LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Paule Kremer will von Großbritannien nach Frankreich durch den Ärmelkanal kraulen

Sich durch die Wellen kämpfen, zwischen zwölf und 16 Stunden im kalten Meer aushalten, nur von einem Fischerboot begleitet. Paule Kremer hat ein ganz besonders ehrgeiziges Projekt für diesen Sommer, für das sie bereits seit Wochen hart trainiert: Die 28-Jährige will im August alleine durch den Ärmelkanal schwimmen. Was sich hier mutig und ein bisschen außergewöhnlich anhört, ist in England eine Art Volkssport, wie Kremer berichtet.

„Ich habe fünf Jahre in Großbritannien studiert und habe oft an die Schwimmer im Meer gedacht“, erzählt die Englischlehrerin vom Lycée Ermesinde. Nur damals konnte sie sich nicht vorstellen, jemals die Strecke zwischen Dover und Calais anzugehen. Doch dann stürzte sich ein Freund zweimal in die Fluten, scheiterte aber, woraufhin man im Team die Strecke als Staffel in Angriff nahm. „Wir waren zu sechst, ich bin zweimal eine Stunde geschwommen.“ Auf rund zehn Kilometer schätzt sie ihre geschwommene Strecke. „Während der Staffel dachte ich mir, das will ich auch mal alleine schaffen.“ Ihren großen Coup hat sie für die Zeit zwischen dem 29. Juli und dem 6. August geplant, wann der beste Zeitpunkt ist, entscheidet der Fischer, der Kremer im Beiboot begleiten wird. Da das Ärmelkanalschwimmen in Großbritannien beliebt ist, sind solche Aktionen auch entsprechend organisiert. Wer den Kanal durchschwimmen will, meldet sich bei einer Organisation an wie der „Channel Swimming Association“.

16 Grad kaltes Wasser

Bei dem kühnen Sprung in die rund 16 Grad kalten Fluten gibt es aber auch einiges zu beachten: So sind ein Neoprenanzug und am Boot festhalten verboten, die Schwimmer können sich dem Wasser nur mit Ohrstöpsel, Badeanzug oder Badehose und Badekappe stellen.

Bis es für Paule Kremer so weit ist, hat sie noch viel Training zu absolvieren, bei dem sie von ihrer Schwimmlehrerin Monique Zepp unterstützt wird. „Sie kennt jeden Trick“, sagt Kremer froh. Derzeit schwimmt Kremer jeden Tag, ab April sollen die Bahnen dann länger werden und das Training in den Stausee verlegt werden. Ab Mai will sie jedes Wochenende mit anderen Schwimmern vorm englischen Dover trainieren. Dann wird sieben Stunden vor dem Hafen geschwommen.

Als Triathletin an hartes Training gewöhnt

Hartes Training ist die junge Frau als Walferdingen gewöhnt. Als Triathletin hat sie auf Meisterschaften schon einen Podiumsplatz geholt. Doch weil ihr wegen ihres Projektes die Zeit zum Fahrradfahren fehlt, setzt sie dieses Jahr mit Triathlons aus. Der Plan für das körperliche Training steht also. Hinsichtlich der Verpflegung muss die 28-Jährige noch testen, was sich am besten eignen könnte. „Wahrscheinlich flüssige Kohlenhydrate und viel Süßes, allein wegen des ganzen Salzwassers, das man schlucken muss.“ Ob ihr während der zwölf oder 16 Stunden langweilig wird, bereitet ihr keine Sorgen. „Meine Trainerin und meine Freunde sind im Beiboot dabei, sie werden Stimmung machen, aber es ist sowieso eine mentale Herausforderung.“ Schließlich könne man nicht wissen, was an Wind, Wellen oder gar Regen auf einen wartet. „Ich hoffe nur, dass die Leute im Beiboot nicht seekrank werden.“ Die Strecke kann zwischen 30 und gut 50 Kilometer betragen, je nach Strömung und Wind.

Paule Kremer steigt aber nicht nur aus Spaß an der Herausforderung in die kühlen Fluten. Mit ihrer Aktion will sie Spenden für das „Plooschter Projet“, das ihr Freund Yannick Lieners gegründet hat, sammeln. „Es hilft, wenn man weiß, dass es für den guten Zweck ist“, erklärt Kremer. „Wir haben 10.000 Euro als Zielsumme angegeben, das ist wirklich utopisch, aber vielleicht schaffen wir es.“


Weitere Informationen unter www.facebook.com/englishchannelplooschterprojet