LEUDELINGEN
CORDELIA CHATON

Raiffeisen ist mit Jahreszahlen 2018 zufrieden - positives Nettoergebnis - Beirat geplant

Der Raiffeisenbank geht es gut. Das war die Botschaft bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2018 gestern vor der Presse durch CEO Guy Hoffmann. Angedeutet hatte sich das schon angesichts der Halbjahreszahlen. Eine große Überraschung war es also nicht, insbesondere, da die Bank für ihren vorsichtigen, stetigen Kurs bekannt ist.

Alle wichtigen Kennzahlen legten zu. Die Bilanzsumme belief sich Ende 2018 auf fast neun Milliarden Euro, ein Plus von 11,4 Prozent. Die Kundeneinlagen nahmen um 13,2 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro zu. „Das liegt sowohl an Privat- wie auch an Geschäftskunden“, erklärte Hoffmann. Kundenkredite nahmen um 6,9 Prozent zu, was vor allem Immobilienkrediten geschuldet war - durch Privat- wie auch durch Geschäftskunden. An letztere vergab die Bank zwölf Prozent mehr Immobilienkredite. Insgesamt wuchsen die Einlagen über zehn Jahre im Schnitt um 5,6 Prozent.

In einem Niedrigzinsumfeld kämpfte die Bank mit ihren hohen Einlagen von 700 bis 800 Millionen Euro bei der Zentralbank, bei der sie teure Negativzinsen von vier Prozent bezahlt. „Wir sind sehr profitabel, aber nicht extrem rentabel“, fasste Hoffmann die Situation zusammen. Das Nettoergebnis ist mit plus 2,6 Prozent und 18,7 Millionen Euro „zwar nicht weltbewegend, aber positiv“, wie der Banker kommentierte.

Positive Partnerschaft mit der POST

Die 2016 eingegangene Partnerschaft mit der POST stärkt das Kreditgeschäft ebenfalls und schlägt sich positiv in der steigenden Kundenzahl und im Leasing nieder. Hoffmann schätzt, dass zwischen sieben und zehn Prozent des jährlichen Wachstums der POST zu verdanken sind. Ebenfalls mit der POST arbeitet die Bank mit dem grünen Logo bei Luxhub zusammen an der Vorbereitung auf die zweite Zahlungsdiensterichtlinie durch Onlinebanking und technische Lösungen.

Auch das Privatbankgeschäft der Raiffeisen, das sie seit 2017 betreibt, läuft gut. Hier arbeitet die Raiffeisen mit der Schweizer Vontobel beim Asset Management zusammen. Die Zahl der Verträge nahm laut Hoffmann um 64 Prozent zu, die des verwalteten Vermögens um 70 Prozent. Die Kunden können zwischen vier Kategorien wählen. Wer möchte, dass die Bank sich um die Einlagen kümmert, muss mindestens 125.000 Euro mitbringen; wer regelmäßig beraten werden will, das Doppelte.

Hingegen treibt der neue Kollektivvertrag im Bankensektor die Personalkosten nach oben, die um 4,5 Prozent zunahmen. Die Raiffeisen beschäftigte Ende 2018 rund 650 Mitarbeiter, 24 mehr als im Vorjahr. „Die Technologie ist heute jedoch ein größerer Kostentreiber als das Personal und vielfach fehlt technologische Kompetenz“, klagte der Bankenchef.

Hoffmann unterstrich den besonderen Charakter der Raiffeisen als kooperativer Bank, die den Mitgliedern gehört. Ende 2018 zählte die Bank 33.937 Mitglieder. „Jetzt sind es schon fast 35.000“, freute Hoffmann sich. Die Bank gibt rund eine Million Euro ihres Resultats an die Kunden zurück. Diese können durch Mitgliedsprogramme, bei denen sie Geschäfte mit der Raiffeisen tätigen, Punkte sammeln. Am Jahresende lassen sich diese Punkte in andernfalls kostenpflichtige Bankdienstleistungen umtauschen. „Wir sind die einzige Bank, die zu einem extrem räsonabelen Preis arbeitet“, sagte der Raiffeisen-Chef. Das Kundenprogramm „Opera“ läuft so gut, dass die Raiffeisen es in einer erweiterten Form als „Opera Plus“ für Privatkunden anbietet und jetzt auch für Geschäftskunden in zwei Größenkategorien eine vergleichbares Angebot aufgelegt hat.

Um den Kunden entgegen zu kommen, will die Bank weiter lokal und digital aktiv sein und fasst das unter dem Stichwort „phygital“ zusammen. „Automatisierung ist eine starke Tendenz, aber wir wissen auch, dass Kunden zu einem bestimmten Zeitpunkt Beratung wollen“, bemerkte Hoffmann. Darauf geht die Raiffeisen mit zwei Aktionen ein: Zum einen Apps und digitale Angebote, zum anderen wurden die Öffnungszeiten der Filialen über 17.00 hinaus ausgedehnt. „Auch um 20.00 ist ein Termin noch möglich“, unterstrich der CEO der Raiffeisen. Dagegen seien Öffnungszeiten am Samstag nicht gefragt - und darauf habe sein Haus reagiert. Die Raiffeisen hat vier neue Filialen eröffnet und zwei renoviert, so dass das Netz rund 40 Filialen umfasst.

Ein Beirat als gewünschter Kritiker

Hoffmann ging kurz auf das Projekt der Fusion der in 13 regionalen Einzelkassen organisierten Bank plus Zentrale ein, die nun dabei sind, zu fusionieren. Das wird auch Auswirkungen auf den Verwaltungsrat haben, der derzeit mit 17 Mitgliedern recht groß ist. In Zukunft soll er weniger umfassen. Doch die Bank plant unter der neuen Generalsekretärin Michèle Vallenthini, zuvor bei der FEDIL Kommunikations-Chefin, die Aufstellung eines zwanzigköpfigen Beirats, der bis zum Sommer operabel sein soll. Mitglieder sollen Kunden der Bank sein, ihre Werte vertreten. „Aber sie sollen auch die schärfsten Kritiker werden“, betont Hoffmann. Bis zu vier Leute aus dem Beirat können in den Verwaltungsrat kommen. Der Beirat soll drei bis vier Mal jährlich tagen. Die Mitglieder wechseln regelmäßig. Erste Bewerbungen liegen vor. Die Idee hatte sich die Raiffeisen in anderen Ländern abgeschaut, verriet Hoffmann.