LUXEMBURGCORDELIA CHATON

Veronique Coulon hat mit 40 Jahren ihren eigenen Malerbetrieb gegründet - Mit Erfolg

Sie schaut noch mal prüfend über die grüne Farbe, die der Anstreicher gerade aufgetragen hat. Véronique Coulon kontrolliert eine Baustelle bei einer Bank - ihre Baustelle. Denn seit 2002 ist sie Unternehmerin. Damals gründete Coulon einen Anstreicherbetrieb. Das Fachwissen dazu hatte sie selbst erworben. Dem „Journal“ erklärt sie, warum ihr das Leben als Chefin von 15 Mitarbeitern besser gefällt als der sichere Job als Angestellte.

Frau Coulon, warum haben Sie sich mit erst 40 Jahren im Handwerk selbstständig gemacht?

Véronique Coulon Ich bin eigentlich Architektin mit einem Diplom für Unternehmensführung der Universität Nancy. Lange habe ich in Lothringen in verschiedenen Unternehmen gearbeitet; oft als Nummer zwei oder Chef de Service. Zuletzt war ich in einem Anstreicherunternehmen, wo mir der Aspekt der Dekoration gut gefallen hat. Aber ich wollte wissen, wie das wirklich geht und von was ich rede und habe neben der Arbeit nochmal die Schulbank gedrückt. 2002 habe ich dann mit meinem Mann Patrick das Unternehmen gegründet. Das klappte sofort, obwohl ich niemanden von meinem vorherigen Arbeitgeber abwarb.

Ist selbstständig sein besser?

Coulon Es ist anders. Ich organisiere mich jetzt, wie ich will. Natürlich habe ich keine fünf Wochen Urlaub mehr wie früher. Aber die Arbeitsstunden zähle ich nicht. Gemeinsam mit meinem Mann spreche ich mich ab. Wir kontrollieren jeden Tag alle Baustellen, auf denen unsere 15 Mitarbeiter sind. Die befinden sich nach der Verlegung des Unternehmens nach Luxemburg fast alle hier. Als wir 2002 anfingen, waren unsere beiden Kinder noch zehn und zwölf. Damals kam mir diese Organisation entgegen. Heute sind sie erwachsen und vieles ist einfacher. Mit meinem Mann bin ich im gleichen Orbit, wir teilen die gleichen Ideen.

Was beschäftigt Sie in Ihrem
Beruf?

Coulon Es ist nicht einfach, gute Anstreicher zu finden, die qualifiziert sind, Erfahrung haben und autonom arbeiten. Bis jetzt haben wir nur Männer beschäftigt, obwohl ich auch gern Frauen einstellen würde. In unserem Beruf geht es zunehmend um Umweltthemen. Deshalb hat sich jetzt ein Team von vier Mitarbeitern für Anstriche in Passivhäusern ausgebildet. Der Markt fragt das immer stärker nach. Gleichzeitig steigt seit Jahren der Aufwand für Verwaltung. Wir würden gern die Größe des Unternehmens beibehalten, weil wir so noch alle Baustellen selbst kontrollieren können, das ist sehr wichtig.

Wollen Ihre Kinder auch Unternehmer werden?

Coulon Sie sind nicht an unserem Betrieb interessiert. Aber sie wollen ein eigenes Unternehmen gründen. Sie sehen uns und finden schon, dass das ein Vorbild ist. Meine Tochter wollte sich sofort nach ihrem Abschluss an der HEC (Anmerkung der Red.: École des hautes études commerciales, eine renommierte Pariser Hochschule für Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung) selbstständig machen. Aber ich habe ihr geraten, erst mal Erfahrung zu sammeln.

Finden Sie, Frauen brauchen eine besondere Förderung im Beruf?

Coulon Man muss den Frauen Türen öffnen, das wäre gut. Ich bin für die Quote, leider. Denn Männer fragt man nicht, ob sie kompetent sind. Das setzt man einfach voraus. Mit Männern zu arbeiten war für mich übrigens nie ein Problem.

Hat das Handwerk goldenen Boden und ein solches Image?

Coulon Was das Image angeht, so ändert sich das gerade, finde ich. Immerhin merken die Leute, dass das etwas ist, was man nicht exportieren kann. Das muss vor Ort passieren. Außerdem werden die Anforderungen immer höher, da muss man schon gut sein. Auch wenn seit der Krise 2008 die Konkurrenz und der Preisdruck stärker geworden sind, kommen wir gut zu recht.