LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

46-jähriger Albaner muss sich wegen 21-fachen Einbruchs verantworten

Nach langer und intensiver Fahndung konnte die Luxemburger Polizei einen bemerkenswerten Erfolg verbuchen: Ein 46 Jahre alter mutmaßlicher Einbrecher aus Vlore (Albanien) wurde in Montenegro festgenommen. Dieser Festnahme ging allerdings eine aufwendige Fahndung der Polizei voraus, wie ein zuständiger Ermittler vor Gericht mitteilte. Jetzt stand der mutmaßliche Täter vor der 9. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg.

Professionell vorbereitet

Dem mutmaßlichen Einbrecher werden rund 21 Einbrüche, begangen in ganz Luxemburg zwischen Oktober 2015 und Ende November 2017, zur Last gelegt. Der Mann war in mehrere Einfamilienhäuser und Wohnungen im Großherzogtum Luxemburg eingestiegen, unter anderem in Echternach, Bettemburg, Fingig, Ingeldorf, Gosseldingen, Fischbach, Bech, Grevenmacher, Mertzig, Bridel, Itzig, Stadt Luxemburg, Berchem, Saeul, Frisingen, Leudelingen, Bettendorf, Strassen. Die Bewohner waren zum Tatzeitpunkt meistens nicht zu Hause. Der mutmaßliche Täter kundschaftete zumeist vor dem Einbruch die Umgebung aus, er suchte sich schwer einsehbare Grundstücke aus, passte günstige Momente ab und ging professionell und zügig zu Werke. Schmuck, Geld und Luxushandtaschen von Louis Vuitton, die er stahl, verkaufte er auf dem Schwarzmarkt oder auf dem Flohmarkt.

Da das Handy des Einbrechers bei seinen Taten eingeschaltet blieb, konnten die Ermittler die Standorte orten. Warum der Mann keine Handschuhe bei seinen Einbrüchen trug, sei ein Rätsel, sagte ein Ermittler.

Da der Einbrecher überall Spuren hinterließ, nahmen die Ermittler Abstriche an den Tatorten, stellten Hautpartikel sicher und extrahierten daraus eine DNA-Spur. Fündig wurden die Ermittler am Ende durch einen DNA-Spurenabgleich mit den deutschen Kollegen in Prüm/Eifel. Die Ermittler filterten einen albanischen Staatsbürger heraus, der aber nirgendwo wegen Straftaten auffällig geworden war. Als die Kriminalpolizei seine Identität geklärt hatte, erließ die Staatsanwaltschaft Luxemburg einen internationalen Haftbefehl gegen den Mann. Der Albaner wurde von Behörden in Montenegro verhaftet und nach drei Monaten an Luxemburg ausgeliefert; es ergaben sich mehrere Alias-Namen für den Verhafteten.

Bewährungsstrafe?

Charakteristisch für die Biografie meines Mandanten seien schwierige wirtschaftliche Lebensbedingungen, sagte Me Scheerer in seinem Plädoyer. Dabei ging es dem Mann nicht um Reichtum und einen ausgefallenen Lebensstil, sondern um Existenzsicherung und vor allem um seine schwerkranke Tochter in seinem Heimatland. Der Verteidiger beantragte mildernde Umstände und händigte dem Gericht ein ärztliches Attest aus, in dem bescheinigt wird, dass die 20-jährige Tochter sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen muss, der nicht in Albanien gemacht werden kann und der sehr teuer ist.

Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre

Der Albaner weiß nicht, wie er die OP bezahlen oder gar seine Familie in Albanien ernähren soll. In der Rückschau zeigte sich der Angeklagte reumütig. Er entschuldigte sich auch bei den geschädigten Personen. Me Scheerer beantragte eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Für drei von einundzwanzig Einbrüchen beantragte er eine Verfahrenseinstellung - aus Mangel an Beweisen. Der Ankläger nahm die Beantragung an, forderte aber für die 18 Einbrüche eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und eine Geldstrafe.


Das Urteil wird am 29. Oktober 2019 gesprochen