LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Neubau des Nationalarchivs nach all den Jahren der Planung wieder ungewiss

Eigentlich könnte der Neubau des Nationalarchivs längst stehen, traf die (damalige CSV/DP-) Regierung doch bereits 2002 die Entscheidung, ein neues Gebäude auf dem Gelände von Esch/Belval zu errichten.

Unendliche Geschichte

Im Januar 2003 wurde ein internationaler Wettbewerb ausgerufen; im April selbigen Jahres wurde der entsprechende Gesetzestext vom Regierungsrat angenommen und im Juni 2004, also kurz vor den Wahlen, in der Abgeordnetenkammer deponiert. Damaliger Kostenpunkt: 84,2 Millionen Euro. Im Koalitionsabkommen vom Juli 2004 - die schwarz-blaue Koalition wurde durch eine CSV/LSAP-Regierung ersetzt - wurde noch einmal wiederholt, dass der Neubau des Nationalarchivs nach Belval kommt, ehe dann zwei Jahre später beschlossen wurde, aus Kostengründen ein neues Projekt auszuarbeiten. Die Schlussfolgerungen einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe wurden dann im Jahre 2009 vorgelegt, und seitdem ist nichts mehr geschehen. Alles nachzulesen in der seit gestern vorliegenden Antwort von Kulturministerin Maggy Nagel (DP) auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage ihrer Vorgängerin Octavie Modert (CSV), in der die neue Ressortministerin festhält, dass alle Elemente zum Neubau des Nationalarchivs nun also schon seit zehn Jahren vorliegen.

Die Nagel’sche Schlussfolgerung könnte klarer dann auch nicht sein: „Il semble tout à fait évident qu‘après tant d‘années d‘inertie, le projet devra être réévalué de fond en compte. Il en résulte que les questions quant à la surface envisagée, au coût et au calendrier de construction ainsi que le cas échéant au lieu précis, devront être entièrement reconsidérées“.

Maggy Nagel in parlamentarischenKulturausschuss eingeladen

Für das Nationalarchiv, das, wie auch die Nationalbibliothek, schon seit längerem aus allen Nähten platzt und momentan auf verschiedene provisorische Standorte verteilt ist, eine Katastrophe.

„déi Lénk“, die gestern eine Pressekonferenz über die Zukunft des Nationalarchivs organisierten, rufen die Kulturministerin nun in einem Brief dazu auf, den Mitgliedern der parlamentarischen Kulturkommission Rechenschaft über ihre Pläne abzulegen. Auch sollten sich jetzt dringend alle betroffenen Parteien - Kulturschaffende, Forscher, Uni Lëtzebuerg, Escher Stadtverwaltung und „Ordre des Architectes“ - zu Wort melden, um den Bau des Belvaler Projekts in seiner alten bzw. in einer aktualisierten Form einzufordern. Der Neubau dürfte trotzdem in weite Ferne rücken...