LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Wohl das Motiv für den Mord an O.: fünf Gramm Kokain

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg ist der Mordprozess gegen Lee K. und Alden S. gestern fortgesetzt worden. K. und S. sind angeklagt, am 9. November 2016 gemeinschaftlich den nigerianischen Drogendealer O. ermordet zu haben. Nur wer von beiden geschossen hat, das bleibt immer noch unklar. Für den Mord an der rumänischen Prostituierten E. soll K. alleine verantwortlich sein. Die beiden Morde geben dem Gericht und der Staatsanwaltschaft immer noch viele Rätsel auf.

Das Interesse an den außergewöhnlichen Mordfällen ist groß. Der Verhandlungssaal war auch am Donnerstag mit Medienvertretern und Interessierten voll besetzt. Die Angeklagten belasteten sich am Donnerstag erneut gegenseitig. Für die Richter sind die Einlassungen der beiden Kontrahenten der „unbeholfene Versuch, von der Mordabsicht wegzukommen“.

Gegenseitige Belastungen

K. wurde am Donnerstag ausführlich vernommen. Dass der 37-Jährige die Geschehnisse aus der Nacht vom 9. auf den 10. November 2016 am Donnerstag noch einmal detailliert schildern musste, fiel ihm sichtlich schwer.

K. gab zu Protokoll, dass er S. seit 2012 kenne. S. hätte in seiner Firma gearbeitet.

Der Mann sei ein Drogendealer. Schließlich habe auch er bei ihm Drogen gekauft. Im Jahr 2015 wäre der Kontakt zwischen ihm und S. abgebrochen.

Auf jeden Fall hat K. den wegen gemeinschaftlichen Mordes Mitangeklagten S. nicht mal ein wenig aus der Schusslinie genommen. Im Gegenteil, er gab am Donnerstag zu Protokoll, dass S. es gewesen sei, der geschossen habe. „Die Gewalt ist so widerwärtig und unfassbar, das sprengt alles, was ich bislang erlebt habe“, beteuerte K. vor Gericht. Die Position der Leiche, wie K. sie nach dem Schuss beschrieben hatte, würde nicht passen, sagte die Vorsitzende Richterin. Trotzdem blieb K. bei seiner Aussage. Er sei gefahren. Er hätte während dem Fahren die Leiche zur Seite gedrückt. Aus einer SMS, die K. an S. geschrieben hat, geht aber hervor, dass der Mord am Dealer geplant war. An die SMS kann K. sich allerdings nicht erinnern. Stattdessen scheint das Motiv für die Bluttat geklärt: Der Anlass für den Mord scheinen fünf Gramm Kokain gewesen zu sein.

Der Beschuldigte versuchte während der Einvernahme, seine Rolle in dem Mord an O. möglichst kleinzureden. Er war aufgebracht und gestikulierte. Fraglich ist, ob er wirklich für den ersten Mord alleine verantwortlich ist.

„Kee Mensch huet d’Recht fir engem anere Mensch d’Liewen ze huelen“, beteuert K.. „Ech si mitt, elo ech sëtzen schon drai Joër am Prisong.“ Wenn die Richterin K. eine wichtige Frage stellte, antwortete K. etwas herablassend „Ech wees et nët.“ Was die Zeugen hier über ihn ausgesagt hätten, sei „alles Brach“, meinte K. In der schwarzen Tasche, die hinten im Wagen lag, hätten nur vier Waffen gelegen. Er hätte vergessen, die Waffen aus der Tasche zu nehmen, beteuerte er vor Gericht.

Eine Frage beschäftigte das Gericht am Donnerstag besonders: Warum fotografierte der mutmaßliche Mörder „Trophäen“ seines Opfers?“ K. hatte die blutbeschmierte Hose des Opfers samt Tatwaffe fotografiert. K. musste gar nicht nachdenken, die Antwort kam sofort. Wenn die Polizei käme, hätte er einen Beweis. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, warum er einige zwielichtige SMS an S. geschrieben hatte, konnte K. aber am Donnerstag keine plausiblen Antworten geben. K. meinte nur, dass die SMS blöd gewesen wären.


Der Prozess wird heute um 9.00 fortgesetzt