TRIER/LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Zwei junge Unternehmer gründen Lebensmittelplattform „regiocart“

Alles begann für Yannik van Breen und Michael Steffen am 11. und 12. Mai 2018 beim Trierer Startup Camp. „Ich habe aus purem Interesse teilgenommen“, erinnert sich Yannik, „und weil ich mich schon länger mit der Start-up-Szene beschäftigt hatte. Man hatte den Traum, sich zu verwirklichen“.

Aus purem Interesse wurde Ernst, aus dem Traum ein Stück weit Wirklichkeit. Der Psychologiestudent und der Sport- und Geographielehrer lernten sich bei dem Camp kennen und entwickelten schon kurz darauf erste Pläne für ein gemeinsames Projekt.

Ambivalenter Strukturwandel

Noch stehen Michael und Yannik relativ am Anfang. Die Onlineplattform „regiocart“, auf der kleine und mittelgroße Lebensmittelproduzenten regionale Produkte für den privaten Endverbraucher anpreisen werden, ist aktuell noch in der Entwicklungsphase. Schon bald soll aber der nächste Schritt gewagt werden. Für Anfang des nächsten Jahres ist geplant, mit einem Pilotmarkt der Region Trier online zu gehen.

Einige Erfolge hat das Gründerduo auch schon zu verzeichnen. So nahm es an einer Reihe von Wettbewerben teil und konnte sich auf diese Weise auch das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sichern. Außerdem habe eine Reihe von Händlern bereits Interesse bekundet und Absichtserklärungen unterzeichnet. Vor allem die junge Erzeugergeneration sei offen für neue Vertriebsmöglichkeiten. „Für einen späteren Zeitpunkt wäre die Großregion mit Luxemburg sicherlich ein attraktiver Markt“, erklärt Michael.

Der Lebensmittelmarkt und -vertrieb haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Das ist ein zweischneidiges Messer. Auf der einen Seite gibt es Betriebe wie der einstige Hof von Yanniks Verwandten, der unter der Last der Konkurrenzbetriebe die Viehzucht aufgegeben hat. Auf der anderen Seite ist genau das eine Chance für alternative Märkte und Vertriebsweisen - und für „regiocart“.

Regionalität hat Priorität

Die Wahl fällt auf regionale Produkte, weil damit nicht nur ökologische Vorteile erzielt, sondern auch die lokale Wirtschaft gefördert und kleinere Betriebe unterstützt werden. Zudem erhoffen sich die beiden, mit regionaler Ware höhere Qualitätsstandards einhalten zu können. Die Frage, ob sie neben Regionalität auch gezielt auf biologische Erzeugnisse setzen und auf andere Kriterien besonderen Wert legen, verneinen sie aber. Regionalität sei ihre Priorität, was Bio aber natürlich nicht ausschließe. Auch wollen sie sich nicht auf eine bestimmte Lebensmittelgruppe beschränken.

Auf die Frage, wie regional regional denn eigentlich sein sollte, haben sie keine eindeutige Antwort. „Der Begriff ist schwammig“, erklärt Yannik. „Leider werden viele Produkte damit aufgehübscht, ohne dass sie mit regionaler Ware tatsächlich etwas zu tun haben“. Das sei auch der Grund, warum sie regionale Produkte als Ideal anstrebten und nicht als zwingendes Kriterium festsetzten.

Als Zielmarkt nennt Yannik den Privatkonsumenten, genauer die sogenannte „DINK“ Gruppe („double income, no kids“). Sie würden aber auch bei den Preisen keine Vorgaben machen und den Preisdruck vermeiden wollen, dem Lebensmittelproduzenten im regulären Lebensmitteleinzelhandel oftmals ausgesetzt seien.

Mit Optimismus in die Zukunft

Der Name der Plattform, „regiocart“, stammt aus dem Englischen und bedeutet „regionaler Einkaufswagen“. Doch offenbar erscheint dies nicht jedem auf Anhieb einleuchtend. „Der eine schreibt’s mit ‚d‘ und denkt, es hätte etwas mit ‚card‘, also ‚Karte‘ zu tun, der nächste versteht nur Gokart“, lacht Michael.

Die zwei jungen Männer haben für dieses „Gokart“ alles auf eine Karte gesetzt. Michael arbeitet nur noch im Nebenjob als Lehrer und auch Yannik möchte sich nach Abschluss seines Studiums im Herbst erst einmal voll und ganz auf das Unternehmen konzentrieren. Das müssen sie sogar, denn mit der Annahme des Stipendiums haben sie sich dazu verpflichtet, andere Erwerbstätigkeiten erheblich einzuschränken. „Das ist ein Risiko. Aber wir probieren’s“, meint Yannik optimistisch.

Die beiden verbindet der Glaube an ihr Projekt, und sie wollen auch anderen jungen Menschen Mut machen. Es bedürfe im Grunde nur einer guten Idee, und schon mit dieser Idee sei es möglich, Fördermittel zu bekommen. Die Finanzierung und das Knüpfen von Kontakten sei dann der erste Schritt, um sich ein Start-up aufzubauen, ein Schritt, den Yannik und Michael bereits hinter sich haben.

Wir dürfen gespannt sein, ob wir schon bald den ersten regionalen Apfel auf „regiocart“ erwerben können, wie er, im saftigen Grün, im Logo des Start-ups erscheint.