LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Wie man sein Fahrrad frühlingsfit macht – Tipps von der „Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ“

Die Sonne lässt sich wieder öfter blicken, und die Temperaturen steigen. Für viele ist damit der passende Zeitpunkt gekommen, das Fahrrad aus dem Winterschlaf zu wecken. Damit der Start in die Fahrradsaison gelingt, sollte das Zweirad einem Frühlingscheck unterzogen werden. Philippe Herkrath von der „Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ“ (LVI) erklärt, worauf es dabei ankommt. Im Gespräch mit dem „Journal“ geht er außerdem auf den Stand der Dinge in Sachen Ausbau der Radinfrastrukturen ein.

Foto: privat - Lëtzebuerger Journal
Foto: privat

Worauf muss man achten, wenn man nach der Winterpause wieder aufs Fahrrad steigen will?

Philippe Herkrath Gerade wenn das Fahrrad über den Winter im Keller oder in der Garage stand, ist ein generelles Check-up ratsam, einfach um sich zu vergewissern, dass alles richtig funktioniert. Zuerst einmal sollten Reifen und Reifendruck überprüft werden. Wenn das Fahrrad lange nicht genutzt wurde, müssen sie mit Sicherheit aufgepumpt werden. Dann muss aber auch der Reifen selbst kontrolliert werden. Wie ist sein Zustand? Reicht das Profil noch? Mit der Zeit kann der Reifen brüchig werden. Möglicherweise muss er ersetzt werden. Dann müssen die Bremsen gecheckt werden. Sind sie richtig eingestellt? Wenn der Bremsbelag abgenutzt ist, müssen sie ausgewechselt werden. Auch die Gangschaltung muss gegebenenfalls neu eingestellt werden, damit die Gänge reibungslos gewechselt werden können.

Kurze Zwischenfrage: Kann man diese Etappen alle selbst erledigen, eben zum Beispiel die Gangschaltung einstellen?

Herkrath Wie das funktioniert, kann ich jetzt nur schwer erklären, man findet dazu aber viele Anleitungen im Internet. Das Fahrrad kann man am Anfang der Saison auch in allen Fahrradgeschäften genauer kontrollieren lassen, was im Übrigen nicht besonders kostspielig ist. Gerade bei E-Bikes bietet es sich an, einen Fachhändler aufzusuchen und nicht selbst an der Elektronik herumzuwerkeln. Die LVI organisiert indes regelmäßig Reparaturkurse, allerdings sind die für März schon ausgebucht. Man kann sich jedoch auf eine Liste eintragen und wird dann angeschrieben, wenn es einen nächsten Termin gibt. Da lernt man eben gerade diese Dinge, etwa wie man den Schlauch wechselt, wie man die Bremsen kontrolliert oder eben wie man die Gangschaltung einstellt.

Gut, Reifen, Bremsen und Gangschaltung sind also gescheckt. Was muss noch erledigt werden?

Herkrath Natürlich ist es sinnvoll, zu kontrollieren, ob keine Schraube locker ist, nicht dass sich irgendetwas bei der ersten Fahrt löst und es so zum Sturz kommt. Regelmäßig gilt es dann auch die Kette zu inspizieren, also einfach immer mal wieder mit einem Lappen drüberzuwischen, damit sie nicht zu viel Schmutz und altes Öl ansetzt und dann auch mit etwas neuem Öl nachfetten. Ganz wichtig ist außerdem, gerade wenn man etwas früher im Frühling wieder aufs Rad steigt, wo es abends doch noch relativ früh dunkel wird, zu überprüfen, ob die Beleuchtung richtig funktioniert.

Apropos Beleuchtung, laut Straßenverkehrsordnung ist sie vorgeschrieben. Nicht alle Fahrräder sind aber von vorne-herein damit ausgestattet. Gibt es Vorgaben, wenn man sein Rad damit nachrüstet?

Herkrath Mittlerweile werden die meisten Fahrräder korrekt ausgerüstet verkauft. Inzwischen gibt es ja auch Subsidien, die man beim Ministerium beantragen kann, wenn man sich ein neues Fahrrad kauft. Eine der Bedingungen ist dann natürlich, dass es den Vorgaben des „Code de la Route“ entsprechend ausgestattet ist. Dazu gehört ganz klar die Beleuchtung. Ein Fahrrad muss über ein weißes oder gelbes Vorderlicht sowie über ein rotes Rücklicht verfügen. Ein roter Rückstrahler ist ebenfalls vorgeschrieben, genau wie Reflektoren an den Pedalen sowie entweder an den Speichen oder am Reifenrand. Wenn man sein Fahrrad mit Vorder- und Rücklicht nachrüsten muss, gilt es an sich hauptsächlich auf die Wattleistung zu achten. Mit den heutigen LEDs ist man diesbezüglich aber auf der sicheren Seite. Vielleicht sollte man nicht auf das billigste batteriebetriebene Modell zurückgreifen, weil die Sichtbarkeit dann doch möglicherweise nicht ausreicht. Andererseits soll man es nicht übertreiben: die ganz großen Halogenscheinwerfer sind beispielsweise nicht für den Straßenverkehr geeignet, sondern vielmehr für Fahrten mit dem Mountainbike durch den Wald. Am besten lässt man sich im Fachhandel beraten.

