LUXEMBURG
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POST-Gruppe fährt 2019 gutes Resultat ein - 20 Millionen Euro Dividende für Aktionär Staat

Der Aktionär Staat darf sich freuen: Er erhält demnächst eine Dividende von 20 Millionen Euro von POST Luxembourg. Die Gruppe konnte nämlich am Ende des Geschäftsjahres 2019 einen Nettogewinn von 37,8 Millionen Euro verzeichnen, ein Anstieg von 13,2 Prozent gegenüber 2018. Das bei einem Umsatzanstieg von 4,2 Prozent auf 861,9 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis (EBITDA) von 183, ein Plus von 6,1 Prozent.

„Alle Indikatoren sind auf Grün“, freuten sich POST-CEO Claude Strasser und Verwaltungsratspräsident Serge Allegrezza bei der Vorstellung der Zahlen aus 2019 und besonders darüber, dass dieses Wachstum auf „organischem Weg“ erzielt wurde, also durch den Ausbau der bestehenden Aktivitäten und nicht etwa durch Zukäufe.

Die Paketwelle

Das eigentliche Postgeschäft befindet sich durch die Digitalisierung seit langem in einem tiefen Wandel und das in mehreren Hinsichten. Zum einen werden viel weniger Briefe verschickt. Das Volumen ist zwischen 2015 und 2019 von 147 auf 126 Millionen abgesackt. Andererseits treibt der digitale Handel andere Geschäftsbereiche an. So verdoppelte sich die Zahl der in Luxemburg jährlich ausgelieferten Pakete in der gleichen Zeitspanne von zwei auf vier Millionen.

Um dieses Volumen zu bewältigen - 96 Prozent der Pakete werden innerhalb eines Arbeitstages zugestellt - hat das Unternehmen in eine neue Paketsortieranlage im „Centre de Tri“ in Bettemburg investiert, die täglich 30.000 Pakete zu bewältigen vermag. Steigt das Paketvolumen weiter jedes Jahr im zweistelligen Bereich, muss hier allerdings nach 2021 weiter ausgebaut werden. Überlegungen laufen, sagte Claude Strasser, der beifügte, dass über die mittlerweile mehr als 100 PackUp 24/24-Stationen mehr als eine Million Pakete an die Adressaten gehen.

Noch aussagekräftiger für die Explosion der Paketzustellungen sind die Zahlen zum Handling der Pakete aus Asien, die POST Luxemburg am Findel für ganz Europa abwickelt. 2018 wurden in diesem Service, der 2017 startete, vier Millionen Pakete umgeschlagen - im vergangenen Jahr waren es schon mehr als 13 Millionen.

Bereit für 5G

Auch das Telekom- und IT-Geschäft - der Löwenanteil am Umsatz mit rund 464 Millionen Euro - läuft gut für die POST, obwohl jährlich 20.000 klassische Festnetzanschlüsse abgemeldet werden und die dazugehörigen Infrastrukturen sich also immer weniger rentieren.

Apropos Infrastrukturen: 250 Millionen Euro hat die POST in den letzten fünf Jahren in die Fest- und Mobilfunknetze investiert. Während die Abdeckung des Territoriums mit 4G mittlerweile fast vollständig ist, sind 70 Prozent der Gebäude an das Glasfasernetz angeschlossen. Die Steigerung dieser Rate läuft, aber Claude Strasser weist auch darauf hin, dass künftig auch auf andere Technologien zurückgegriffen wird. Stichwort 5G: „Wir bereiten uns schon lange darauf vor und sind technisch seit dem vergangenen November bereit“, sagt der POST-CEO.

Das Unternehmen beteilige sich nun an der Versteigerung der Frequenzen, eine Herausforderung, die Strasser als „Neuland“ bezeichnete. Er zeigte sich überzeugt, dass der Kalender der Prozeduren trotz der Pandemie eingehalten werden kann und POST im Laufe des Jahres ein 5G-Produkt anbieten kann. Die Gruppe baut derweil ihre IT-Dienstleistungen weiter aus. So hat sie im vergangenen Jahr ihre internen Kompetenzen im Bereich
Cybersicherheit gebündelt. Die „POST Cyberforce“ steht nun auch externen Kunden zur Verfügung.

Sorgenkind POST Finance

Sorgen bereitet den POST-Chefs derweil die Entwicklung des Standbeins „POST Finance“. Auch wenn 2019 der Umsatz bei 27,6 Millionen Euro gehalten werden konnte, rund 10.00 neue Postscheckkonten jährlich neu eröffnet werden und das Online Banking stark verbessert wurde, gibt es durch die Zinslage Rentabilitätsprobleme. „Der Effekt der negativen Zinsen ist jetzt da“, sagte Claude Strasser, laut dem schon mal Überlegungen im Raum standen, den Postscheck ganz zu schließen, man aber durch dessen Popularität - rund 200.000 Kunden greifen darauf zurück - davon abgesehen habe. Wie es weitergeht, konnte er gestern noch nicht sagen.

POST ist im Finanzbereich an mehreren anderen Unternehmen beteiligt, darunter Raiffeisen, Luxtrust aber auch Visa und die europäische Open Banking-Plattform LuxHub.

Der größte Arbeitgeber

Im vergangenen Jahr zählten zur POST-Gruppe etwa 20 Unternehmen in ihren drei Hauptbetätigungsfeldern und eine Menge Beteiligungen rund um die Welt. POST ist mit 4.652 Mitarbeitern mittlerweile der größte Arbeitgeber Luxemburgs. Das Personal wird nicht nur zahlenmäßig ausgebaut (4.238 Mitarbeiter in 2015), sondern es wird auch ständig in dessen Weiterbildung investiert. So komme jeder Mitarbeiter im Durchschnitt auf 14 Fortbildungsstunden jährlich.

Verwaltungsratspräsident Allegrezza und CEO Strasser nutzten denn auch die Gelegenheit der Pressekonferenz, um allen Mitarbeitern für ihren Einsatz zu danken, der besonders auch durch die Covid-19-Krise stark gefordert wurde.