Die „Großregion“ ist weder eine geographische noch eine demographische, historische, sprachliche, wirtschaftliche oder politische Einheit. Die Gemeinsamkeit ist ihre Lage im Herzen der Europäischen Union, zwischen Maas und Rhein. Seit über 30 Jahren unternimmt man nun in den unterschiedlichsten Bereichen Anstrengungen zur Annäherung und Zusammenarbeit, auch die Politik der Entwicklung des ländlichen Raums gehört dazu.
Dabei wurde eines gestern auf der 4. Fachtagung zum ländlichen Raum in Wiltz klar: Die Herausforderungen, vor denen die Politik steht, macht an den Grenzen nicht halt. Hatte man sich in den drei Tagungen zuvor mit „Ausbildung und Fachkräftemangel“, mit „Wirtschaftsentwicklung und lokale Beschäftigung“ sowie „Mobilität“ befasst, so ging es in Wiltz um „Gesunde Gemeinschaften“ als Herausforderung und Voraussetzung für eine harmonische und dauerhafte Entwicklung des ländlichen Raumes in der Großregion.
Vielfältige Einflüsse auf die Gesundheit?
„Gesunde Gemeinschaften“ soll dabei ein ganzheitliches Konzept darstellen, das weit über die medizinische Grundversorgung hinausgeht. Denn dass die Verantwortung für Gesundheitsförderung nicht allein beim Gesundheitssektor liegt, sondern bei allen Politikbereichen, machen Studien über den Einfluss auf die Gesundheit deutlich: 10-15% Einfluss hat der Gesundheitssektor, 20-30% die Genetik und individuelle Faktoren, 20% das Ökosystem und 40-50% machen die sozioökonomischen Faktoren aus. „Armut ist eines der Hauptrisiken für die Gesundheit“, sagte Yolande Wagener von der Luxemburger Gesundheitsdirektion in ihrer einleitenden Rede. Das Motto der Weltgesundheitsbehörde heiße denn auch „Gesundheit in allen Politikbereichen fördern“.
Die Definition der Gesundheit als körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden wurde mittlerweile um die Faktoren kulturelles und ökologisches Wohlbefinden ergänzt. Die Politik sollte demnach zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden hinwirken. Zu diesem Wohlbefinden gehöre vor allem die Gemeinschaft, das Zusammenstehen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, betonte Yolande Wagener, der intergenerationelle und Interkulturelle Zusammenhalt. „Die allerwichtigste Anforderung an uns ist es, unser Bestes zu tun, damit Kinder von klein auf soziale Fähigkeiten und menschliche Kompetenzen erwerben.“
Vierzehn Experten aus den Ländern der Großregion gingen dann in ihren Vorträgen auf einzelne Problemfelder ein. Der Tenor war: Wie kann in Zeiten von Ärztemangel, von steigendem Pflegebedarf, von Geburtenmangel langfristig noch eine Versorgung gerade in den ländlichen Regionen garantiert werden?
Inhalt und Ziel der Konferenzen ist es, neue Ansätze für die Großregion zu suchen.