Macht eine regelmäßige Inspektion ähnlich wie beim Auto Sinn?

Herkrath Bei den einzelnen Fahrradteilen treten irgendwann Verschleißerscheinungen auf. Eine Kette soll man beispielsweise nach einer gewissen Kilometerzahl auswechseln. Auch das kann man je nach Ausrüstung zuhause selbst erledigen. Wenn man keine riesigen Strecken zurücklegt oder nur kurze Wege täglich zur Arbeit radelt, reicht es sicherlich, das Rad einmal im Jahr einer genaueren Überprüfung zu unterziehen, am besten zum Saisonbeginn. Wenn man richtig viel fährt, sollte man dies öfter tun.

Der LVI liegt natürlich viel daran, die Menschen zu sensibilisieren und sie dazu zu ermutigen, häufiger oder überhaupt aufs Fahrrad zurückzugreifen. Welche Gründe können Sie anführen, um dazu zu motivieren?

Herkrath Es gibt verschiedene Argumente. Je nachdem, wo man wohnt, kann es zum Beispiel sein, dass man morgens schneller mit dem Fahrrad als mit dem Auto vorankommt. Wenn man morgens mit dem Rad zur Arbeit und danach wieder nach Hause fährt, hat man noch dazu auch gleich etwas Sport getrieben. Wenn man täglich 20 bis 30 Minuten Fahrrad fährt, reicht dies laut Studien schon, um bei guter Gesundheit zu bleiben. Damit spart man sich dann auch nach der Arbeit den Gang ins Fitnessstudio. Zumindest wenn man etwas ruhigere Wege nutzen kann und nicht mitten durch den Autoverkehr muss, ist dies einfach auch eine ganz schöne Erfahrung. Man kommt richtig wach und meist auch besser gelaunt zur Arbeit, als man es tut, wenn man morgens schon im Stau steht.

Die LVI bietet auch Fahrradkurse für Erwachsene an. An wen richten sich diese genau?

Herkrath Sowohl an tatsächliche Anfänger wie auch an Personen, die jahrelang nicht Rad gefahren sind und sich deshalb unsicher fühlen. Die Nachfrage ist übrigens relativ groß. Wer nicht die Chance hatte, das Fahrradfahren in seiner Kindheit oder Jugend zu erlernen, kann dies immer noch im Erwachsenenalter nachholen. Und wer eben seit seiner Jugend nicht mehr geradelt ist, muss auch keine Angst haben. Der Spruch „Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“ kommt ja nicht von ungefähr. Bei uns kann man in einem verkehrsfreien Rahmen üben und sich so wieder ans Fahrrad gewöhnen.

Wie ist die Situation denn momentan in Luxemburg, was etwa das Radwegenetz oder auch die Sicherheit für Radfahrer in der Hauptstadt anbelangt? Wie zufrieden ist die LVI?

Herkrath Komplett zufrieden sind wir sicherlich noch nicht. Unter verschiedenen Gesichtspunkten kann man aber durchaus von einer Verbesserung reden. Zweifelsohne hat das Fahrrad an Stellenwert gewonnen, es greifen deutlich mehr Menschen in ihrem Alltag darauf zurück. Das sieht man zum Beispiel täglich am Radweg, der über die rote Brücke führt, da sind morgens zur Hauptverkehrszeit wirklich viele Radfahrer unterwegs. Dadurch bekommt der Bedarf an zusätzlichen Fahrradinfrastrukturen auch noch mehr Gewicht. Ganz klar ist ein Fortschritt zu erkennen. Es gibt aber immer noch zu viele Abschnitte, wo eine gute Infrastruktur fehlt, was viele Leute vom Radfahren abhält. 200 Meter, die man wegen einer fehlenden Alternative, auf einer vielbefahrenen Straße zurücklegen muss, können schon reichen. Was die Radwege quer durchs Land anbelangt, so gilt es auch diese besser miteinander zu verbinden. Im neuen Gesetz wird dem Rad hinsichtlich der Alltagsmobilität deutlicher Rechnung getragen. Das soll sich auch im nationalen Radwegenetz widerspiegeln. Es ist ja oft so, dass man Umwege fahren muss, da die Radpisten eher auf die touristischen Strecken ausgelegt sind, was Alltagsradfahrern nicht entgegenkommt. Diesbezüglich sind bekanntlich Verbesserungen vorgesehen.

Weitere Infos unter www.lvi.lu