Ein „tageblatt“-Kommentator verglich gestern die Regierung mit jemandem, der sich, im Hochsommer kurz vor einem Hitzschlag stehend, auch noch einen dicken Pulli überzieht. Mit diesem etwas sonderbaren Bild untermauert der Journalist aus dem OGBL-Blatt seine Überzeugung, dass es töricht sei, nun zur Rentrée „Austeritätsmaßnahmen“ anzukündigen, da sowas „das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum“ wieder abwürgen könnte. Wie zart das Wachstum in Europa ist, lässt sich an der neuesten Schätzung von Eurostat für das zweite Quartal ablesen, die gestern veröffentlicht wurde: Die Wirtschaft in der Eurozone stagnierte im zweiten Trimester im Quartalsvergleich und legte im Jahresvergleich gerade mal um 0,7 Prozent zu.

Das Wachstum könnte sich noch weiter verlangsamen, denn Europas Wachstumslokomotive Deutschland verliert an Dampf: Die Wirtschaftsleistung des Nachbarn und Haupthandelspartners Luxemburg ist im Quartalsvergleich um 0,2 Prozent zurück gegangen. Da dürften nicht nur die Unsicherheiten im Osten Europas zugeschlagen haben, sondern auch die Probleme in den größten Partnerwirtschaften: Die französische Wirtschaft tritt seit vielen Quartalen auf der Stelle, die italienische rutscht weiter ab.

Dass die Wirtschaft im Euroraum besser aufgestellt sei, als noch vor zwei Jahren, wie der „t“-Autor behauptet, ist also alles andere als sicher. Ein konjunktureller „Hochsommer“ sieht anders aus und das Risiko besteht, dass die vorherrschende Kältefront der Prognose von 2,9 Prozent Wachstum, die die Luxemburger Wirtschaft in diesem Jahr erleben soll, einen kräftigen Schnupfen bereitet. Da wäre ein Pulli schon angebracht, nicht wahr? Ob die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank von dieser Woche die „Realwirtschaft“ in Europa tatsächlich anschieben werden, ist indes alles andere als sicher. Dazu braucht es schon mehr Vertrauen in die Zukunft. EZB-Chef Mario Draghi hat am Donnerstag nicht umsonst darauf hingewiesen, wo die Grenzen dieser Institution liegen.

Gleichzeitig unterstrich er, dass es zu allererst an den Regierungen von Europas Krisenstaaten sei, ihren Job zu machen und dringend notwendige Strukturreformen anzukurbeln. Heißt im Klartext vor allem: Ihr müsst Konjunkturprogramme auflegen. Dazu müssen die Lenker die verfügbaren Mittel aber so neu ordnen, dass das überhaupt möglich ist - ohne den Konsum abzuschnüren. Diese Gratwanderung muss auch Luxemburg vollbringen. Umso mehr die angesprochenen Mittel nicht zuletzt durch das neue TVA-Regime im E-Commerce und den Wegfall des Bankgeheimnisses, wie wir es bislang kannten, noch schneller schrumpfen werden, als sie es ohnehin schon seit Jahren tun - merke: Kurseinbrüche an den internationalen Finanzmärkten durch die Krisen in der Welt könnten diesen Trend rapide weiter verschärfen. Fakt ist, dass dieser Situation, die nicht durch eine selbst substantielle Konjunkturaufhellung behoben wird, begegnet werden muss. Jeden Ansatz dafür als „Austeritätsmaßnahme“ abzukanzeln und so jeglicher Diskussion - und Verantwortung - aus dem Weg zu gehen, ist keine Lösung. Das werden hoffentlich auch die Sozialpartner wissen, wenn sie Ende des Monats mit der Koalition über das nächste Budget diskutieren.