LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Schlösser und Burgen im Süden Luxemburgs werden gerne vergessen

Burgen (und Schlösser) im Süden? Da es sich um Luxemburgs Süden handelt, stellt sich gleich die Frage: „Gibt’s da welche?“ Überraschenderweise mehr als man denkt.

Am bekanntesten ist natürlich die Ruine auf dem Mont-St-Jean oberhalb von Düdelingen und es ist auch diejenige Burg(ruine) die als einzige in der Red-Rock-Region einen echten touristischen Anziehungspunkt darstellt. Leider ist der Text über die Burg auf der Webseite der Region eher was für märchenaffine Kinder als für Menschen mit echtem historischem Interesse. Dennoch, die einst verschwundene Burg ist dank des Engagements von ehrenamtlichen und professionellen Archäologen nach hunderten von Jahren wieder aufgetaucht, gut erforscht und sehenswert – selbst wenn es nur noch Fundamente sind.

Schloss Bettemburg - Lëtzebuerger Journal
Schloss Bettemburg

Während im Norden  Luxemburgs die Burgen und Schlösser einen Dornröschenschlaf schliefen und sich irgendwie in die Neuzeit retteten, wenn auch manchmal nur als Ruine, tobte über den Süden im späten 19. Jahrhundert die Industrialisierung Luxemburgs hinweg. Aus einer ländlichen Region wurde ein Industrieland – wenn die Schlösser und Burgen nicht anderweitig genutzt wurden, verschwanden sie ganz. In Esch/Alzette findet man von einer Burg und dem nachfolgenden Schloss nur noch einen einsamen Torturm, der heute zu einem Innovationszentrum gehört. Mein schlaues Burgenbüchlein von 1986 behauptet auch, dass das Düdelinger Stadthaus über einem untergegangen Schloss errichtet wurde.

Das Schloss in Differdingen begann mal als Adelssitz, vermutlich der erste im Stil der Renaissance in ganz Luxemburg, um später im Besitz der Stahlbarone zu landen. Die dort aber nicht wohnten, sondern ein Gästehaus und Casino – keine Spielhölle, sondern ein Betriebsrestaurant für die gehobenen Stände – einrichteten. Heute und seit etlichen Jahren ist dieses historische Gebäude der Anker für viele amerikanische Studenten bei ihren Europa-Erkundungen.

Schloss Sassenheim - Lëtzebuerger Journal
Schloss Sassenheim

Das Barockschloss in Bettingen/Mess ist dagegen eine feste Burg für Menschen, deren Leben einen gewissen Schutz braucht. Hier und in den umliegenden Gärten und Werkstätten können Menschen mit geistiger Behinderung in geschützter Atmosphäre leben und arbeiten. Nicht die schlechteste Verwendung für einen ehemaligen Feudalbau.

Das Schicksal von Schloss Sassenheim ist dagegen ungeklärt, nachdem es für Jahrzehnte als „Kannerschlass“ diente, steht der hübsche Bau mittlerweile leer und in der Gemeinde fragt man sich was damit geschehen soll. Von Seiten des Staates aus bleibt man da mal wieder im Vagen.

Perfekt ist die Sache mit Nutzung und Erhaltung des Schlosses in Bettemburg gelungen, wo die Gemeindeverwaltung mit allem Drum und Dran kommoden Unterschlupf in den Räumen des ehemaligen Schlosses gefunden hat. Mit seiner U-Form steht das Bettemburger Schloss für einen vergleichsweise praktischen Schlosstyp: Das Schlossgut - die hohen Herrschaften auf der einen Seite und der Landwirtschaftsbetrieb auf der anderen Seite.

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Wer durch die verbliebenen ländlichen Gebiete des Südens streift, muss schon genau hinsehen, um zwischen den stattlichen Höfen aus dem 18. oder frühen 19. Jahrhundert, die ein oder andere Burg zu finden. Da gibt es im äußersten Osten, kurz vor Mondorf, das Schloss von Aspelt, eine gut erhaltene Wasserburg, über deren weitere Nutzung auch noch keine Entscheidung getroffen wurde. Was findet man noch in Weiler-la-Tour, natürlich einen Turm, der aber historisch nichts mit dem Ortsnamen zu tun hat, und wenige andere architektonische Spuren.

Eine echte Überraschung ist das Schloss von Küntzig. Mancher Bauernhof ist größer als dieses, offenbar beim Waschen eingelaufene, Renaissanceschlösschen. Dennoch ist es ein sehenswertes Kleinod der Baukunst.

Es bleibt festzuhalten: So uninteressant sind die Schlösser und Burgen des luxemburgischen Südens gar nicht.

Übrigens: Die Stahlbarone des 19. Jahrhunderts bauten ihre Schlösser lieber in der Hauptstadt oder kurz davor. Schlösser, in denen heute unter anderem der russische (Beggen) und der chinesische (Dommeldingen) Botschafter residieren.