NIC. DICKEN

Nur die etwas reiferen Semester erinnern sich, wenn auch mit Schaudern, an die unsägliche Oppositionspolitik der Jahre 1974 bis 1979, als die CSV, wie später auch 2013, wegen mangelndem Reformwillen vom Wähler abgestraft worden war und eine numerisch zwar nicht überzeugende, trotzdem aber tatfähige und vor allem tatkräftige LSAP-DP-Regierung die Geschicke des Landes in die Hand nahm und wegweisende Neuerungen in die Wege leitete, die jahrzehntelang der Gesellschaftsentwicklung in Luxemburg gut taten.

War es damals noch ein willfähriger Klerus, der sich Sonntag für Sonntag in den seinerzeit noch gut gefüllten Kirchen vom Predigtstuhl herab als Erfüllungsgehilfe der CSV betätigte - hat der Schwund der Kirchgänger in den letzten vier Jahrzehnten am Ende nicht auch etwas mit diesem Phänomen zu tun? - so versuchen sich derzeit andere Gruppen als Störfaktoren an einer erfolgreichen Regierungspolitik und als Wegbereiter einer möglichst schnellen Rückkehr zu früheren - sprich: besseren! - Zeiten.

Die seit Dezember 2013 amtierende Dreierkoalition hat nicht nur Reformwillen bekundet, sondern diesen auch mit Eifer in vielen politischen Bereichen durchgesetzt.

Dass nicht immer alles reibungslos vonstatten ging und Pannen bei Timing und Kommunikation zu beklagen waren, gehört zu einer resoluten Erneuerungspolitik leider dazu.

Manche der Pannen beruhten aber auch auf genau so gesetzlosen wie unmoralischen Einwirkungen von Leuten, die vom Steuerzahler dafür bezahlt werden, ihren Dienst im Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit zu verrichten, ganz gleich welcher Couleur der direkte Dienstherr auch sein mag.

Hatte es nicht schon kurz nach Antritt der neuen Regierung eine Reihe von Eklats gegeben, weil hoch stehende Beamte in Finanz-, Familien- oder Tourismusministerium jene Loyalität vermissen ließen, zu der sie sich per Amtseid verpflichtet hatten? Musste nicht sogar das ganze Land über einen Ex-Minister lachen, der sich wegen seiner für die Handy-Tastatur etwas zu fleischigen Finger bei seinen Unterwanderungsversuchen selbst verraten hatte?

Aber auch bei niedrigeren Parteichargen scheint der absolute Umsturzwille stärker ausgeprägt zu sein als der eigentlich zu erwartende gesunde Menschenverstand.

Die jüngste Affäre um die so genannten „School Leaks“ offenbart denn auch, dass einzelnen Leuten immer noch alle Mittel recht sind, um dem verhassten politischen Gegner eins auszuwischen, selbst wenn dabei wichtige Institutionen des Landes mehr Schaden nehmen als der visierte Gegner.

Selbstgefällig und mit Bedacht auf Imageschaden der Regierung beobachtet die CSV auch, wie die von ihr selbst initiierte Reform der Eigentumsverhältnisse in der Kirche nun zum offenen Kampf zwischen lokalen Kirchenfabriken und dem Bistum ausartet, aus dem niemand unbeschadet hervorgehen wird.

Hauptsache, die eigenen Umfragewerte stimmen. Aber wie lange noch?