und zeigt sich stolz darüber, dass diese schwere Zeit sie nicht kaputt gemacht hat. Den Namen haben wir geändert, da Lynn nicht erkannt werden will.

Wie hat das Mobbing angefangen?

Lynn Ich war schon als Kind immer etwas moppelig. Doch in der Primärschule hat keiner meiner Freunde sich um mein Gewicht gekümmert. Als ich dann ins Lyzeum kam, war mein Körperbau vom ersten Tag an ein Thema. Ich kannte noch niemanden in meiner Klasse, doch meine Klassenkameraden hänselten mich bereits vom ersten Schultag an wegen meiner Pfunde.

Wie zeigte sich das Mobbing?

Lynn Naja, alle lachten über mein Aussehen. Vor allem die Mädchen benahmen sich sehr fies mir gegenüber. In dem Alter fängt man an, sich für Jungs zu interessieren. Auch ich fand jemanden in meiner Klasse sehr süß. Eines der Mädchen hatte jedoch mit ihm abgemacht, sich über mich lustig zu machen. Er schrieb mir Liebesbriefe. Ich fühlte mich geehrt und überglücklich. Bis ich eines Tages herausbekam, dass die beiden unter einer Decke steckten. Ich war am Boden zerstört.
Was hast Du unternommen?

Lynn Nichts. Ich konnte mit niemandem über meinen Kummer reden. Ich hatte ja plötzlich keine Freundinnen mehr, da ich zu dick war. Diese Situation überforderte mich total.

Wie ist es dann weitergegangen?

Lynn Ich fing an, nichts mehr zu essen. Ich dachte, ich müsste abnehmen, um dazu zu gehören. Ich aß wochenlang täglich nur einen Apfel. Irgendwann, nach einigen Monaten, war ich dann genau so dünn, wie alle anderen.

Aber Du wolltest anschließend noch immer nicht normal essen?

Lynn Nein, ich hungerte weiter. Irgendwann suchte ich den Hausarzt wegen einer Erkältung auf. Dieser riet mir, wieder anzufangen, mich normal zu ernähren. Aber ich fürchtete, wieder dick und somit auch wieder gemobbt zu werden.

Wie reagierten die anderen auf deine Gewichtsreduktion?

Lynn Ich dachte, wenn ich dünn wäre, würde ich akzeptiert werden. Da aber plötzlich viele Jungs sich für mich interessierten, war ich für die Mädels noch immer ein rotes Tuch. Die Mobbing-Geschichte ging also weiter.

Wie kamst Du damit klar?

Lynn Ich fing an, die anderen auch zu ignorieren und einfach mein Ding durchzuziehen. Ich gewöhnte mich ans Alleinesein. Als sie merkten, dass sie keinen Einfluss mehr auch mich hatten, beruhigte sich die Situation. Nach einiger Zeit entschuldigten sich einige Mädchen bei mir, andere ignorierten mich weiter. Dies bedeutete jedoch kein Problem mehr für mich.

Was rätst Du Jungen oder Mädchen in einer vergleichbaren Situation?

Lynn Auf keinen Fall, Schwäche zu zeigen. Und diejenigen nicht zu beachten, die einen ignorieren. Sich mit der Situation, egal wie schwer sie ist, anzufreunden und das Beste daraus zu machen. Es geht vorbei. Wenn man anders ist als die anderen, sollte man stolz auf sich sein. Denn die anderen sind nur neidisch. Ob ein paar Kilos zu viel oder zu wenig oder was auch immer, man sollte sich so lieben, wie man ist. Dann haben andere keine Chance, einen fertig zu machen.